Die TU Dresden will hochradioaktiven Atommüll in einem Versuchsreaktor in Energie und kurzlebigere Stoffe umwandeln. Für den Flüssigsalzreaktor „DEMO“ nennt sie neben Dresden-Rossendorf auch Schwarze Pumpe und Boxberg in der Lausitz. Das teilte die Universität am Donnerstag zu einer Machbarkeitsstudie mit.
Machbarkeitsstudie im Auftrag der Staatskanzlei
Bezahlt hat die Studie nach Angaben der TU Dresden der Freistaat Sachsen, übergeben wurde sie laut dem Dresdner Nachrichtenportal Oiger am Donnerstag an die Sächsische Staatskanzlei. Darin beschreibt die Universität einen Flüssigsalzreaktor mit höchstens 50 Megawatt thermischer Leistung, der 20 Jahre lang laufen soll. Er soll abgebrannte Brennstäbe und verglaste Abfälle aus deutschen Atomkraftwerken direkt verwerten, ohne die übliche chemische Wiederaufarbeitung.
Übrig bleiben sollen nach dem Konzept nur Spaltprodukte. „Da reden wir dann über etwa 500 Jahre statt eine Million Jahre“, sagte Dr. Carsten Lange von der Professur für Wasserstoff- und Kernenergietechnik gegenüber Oiger. Ein Endlager nach dem Standortauswahlgesetz wäre dann nicht mehr nötig, ein Zwischenlager würde reichen. Die TU Dresden beziffert die mögliche Ersparnis auf rund 50 Milliarden Euro. Der Reaktor soll laut TU Dresden außerdem Radionuklide für Medizin und Technik liefern.
Lausitzer Standorte Schwarze Pumpe und Boxberg im Blick
Als Standorte für den Flüssigsalzreaktor kommen laut TU Dresden „zunächst“ der Forschungsstandort Rossendorf bei Dresden oder Transformationsstandorte in der Lausitz infrage, namentlich Schwarze Pumpe und Boxberg. Durch den Industriepark Schwarze Pumpe verläuft die Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen. Welche Flächen dort gemeint sind und wie konkret die Lausitzer Standorte sind, teilt die Universität nicht mit.
NIEDERLAUSITZ aktuell hat bei der TU Dresden, der Stadt Spremberg, dem Zweckverband Industriepark Schwarze Pumpe, der LEAG, der Gemeinde Boxberg und dem Brandenburger Wirtschaftsministerium nachgefragt. Die Antworten stehen noch aus.
Kosten von 1,95 Milliarden Euro aus öffentlicher Hand
Die Investitionen aus öffentlicher Hand für den Flüssigsalzreaktor schätzt die Universität auf rund 1,95 Milliarden Euro, Entwicklung und Bau würden mindestens fünf Jahre dauern. Wer das Geld aufbringen soll, ist offen.
Nach Ansicht der TU Dresden wäre der Bau schon nach dem geltenden Atomgesetz möglich, weil der Reaktor keinen Strom verkaufen und auf Wiederaufarbeitung verzichten soll. Kommerzielle Kraftwerke dieser Bauart hält sie nach einer Änderung des Atomgesetzes ab 2045 für denkbar. Eine unabhängige Bewertung der Studie liegt bisher nicht vor. Erst Ende Oktober hatte die Bundesgesellschaft für Endlagerung Sachsen aus der Suche nach einem Endlager herausgenommen (wir berichteten). Mehr steht in der Mitteilung der TU Dresden.
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