Traditionelle Kahnzustellung startet in neue Saison
Wie die Deutsche Post mitteilt, hat Andrea Bunar am heutigen Tag ihre mittlerweile 15. Saison als Kahn-Zustellerin im Spreewald begonnen. Im Ortsteil Lehde von Lübbenau übernimmt sie erneut die Zustellung von Briefen und Paketen auf dem Wasserweg. Nach Angaben der Deutschen Post sei der Saisonstart für die 55-Jährige jedes Jahr ein besonderer Moment, da sie nach der Winterpause wieder auf den Fließen unterwegs ist und die Region aus einer besonderen Perspektive erlebt. In den Wintermonaten erfolgt die Zustellung laut Deutscher Post mit dem Fahrzeug. Dabei müssten Zusteller jedoch längere Strecken zu Fuß zurücklegen, etwa über Brücken und Treppen. Die Zustellung per Kahn gilt dagegen als leise und klimaneutral und hat sich über Jahrzehnte hinweg als feste Größe im Alltag der Menschen etabliert.
Post per Kahn seit über 100 Jahren etabliert
Die Kahnzustellung im Spreewald blickt laut Pressemitteilung auf eine rund 129-jährige Geschichte zurück. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entschied sich die Post, Sendungen direkt per Kahn zu den Haushalten zu bringen. Zuvor mussten Bewohner ihre Post sonntags beim Kirchgang selbst abholen. Mit zunehmendem Postaufkommen im Zuge der Industrialisierung wurde der Service angepasst.
Heute werden im Ortsteil Lehde etwa 65 Haushalte auf diese Weise versorgt. Pro Woche liefert Andrea Bunar nach Angaben der Deutschen Post mehr als 600 Briefe, Einschreiben und Postkarten sowie rund 80 Pakete aus. Zusätzlich leert sie während ihrer Tour zwei Briefkästen an Ausflugsgaststätten. Viele der Haushalte verfügen über keine direkte Straßenanbindung, weshalb die Zustellung über die Fließe weiterhin notwendig ist.
Alltag zwischen Stadtzustellung und Wasserweg
Der Arbeitstag der Zustellerin beginnt laut Deutscher Post zunächst in der Stadt Lübbenau. Dort ist sie am Vormittag mit einem Elektrofahrzeug unterwegs. Gegen Mittag belädt sie ihren Kahn und setzt die Zustellung im Ortsteil Lehde fort. Die rund acht Kilometer lange Strecke legt sie dabei ausschließlich mit Muskelkraft zurück. Während der Tour bietet sie zudem einen mobilen Postservice an. Anwohner können Briefe und Pakete direkt übergeben oder Brief- und Paketmarken erwerben. Die Kommunikation erfolgt laut Unternehmen häufig über kurze Nachrichten am Briefkasten oder persönlich vor Ort.
Besondere Lieferungen und regionale Verbundenheit
Im Laufe der Jahre hat die Zustellerin nach Angaben der Deutschen Post auch ungewöhnliche Sendungen transportiert. Dazu zählen unter anderem sperrige Gegenstände wie Möbelstücke, Gartenzubehör oder größere Haushaltsgeräte. Auch im vergangenen Jahr wurden beispielsweise ein E-Scooter, Kleinmöbel und ein Rasenmäher über die Fließe ausgeliefert. Die Zustellerin ist zudem eng mit der Region verbunden. Nach Angaben der Deutschen Post pflegt sie auch privat regionale Bräuche und tritt etwa bei traditionellen Festen in sorbischer Tracht auf. Die Kahnzustellung trägt damit nicht nur zur Versorgung der Haushalte bei, sondern gilt auch als gelebtes Kulturgut im Spreewald.
Technik und Strecke des Postkahns im Überblick
Der eingesetzte Postkahn ist etwa neun Meter lang und besteht laut Deutscher Post seit den 1980er Jahren aus Aluminium. Dadurch ist er weniger anfällig für Korrosion und wartungsarm. Bewegt wird das Boot mit einer rund vier Meter langen Schubstange, dem sogenannten „Rudel“. Pro Saison legt die Zustellerin nach Angaben des Unternehmens rund 1.100 Kilometer auf dem Wasser zurück. Ergänzt wird dies durch tägliche Touren mit dem Fahrzeug in der Stadt. Die Zustellung erfolgt an sechs Tagen pro Woche und ist damit auch in abgelegenen Gebieten gewährleistet.
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Red. / Presseinformation









