Brandenburgs Bauern haben 2,3 Millionen Tonnen Getreide eingefahren, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Reich macht sie das nicht. „Eine normale Brandenburger Ernte wie in diesem Jahr reicht nicht mehr für schwarze Zahlen auf dem Konto“, sagt Verbandspräsident Henrik Wendorff.
Die Erntebilanz fällt besser aus als im Bund
Mit rund 2,3 Millionen Tonnen liegt die Erntemenge sechs Prozent über der des Vorjahres, als 2,2 Millionen Tonnen zusammenkamen. Damit hält Brandenburg sein Fünf-Jahres-Mittel. Bundesweit gingen die Erträge dagegen um bis zu neun Prozent zurück, verursacht durch lange, heiße und trockene Perioden im Süden Deutschlands.
Zwei Gründe nennt der Landesbauernverband dafür, dass es hier anders lief. Zum einen kamen im April, Mai und Juni wenige, aber ergiebige Niederschläge zur richtigen Zeit. Zum anderen zahlten sich die Anpassungen im Ackerbau aus, die Brandenburgs Landwirte spätestens seit den Dürrejahren 2003 und 2018 anwenden.
Weizen bei 40 Grad in der Notreife
Ganz ohne Schäden ging der Sommer aber nicht vorbei. Als im Juni die Hitzewelle einsetzte, geriet der Weizen in die Notreife. Die Betriebe mussten unter Zeitdruck dreschen, um ihre wichtigste Marktfrucht noch in Backqualität vom Halm zu holen – jeder Qualitätsverlust bedeutet hohe Abschläge beim Preis.
„Wir konnten zusehen, wie uns der Weizen bei Temperaturen von 40 Grad regelrecht auf dem Halm abstarb“, sagt Wendorff. „Solche Extreme sind selbst bei einer an das Klima angepassten Bewirtschaftung nicht abzupuffern.“
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Der Absturz beim Raps
Weizen, Roggen und Gerste kamen mit stabilen Mengen aus dem Feld: 6,2 Tonnen je Hektar beim Weizen, 4,3 Tonnen beim Roggen, 6,6 Tonnen bei der Gerste.
Der Raps dagegen brach ein. Nur 2,1 Tonnen je Hektar wurden geerntet, nach 2,74 Tonnen im Vorjahr – und 2025 galt bereits als das schlechteste Rapsjahr seit 30 Jahren. Als Grund nennt der Verband den zunehmenden Schädlingsbefall. Für viele Betriebe ist das bitter: Raps ist die hochwertige Ölfrucht, die bislang für verlässliche Erlöse sorgte.
36 Prozent mehr für Dünger, Diesel und Saatgut
Die eigentliche Belastung liegt auf der Kostenseite. Seit 2020 ist der Preisindex für Betriebsmittel um 36 Prozent gestiegen, ohne dass die Erzeugerpreise mitgezogen hätten. Nach dem Irankrieg und der Blockade der Straße von Hormus im Februar schnellten die Preise für Treibstoff und Dünger noch einmal nach oben und liegen bis heute hoch.
„Die Kosten für Dünger, Diesel, Saatgut, Pflanzenschutz, Logistik, Löhne passen nicht mehr zu den Erzeugerpreisen“, sagt Wendorff.
Was der Verband fordert
Beeren, Obst und ein voller Apfelmarkt
Im Gartenbau fiel die Hitze regional sehr unterschiedlich aus. „Teilweise wurden Früchte direkt an der Pflanze geschädigt“, sagt Klaus Henschel, Präsident des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg. Wo ausreichend bewässert werden konnte und die Nächte kühler wurden, hätten die Bestände die Hitze vergleichsweise gut überstanden. Bei Erdbeeren habe es nach der Hitzeperiode teilweise rund zehn Tage gedauert, bis sich die Pflanzen erholten.
Beim Apfel drücken die Erzeugerpreise. Teilweise reichen sie nicht aus, um die gestiegenen Produktionskosten zu decken. Hinzu kommen Bestände aus der Ernte 2025, die in Erwartung besserer Preise eingelagert wurden und nun zusätzlich auf den Markt kommen.
Zwei Erntebilanzen, zwei Vorzeichen
Wer beide Meldungen dieses Sommers gelesen hat, stolpert über einen Widerspruch. Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg kam in seiner zweiten Ernteschätzung vom Juli ebenfalls auf gut 2,3 Millionen Tonnen – rechnete das aber als drei Prozent weniger als im Vorjahr. Der Landesbauernverband meldet nun sechs Prozent mehr.
Die Gesamtmenge ist in beiden Fällen dieselbe, die Vergleichsbasis offenbar nicht. Eine Erklärung für die Differenz nennt keine der beiden Stellen.
Unsere Meldung zur Ernteschätzung –>> 2,3 Millionen Tonnen: Brandenburgs Getreideernte
Symbolbild: pixabay
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Red. / Presseinformation







