Das Energie-Innovationszentrum (EIZ) der BTU Cottbus-Senftenberg startet in seine zweite fünfjährige Förderphase. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat dafür Förderbescheide über rund 50 Millionen Euro erteilt. Neu hinzu kommt der Transfer der Forschung in marktfähige Produkte.
Mehr als 100 Forschende aus über 20 Nationen
Strom, Wärme und Verkehr wachsen zunehmend zusammen. Seit der Gründung 2022 erforschen am Energie-Innovationszentrum mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 20 Nationen in fünf vernetzten Laboren, wie sich diese Sektoren intelligent koppeln lassen. Ein Beispiel ist überschüssiger Wind- und Solarstrom, der zum Heizen, zum Laden von Elektrofahrzeugen oder zur Herstellung von Wasserstoff genutzt werden soll, statt ihn abzuregeln. Die Laborinfrastruktur wurde in der ersten Förderphase mit Geld des Landes Brandenburg über das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) aufgebaut. Über den Start des Zentrums hatten wir im Oktober 2022 berichtet.
Die neuen Fördermittel stützen laut BTU zwei Stränge. Das EIZ soll seine Grundlagenforschung ausbauen und sich als international sichtbares Forschungszentrum für sektorengekoppelte Energiesysteme etablieren. Zugleich soll mehr Forschung in die Anwendung kommen. Gemeinsam mit 19 Partnereinrichtungen aus der regionalen und nationalen Energiewirtschaft entwickelt das Zentrum Demonstratoren und marktfähige Lösungen für die Lausitz.
Wasserstoff, Stromnetze und Wärme im Mittelpunkt
In der zweiten Phase wird unter anderem ein Elektrolyseur ohne teure Edelmetalle von 5 auf 20 Kilowatt vergrößert und erstmals unter maritimen Bedingungen erprobt. Neue Regelungsverfahren sollen auch bei viel Wind- und Solarstrom einen stabilen Netzbetrieb und im Ernstfall einen schnellen Wiederaufbau ermöglichen. Weil der wachsende Anteil an Sonnen- und Windstrom immer häufiger zu negativen Strompreisen führt, untersucht das Energie-Innovationszentrum außerdem, wie Marktregeln und Netzentgelte angepasst werden müssten. Weitere Themen sind vernetzte Wärmepumpen und Fernwärmenetze sowie die Frage, unter welchen Bedingungen Menschen neue Energieanlagen in ihrer Nachbarschaft mittragen.
Über 90 neue Vollzeitstellen in den ersten vier Jahren
Nach Angaben der BTU sind am Zentrum seit der Gründung bereits über 90 neue Vollzeitstellen entstanden. Die Transfer- und Gründungsinitiative EIZ SPARK unterstützt Forschende und Gründungsinteressierte dabei, aus Ergebnissen Geschäftsmodelle zu machen, etwa Lademanagement für Elektrofahrzeuge oder containerisierte Anlagen zur Herstellung von grünem Methanol. Zu den 19 Partnern gehören neben Start-ups und Mittelständlern auch 50Hertz, die LEAG und die EWE Netz GmbH. Sie steuern zusammen rund 4,7 Millionen Euro eigene Mittel bei. Im entstehenden Lausitz Science Park verantwortet das EIZ gemeinsam mit der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG den Bereich Energiesysteme.
„Mit inzwischen mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern haben wir in Cottbus ein leistungsfähiges Energieforschungscluster aufgebaut“, sagt EIZ-Projektleiter Prof. Dr. Felix Müsgens. Mit EIZ SPARK wolle man die Voraussetzungen dafür schaffen, dass aus der Forschung an der BTU „reale und marktfähige Neuansiedlungen im Bereich Energiewirtschaft und -technik im Lausitzer Revier entstehen können“.
Ministerinnen sehen Chance für den Strukturwandel
„Die Lausitz hat über Jahrzehnte einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung Deutschlands geleistet. Jetzt geht es darum, der Region neue wirtschaftliche Perspektiven zu eröffnen“, sagt Bundesforschungsministerin Dorothee Bär. „Im Rahmen des Strukturstärkungsgesetzes investieren wir deshalb gezielt in Forschung und Innovation als Motoren des Strukturwandels.“ Brandenburgs Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle sagt über das Energie-Innovationszentrum: „Hier wird an den Energielösungen von morgen geforscht.“
BTU-Präsidentin Prof. Dr. Gesine Grande nennt die Bewilligung „eine verdiente Anerkennung dessen, was an der BTU entstanden ist“. Sie dankte den beiden Projektleitern Prof. Dr. Felix Müsgens und Prof. Dr.-Ing. Johannes Schiffer. Auch die Wirtschaft äußert sich. „Das EIZ bringt Forschung und Praxis zusammen“, sagt Thomas Merker, Vorstand Finanzen der LEAG. Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung der Trianel GmbH und Mitglied im Industrie- und Wissenschaftsbeirat des EIZ, sieht besonders Stadtwerke als Nutznießer, denn sie „brauchen praxistaugliche Lösungen“.
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