Etwa jedes vierte bis fünfte Kind in Brandenburg wächst nach Schätzungen mit psychisch oder suchtkranken Eltern auf. Im Landkreis Dahme-Spreewald sind das hochgerechnet 5.800 Kinder unter 14 Jahren. Ein Modellprojekt soll ihnen früher helfen.
Viele Familien tauchen im Hilfesystem nicht auf
Die Zahl stammt von der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen. Fachleute vermuten eine hohe Dunkelziffer, teilt der Landkreis mit, weil viele Familien nicht im Hilfesystem erscheinen und Erkrankungen der Eltern häufig tabuisiert werden. Dahme-Spreewald ist eine von drei Modellregionen in Brandenburg, die sich um Kinder aus psychisch oder suchtbelasteten Familien kümmern. Seit April 2026 gibt es eine koordinierende Projektstelle, 2024 hatten zwei Werkstattgespräche den Bestand und den Bedarf erhoben. Mit Fördermitteln soll unter anderem ein Präventionsprogramm für Grundschulen entstehen.
Prävention in Oberspreewald-Lausitz und Cottbus
Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz setzt als erster Landkreis in Brandenburg auf die Präventionsstrategie Communities That Care, zunächst in Calau, Senftenberg und Lauchhammer. Dazu lief über den Jahreswechsel 2024/25 eine kreisweite Jugendbefragung. „Wir wollen gemeinsam die Bedingungen, in denen Kinder und Jugendliche im Landkreis Oberspreewald-Lausitz aufwachsen, verbessern“, sagt Steffen Lachmann vom Jugendamt. In Cottbus baut die Selbsthilfekontaktstelle REKIS eine Gruppe für Eltern von Jugendlichen mit Depressionen auf. „Bisher haben sich dafür noch vergleichsweise wenige Eltern gemeldet. Wir vermuten jedoch, dass der tatsächliche Bedarf deutlich größer ist“, sagt Koordinatorin Sandra Müller. Wie Kinder über Gefühle sprechen können, war auch Thema einer Lesung der Cottbuser Kinderbeauftragten Lea Sattler.
Woran Eltern erkennen, dass ihr Kind Hilfe braucht
Eltern sollten aufmerksam werden, wenn sich das Verhalten ihres Kindes plötzlich, drastisch oder über längere Zeit verändert, rät die Schulpsychologie des Staatlichen Schulamts Cottbus, als Faustregel nennt sie mehr als sechs bis acht Wochen. Warnsignale seien etwa häufige Bauch- oder Kopfschmerzen vor allem morgens vor der Schule, für die der Kinderarzt keine körperliche Ursache findet, ein starker Rückzug von Familie, Freunden und Hobbys, häufige Wutausbrüche oder anhaltende Traurigkeit, ein deutlicher Leistungsabfall ohne erkennbaren Grund, Schlaf- und Essprobleme sowie die Weigerung, zur Schule zu gehen. An die Schulpsychologie wenden sich Schülerinnen und Schüler derzeit vor allem mit Prüfungs- und Versagensängsten, Mobbing, depressiven Verstimmungen und Zukunftsängsten. Die Beratung ist kostenlos und freiwillig und unterliegt der Schweigepflicht, auch gegenüber Schulleitung und Lehrkräften.
Wo Familien und Kinder Hilfe finden
Kostenfrei und offen für alle berät die Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Naëmi-Wilke-Stifts in Forst, Frankfurter Straße 21, Telefon 03562 99422, etwa bei Konflikten in Familie und Schule, Ängsten oder nach einer Trennung. Das Stift hat zuletzt auch eine Veranstaltungsreihe zu Mobbing für Eltern, Kinder und Jugendliche angeboten. Kinder und Jugendliche selbst erreichen die Nummer gegen Kummer unter 116 111. Für Eltern in einer Krise ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 erreichbar. Im Notfall gilt die 112.
Newsletter
Die Lausitz am Abend – in zwei Minuten
Jeden Abend das Wichtigste aus der Region – und donnerstags die Veranstaltungstipps fürs Wochenende. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.
AusbildungAusbildung Kraftfahrzeugmechatroniker (m/w/d) - NutzfahrzeugtechnikTruckcenter Senftenberg GmbH & Co. KG · Lübbenau/Spreewald (Groß-Klessow)Zur Stelle →Alle 418 Stellen in Südbrandenburg →Red.









