Der Kohleausstieg ist nicht nur eine Frage von Technik und Fördermitteln, sondern auch davon, welche Arbeit und welches Können in einer Region noch als wertvoll gelten. Genau das erforscht seit dem 1. September eine neue Nachwuchsgruppe an der BTU und am Leibniz-Institut in Erkner.
Wer entscheidet, was zählt
Der Geograph Jonathan Friedrich ist seit dem 1. September Juniorprofessor für Stadt- und Regionalsoziologie an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Er leitet die neue Nachwuchsforschungsgruppe „Wert und Bewertung im Strukturwandel“, die gemeinsam von der BTU und dem Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung getragen wird.
Die Fragestellung klingt abstrakt, betrifft aber jeden in der Lausitz: Welche Arbeit, welche Fähigkeiten, welche Zukunftsbilder gelten als wertvoll – und welche nicht mehr? Und wer entscheidet darüber?
Zwei Seiten derselben Medaille
Die Gruppe untersucht, wie in Umbrüchen wie dem Kohleausstieg gesellschaftlich geteilte Werte ausgehandelt werden und wie sie sich räumlich auswirken. Dabei geht es um zwei Richtungen: Wie werden neue Ideen, Technologien und Organisationsformen bewertet, ausgewählt und umgesetzt? Und wie verlieren bestehende Praktiken und Wissensbestände an Bedeutung, geraten in Vergessenheit oder werden sogar aktiv verlernt?
Diese Perspektive des Be- und Entwertens sei in der Forschung zu regionalen Transformationsprozessen bislang kaum systematisch untersucht worden, heißt es von der Universität.
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„Akteure ringen um die Zukunft“
„Regionale Transformationsprozesse sind davon geprägt, dass Akteure mit verschiedenen Ideen und Interessen um die Zukunft ringen“, sagt Jonathan Friedrich. „Wir wollen besser verstehen, wie diese Aushandlungsprozesse verlaufen und welche Gestaltungsmöglichkeiten sich daraus ergeben. Dabei geht es auch um Fragen von Teilhabe und Gerechtigkeit.“
Gemeinsam finanziert
Bemerkenswert ist die Konstruktion: BTU und IRS finanzieren die zur Professur gehörende Nachwuchsgruppe gemeinsam. „Damit engagieren sich BTU und IRS in außergewöhnlicher Weise für den Aufbau von einrichtungsverbindender Forschungsexpertise“, sagt BTU-Präsidentin Gesine Grande. Die Berufung stärke die Zusammenarbeit mit dem IRS und bereichere die Profillinie „Globaler Wandel und Transformationsprozesse“.
Die Gruppe betreibt Grundlagenforschung und erarbeitet zugleich gemeinsam mit Akteuren aus den Regionen praktisch verwertbares Wissen. „Das ist genau die Forschung, für die das IRS steht“, sagt Oliver Ibert, wissenschaftlicher Direktor des Instituts.
Foto: Sascha Thor
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Red. / Presseinformation






