Emirates am BER rückt näher: Die Bundesregierung macht den Weg für Start- und Landerechte am Hauptstadtflughafen frei, wie aus der Erklärung zum Staatsbesuch hervorgeht. Möglich sind bis zu sieben Flüge pro Woche. Aus Brandenburg und Berlin kommt Zustimmung, aus der Luftverkehrsbranche Kritik.
Was die Bundesregierung für den BER entschied
Die Voraussetzungen für eine regelmäßige Emirates-Verbindung zum Flughafen Berlin Brandenburg seien geschaffen, teilte das brandenburgische Infrastrukturministerium am Donnerstagabend mit. Die Industrie- und Handelskammer Cottbus spricht von einer Entscheidung der Bundesregierung, Emirates Start- und Landerechte am BER zu ermöglichen. Die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg formuliert es als Entscheidung, den Vereinigten Arabischen Emiraten Landerechte am BER einzuräumen.
Gemeint ist eine tägliche Direktverbindung nach Dubai. Möglich sind bis zu sieben Flüge pro Woche. Ein Startdatum nennt keine der drei Mitteilungen.
->> Schon im Februar wollte Emirates an den BER
Was in der Erklärung zum Staatsbesuch steht
Grundlage ist eine gemeinsame Erklärung, die Deutschland und die Vereinigten Arabischen Emirate zum Staatsbesuch von Präsident Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan veröffentlicht haben. Der Präsident war vom 9. bis 11. September in Deutschland.
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Darin sagt die deutsche Seite zu, dem Streckenplan einen fünften Punkt hinzuzufügen: Eine emiratische Fluggesellschaft darf diesen zusätzlich zu den vier bestehenden Punkten in Deutschland anfliegen. Bisher steuert Emirates Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg an.
Wie viel dazukommt, hat das Bundesverkehrsministerium beziffert. „Die zusätzlichen Flüge der Fluggesellschaft sind dabei auf maximal sieben Flüge pro Woche begrenzt“, erklärte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger laut übereinstimmenden Medienberichten. An den vier bestehenden Standorten bleibt die Zahl der Frequenzen dagegen auf dem heutigen Stand. Dort wird nicht aufgestockt.
Eine zweite Beschränkung nennt Bilger ebenfalls: Zwischen dem fünften Punkt und Drittstaaten darf die Gesellschaft nicht verkehren. Erlaubt sind allein Verbindungen zwischen Deutschland und den Emiraten.
Bemerkenswert ist auch, was nicht in der Erklärung steht: Weder Emirates noch Berlin werden ausdrücklich genannt. Der Text spricht von einer emiratischen Fluggesellschaft und einem fünften Punkt. Erst die Reaktionen aus Brandenburg, von der IHK Cottbus und den Unternehmensverbänden benennen Emirates und den BER.

Brandenburg sieht ein Signal für Ostdeutschland
„Das ist ein echter Erfolg für Brandenburg und für Ostdeutschland“, erklärte Infrastrukturminister Robert Crumbach. Er und der amtierende Ministerpräsident Dietmar Woidke hätten sich mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass der BER bei der internationalen Anbindung nicht länger benachteiligt werde.
Ostdeutschland dürfe im internationalen Flugverkehr nicht abgehängt werden, so Crumbach weiter. Wer wirtschaftliches Wachstum, gute Arbeitsplätze und internationale Investitionen wolle, müsse für gute Verbindungen sorgen. Eine regelmäßige Verbindung nach Dubai wäre deshalb weit mehr als eine zusätzliche Flugstrecke: „Sie wäre ein Tor zu internationalen Märkten und zu weltweiten Anschlussverbindungen.“
Berlin verweist auf den Staatsbesuch im Roten Rathaus
Auch der Berliner Senat äußerte sich. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner empfing den emiratischen Präsidenten am Donnerstag im Roten Rathaus, wo sich der Gast in das Goldene Buch der Stadt eintrug. „Dieser Staatsbesuch besiegelt ein neues Kapitel unserer Partnerschaft. Mit täglichen Emirates-Langstreckenflügen von Berlin nach Dubai rücken zwei wachsende Wirtschaftsregionen noch enger zusammen“, teilte Wegner mit.
Damit werde der Hauptstadtflughafen BER international besser angebunden, so Wegner weiter: „Das ist ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort Ostdeutschland.“ Das Abkommen sei nach intensiven Verhandlungen gemeinsam erreicht worden.
Zuspruch kommt auch aus der Luftfahrtbranche in der Region. Die ILA Berlin, die auf dem Messegelände unmittelbar am BER stattfindet, gratulierte Emirates öffentlich. Deutschland habe einem fünften Ziel für eine Fluggesellschaft aus den Emiraten zugestimmt, schreibt die Messe, damit öffne sich der Weg für regelmäßige Verbindungen am Flughafen Berlin Brandenburg.
Berlins Wirtschaftssenatorin sieht ein Ost-West-Problem
Ausführlicher äußerte sich Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey auf ihrer Facebook-Seite. Sie spricht von einer Einigung über ein neues Luftverkehrsabkommen nach jahrelanger Vorarbeit und legt den Schwerpunkt auf das Gefälle zwischen Ost und West: Die bestehenden Lizenzregelungen umfassten mit München, Frankfurt am Main, Düsseldorf und Hamburg vier Städte im Westen, aber keinen einzigen Flughafen in Ostdeutschland. 36 Jahre nach der Wiedervereinigung falle das komplett aus der Zeit.
Giffey verweist zudem auf die Vorgeschichte. Schon bei der ILA 2022 habe Emirates den Wunsch geäußert, auch in Berlin starten und landen zu dürfen. Seitdem habe es zahlreiche Gespräche mit der Bundesregierung und mit der Fluggesellschaft gegeben, in Deutschland wie in Dubai, unter anderem mit Airline-Präsident Tim Clark.
Es gehe um mehr als eine einzelne Flugverbindung, so die Senatorin: um die Frage, ob Ostdeutschland bei internationaler Mobilität, Wirtschaft und Tourismus die gleichen Chancen bekomme wie der Westen. Ihr Ziel bleibe, den BER zu einem internationalen Drehkreuz zu machen. Dafür brauche es weitere Mittel- und Langstreckenflüge auch über die Emirates-Verbindungen hinaus.
Die IHK Cottbus verweist auf die Luftfracht
Für die IHK Cottbus ist die Entscheidung ein Erfolg für die Wirtschaft in der Hauptstadtregion und in Ostdeutschland. Der BER müsse als Tor zu den Weltmärkten auf Augenhöhe mit den anderen großen deutschen Flughäfen agieren können, heißt es in der Mitteilung.
Hauptgeschäftsführer André Fritsche verweist auf das gemeinsame Vorgehen der Kammern in Berlin und Brandenburg: „Wir haben uns früh und geschlossen für diese Direktverbindung starkgemacht, weil internationale Erreichbarkeit ein entscheidender Standortfaktor ist.“ Profitieren würden vor allem exportorientierte Unternehmen und Branchen mit hohem Reise- und Frachtaufkommen. Die Verbindung bringe zusätzliche Luftfrachtkapazitäten und Zugang zu weltweiten Anschlussflügen.
Was eine IHK-Studie den Langstrecken am BER zutraut
Giffey stützt sich auf eine Studie, die die IHK Berlin Anfang September vorgelegt hat. Erstellt hat sie das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung. Danach könnten zusätzliche Langstreckenziele ab dem BER die jährliche Bruttowertschöpfung in der Region um rund 3,2 Milliarden Euro erhöhen und mehr als 21.000 Arbeitsplätze schaffen.
Diese Zahlen gelten allerdings nicht für eine einzelne Strecke. Die Studie rechnet mit sieben zusätzlichen Langstreckenzielen und setzt einen Zeithorizont von zwei bis fünf Jahren an. Die Dubai-Verbindung wäre also ein erster Schritt in diese Richtung, nicht die Rechnung selbst.
Die Wirtschaft fordert weitere Direktflüge am BER
Alexander Schirp, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände, rechnet vor, was bisher fehlte: „Wer bisher aus Berlin in den Nahen Osten, nach Asien oder Afrika wollte, musste umsteigen – ein halber Tag Reisezeit extra. Das kostet Zeit und am Ende Aufträge.“
Für Unternehmen aus Berlin und Ostdeutschland heiße das nun: ein Flug statt zwei. Schirp erwartet zudem Wirkung auf Arbeitsplätze am Flughafen, vom Bodenpersonal bis zur Gastronomie, und Rückenwind für den Tourismus. Bei der einen Verbindung dürfe es aber nicht bleiben: Der BER brauche weitere Direktflüge zu wachstumsstarken Märkten, um seiner Rolle als Hauptstadtflughafen gerecht zu werden.
Was die Emirate im Gegenzug zugesagt haben
Die CDU-Fraktion im Landtag Brandenburg begrüßte die Entscheidung auf ihrer Facebook-Seite und schrieb, Emirates habe im Gegenzug massive Investitionen zugesagt. In der gemeinsamen Erklärung steht das so nicht: Zugesagt hat das Paket nicht die Fluggesellschaft, sondern der Staat.
Genannt wird darin ein Investitionspaket der Vereinigten Arabischen Emirate über 40 Milliarden Euro in Deutschland, unter anderem für digitale Infrastruktur und neue Rechenzentren mit rund einem Gigawatt Leistung. Hinzu kommen 29 Absichtserklärungen und Vereinbarungen zwischen emiratischen und deutschen Unternehmen im Wert von mehr als 9,3 Milliarden Euro. Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen diesen Zusagen und den Landerechten stellt die Erklärung nicht her.
Aus der Luftverkehrsbranche kommt Kritik
Zustimmung ist nicht die einzige Reaktion. Widerspruch kommt von den deutschen Fluggesellschaften und aus der Gewerkschaft. „Wir sind entsetzt darüber, wie wenig die Interessen der deutschen Fluggesellschaften und der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unserer Unternehmen bei dieser Entscheidung berücksichtigt wurden“, sagte Michael Engel, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften, laut übereinstimmenden Medienberichten.
Engel nannte die Entscheidung „den Ausverkauf deutscher Arbeitsplätze und einen weiteren Schlag in die Magengrube unserer Unternehmen“. Berlin verschließe damit alle Türen für andere Fluggesellschaften, die auf der Langstrecke wirkliche Direktverbindungen von und nach Berlin hätten anbieten wollen.
Auch ver.di widerspricht. „Das ist keine verantwortungsvolle Luftverkehrspolitik, sondern ein fragwürdiger Deal zulasten inländischer Arbeitsplätze, Wertschöpfung und eines Teils unserer kritischen Infrastruktur“, sagte Bundesfachgruppenleiter Dennis Dacke. Die Lufthansa warnt vor einer Wettbewerbsverzerrung und befürchtet, dass Wertschöpfung und Arbeitsplätze in die Golfregion abwandern.
Wann Emirates am BER startet, ist offen
Wann die erste Maschine tatsächlich abhebt, sagt keine der Mitteilungen. Weder Emirates noch die Flughafengesellschaft haben sich bis Freitagmittag mit einer eigenen Mitteilung geäußert. Auf den Presseseiten beider Häuser steht dazu nichts, und in unserem Postfach ist von keiner der beiden Seiten etwas eingegangen.
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Red. / Presseinformation
Foto: Emirates







