Seit Jahren wird um die Ortsumfahrung der B169 gestritten. Jetzt war Infrastrukturminister Robert Crumbach in Neupetershain – und nahm eine Bitte mit, über die er noch einmal nachdenken will.

Zweieinhalb Stunden im Wasserturm
Am 19. August trafen sich im Neupetershainer Wasserturm gut ein Dutzend Beteiligte: Minister Crumbach, sechs Mitglieder der Bürgerinitiative, Vertreter des Landesbetriebs Straßenwesen, der SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Roick, Landrat Alexander Erbert und Kreisdezernent Martin Höntsch.
Dazu kamen die Bürgermeisterin von Neupetershain, Marita Theile, ihre Amtskollegen Hilmar Mißbach aus Welzow und André Lehnick aus Großräschen, die stellvertretende Bürgermeisterin von Neu-Seeland, Katrin Peter, sowie ein Landwirt und ein Einwohner aus Allmosen. Das berichtet die Initiative auf der Internetseite der Gemeinde.
Vorausgegangen war ein Treffen im Potsdamer Landtag im Juni. Diesmal ging es vor die Tür: Der örtliche Landwirtschaftsbetrieb hatte die geplante Trasse auf dem Feld markiert, die Initiative zog zusätzlich rot-weiße Bänder – zehn Tage lang sollte jeder sehen können, wie nah die Straße an die Häuser rückt.

Worum der Streit geht
Geplant ist eine Ortsumfahrung für Allmosen, Lindchen und Neupetershain-Nord. Nach Darstellung der Initiative würde daraus keine klassische Umgehung, sondern eine komplett neue Bundesstraße neben der alten – mit mindestens sieben Brückenbauwerken, davon allein drei auf weniger als einem Kilometer bei Neupetershain-Nord.
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Die Kritik der Anwohner: Der Lärm werde nur von einer Seite der Orte auf die andere verlagert. Statt mit 30 oder 50 Kilometern pro Stunde durch den Ort führe der Verkehr dann mit 80 bis 100 am Ortsrand entlang. Allmosen sähe sich künftig zwischen Bahnstrecke, Brückenbauwerken und Umfahrung eingekesselt, Lindchen bekäme keine direkte Anbindung.
Hinzu kommt ein Punkt, der die Gemeinden Geld kosten könnte: Die bisherige B169 zwischen Allmosen und Neupetershain soll zur Gemeindestraße herabgestuft werden. Dann wären die Kommunen für Unterhalt und Sanierung zuständig.
Der Zeitdruck und das Gegenargument
Das Hauptargument des Landesbetriebs gegen die Alternative war laut Initiative der Zeitplan: Die Mittel müssten bis 2038 verbaut sein, eine Neuplanung würde acht Jahre dauern. Diese Dauer konnten die Kritiker nach eigener Darstellung nicht nachvollziehen.
Ihr Gegenargument: Betroffene Grundstückseigentümer hätten angekündigt, sich gegen die Inanspruchnahme ihrer Flächen gerichtlich zu wehren. Damit drohe auch der aktuellen Planung eine Verzögerung – bei der Alternativtrasse sei das nicht zu erwarten.
Die Initiative verweist außerdem darauf, dass bei der ursprünglichen Variantenprüfung zwei neue Industrie- und Gewerbegebiete noch nicht bekannt waren, ebenso wenig die geplante Verbindung von Spremberg über eine Tagebaustraße Richtung Welzow. Der zu erwartende Schwerlastverkehr müsste durch Neupetershain und Welzow geführt werden.
922 Unterschriften und ein einstimmiger Beschluss
Rückhalt hat die Initiative vor Ort: Eine Unterschriftensammlung brachte binnen 50 Tagen 922 Unterschriften. Nach ihren Angaben entspricht das in Allmosen 77 Prozent, in Neupetershain-Nord 78 Prozent und in Lindchen rund 75 Prozent der Wahlberechtigten.
Im Februar fasste die Gemeindevertretung Neupetershain einen einstimmigen Beschluss: Die laufenden Planungen sollen gestoppt und die Alternative geprüft werden.
Ein bemerkenswerter Positionswechsel
Dass die Kommunalpolitik geschlossen hinter der Prüfung steht, ist neu. Im September vergangenen Jahres hatten sich Landrat und die Bürgermeister von Senftenberg und Großräschen noch ausdrücklich gegen eine Paralleltrasse ausgesprochen – sie sei wirtschaftlich nicht vertretbar und gefährde die laufenden Planungen.
Beim Termin im August unterstützten laut Initiative alle Anwesenden außer dem Landesbetrieb und dem Minister die Prüfung der Alternative.
Wie es weitergeht
Das Ergebnis fällt vorsichtig aus: Crumbach wolle über die Prüfung der Alternative noch einmal nachdenken, die aktuellen Planungen würden aber nicht gestoppt. Angeregt wurde ein weiteres Treffen der Initiative mit dem Landesbetrieb Straßenwesen.
Die Darstellung stammt von der Bürgerinitiative. Wir haben den Landesbetrieb Straßenwesen und das Infrastrukturministerium um ihre Sicht gebeten und ergänzen den Beitrag, sobald Antworten vorliegen.
Fotos: © Bürgerinitiative Neue B169
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Red. / Presseinformation







