Immer mehr Menschen suchen Rat in der Kontakt- und Beratungsstelle des Vereins Macht los in Cottbus. 233 waren es 2025, Tendenz steigend. Das Land will die Förderung nicht kürzen, aber auch nicht erhöhen. Am 16. Oktober lädt die Beratungsstelle zum Aktionstag „Erste Hilfe für die Seele“ ein.
Facharztmangel treibt Menschen in die Beratung
„Ein Anstieg der Nachfrage nach Beratung ist in den letzten Jahren deutlich zu verzeichnen“, sagt Geschäftsführerin Marion Haufe. Ein Grund sei der Mangel an Fachärzten und Therapieplätzen. Ein anderer: „Der Umgang mit psychischen Erkrankungen ist offener geworden, dadurch erhöht sich die Bereitschaft und der Mut, sich Hilfe zu holen.“ Am häufigsten geht es um Existenzsicherung, Anträge, den Umgang mit der Erkrankung und einen geregelten Alltag. Eine Therapie ersetzen oder bei der Suche nach einem Therapieplatz helfen kann die Beratungsstelle nicht. Weil Krisen und existenzielle Notlagen vorgehen, müssen andere manchmal warten. Donnerstags gibt es eine offene Sprechzeit, montags bis freitags fast täglich Gruppenangebote.
Landesförderung seit Jahren unverändert
Bezahlt wird die Beratungsstelle über das Brandenburgische Psychisch-Kranken-Gesetz. Die Stadt Cottbus erhält Fördergeld vom Land und stockt es mit eigenem Geld auf. Nach der Förderrichtlinie des Landes bekommt jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt dafür 48.105,55 Euro im Jahr. Der Betrag stand schon in der Richtlinie von 2023 und hat sich seitdem nicht verändert, die aktuelle Richtlinie läuft Ende 2026 aus. Was danach kommt, entscheidet sich mit dem Doppelhaushalt 2027/2028, über den der Landtag derzeit berät. Das Land muss sparen, laut Finanzministerium fehlten zu Beginn der Planung mehr als drei Milliarden Euro pro Jahr.
Sorge vor Kürzungen bei den Trägern
„Aktuell werden auf Landesebene weitere Kürzungen der Landesmittel debattiert, die sich im Rahmen der Haushaltsdebatten der Stadt Cottbus möglicherweise perspektivisch auf die Finanzierung der KBS auswirken könnten. Ob es damit zu Kürzungen kommen wird, bleibt abzuwarten“, sagt Haufe. Das Sozialamt der Stadt habe stets großes Interesse gezeigt, die Beratungsstelle zu erhalten. Deutlicher wird die Caritas, die Beratungsstellen in Forst, Spremberg und Guben betreibt. Diese seien „als freiwillige Leistung sehr von aktuellen Kürzungen bedroht“, sagt Pressesprecherin Romy Hoppe.
Land hält die Förderung für die Beratungsstellen stabil
Auf Nachfrage von NIEDERLAUSITZ aktuell gibt das Gesundheitsministerium zumindest teilweise Entwarnung. „Die Landesförderung wird nicht gekürzt“, teilt die Pressestelle mit. Auch im Doppelhaushalt 2027/2028 bleibe es bei insgesamt 865.899,90 Euro im Jahr, also 48.105,55 Euro für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt. Mehr Geld, etwa wegen gestiegener Personalkosten, ist damit nicht vorgesehen. An einer Nachfolge für die Ende 2026 auslaufende Förderrichtlinie arbeitet das Ministerium. Veröffentlicht werden kann sie nach seinen Angaben aber frühestens, wenn der Doppelhaushalt in Kraft getreten ist.
Einen rund um die Uhr erreichbaren psychiatrischen Krisendienst gibt es in Cottbus und mehreren Landkreisen der Lausitz nicht. Das Land befürwortet einen solchen Dienst nach eigenen Angaben fachlich, Finanzierung und Organisation seien aber gerade im ländlichen Raum eine Herausforderung. Um keine doppelten Strukturen zu schaffen, wartet das Ministerium zunächst auf den Entwurf eines Suizidpräventionsgesetzes. Das Bundesgesundheitsministerium hat ihn für dieses Jahr angekündigt, er soll auch Regeln für solche Krisendienste enthalten.
Am Freitag, 16. Oktober, öffnet Macht los von 13.30 bis 16.30 Uhr in der Lipezker Straße 48 ein offenes Café zum Aktionstag. Weitere Termine stehen in unserer Übersicht zur Woche. Wer akut Hilfe braucht, erreicht die Telefonseelsorge rund um die Uhr, anonym und kostenfrei unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Im Notfall gilt die 112.
TeilzeitBewerbung bis 31.10.Erzieher / Sozialpädagoge (m/w/d) für die Mutter-Vater-Kind-WohngruppeSOS-Kinderdorf Lausitz · Forst (Lausitz)Zur Stelle →Alle 405 Stellen in Südbrandenburg →Red.














