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Finsterwalde Montag, 15 März 2021 von Redaktion

Finsterwalder Firmenübergabe geglückt „Ich hatte nie vor, selbstständig zu sein“

Finsterwalder Firmenübergabe geglückt „Ich hatte nie vor, selbstständig zu sein“

Die Brandenburger Industrie- und Handelskammern informieren in einer Nachfolgewoche vom 15. bis 19. März in gemeinsamen Webinaren und Experten-Hotlines zur Unternehmensnachfolge. Im Landkreis Elbe-Elster betrifft das Thema 2.438 IHK-Unternehmen mit Inhabern Ü55 Jahre, so wie z. B. die Finsterwalderin Margit Loos. Sie hat ihr Unternehmen Loos Immobilien erfolgreich an ihren Schwiegersohn Michael Gesche übergeben.

Seit 20 Jahren mit „Loos Immobilien“ am Markt

Wie für viele ostdeutsche Bürgerinnen und Bürger stand auch für die Finsterwalderin Margit Loos Anfang der 90er Jahre eine berufliche Neuorientierung an. Das Angebot, in der regionalen Sparkasse maßgeblich am Aufbau der neu entstehenden Immobilienabteilung mitzuwirken, war Impuls für ihren weiteren Werdegang. 1999 machte sich Margit Loos im Immobilienbereich selbstständig. Mit „Loos Immobilien“ bestand sie seit 20 Jahren am regionalen Markt und hatte sich in den Bereichen Maklertätigkeit und Hausverwaltung etabliert. Ende 2018 hat sie sich an die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus gewandt, um die reibungslose Nachfolge für ihren Familienbetrieb zu sichern und mit gutem Gewissen in den wohlverdienten Ruhestand gehen zu können. Vor etwa sechs Jahren begann sie bereits mit der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Dabei war ihr besonders wichtig, dass ihr Familienunternehmen möglichst auch von einem Mitglied der Familie weitergeführt wird: „Eine Fremdübernahme kam für mich nicht infrage. Ich hätte das Geschäft nach und nach heruntergefahren“, so Loos. Doch dazu musste es nicht kommen – nach anfänglichem Zögern zeigte ihr Schwiegersohn Interesse.

Selbstständigkeit war kein Thema

„Ich hatte nie vor, mal selbstständig zu sein. Aber mein Arbeitsleben zukünftig allein gestalten zu können, war dann doch sehr verlockend“, sagt Michael Gesche heute, wenn er auf die Zeit der Entscheidung zur Nachfolge zurückblickt. „Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich geeignet bin und auch, wie sich die Rahmenbedingungen entwickeln, um das Geschäft fortzuführen. Das Selbstvertrauen muss sich bei so einem Schritt auch erst entwickeln. Man sollte nicht träumen, sondern sich ganz konkret Gedanken machen, bevor man diesen Schritt macht“, fährt er fort. Das Spannendste für ihn: „Dass die Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg meines Unternehmens allein bei mir liegt.“

Zeitpunkt als größte Herausforderung

Firmengründerin Margit Loos erinnert sich auch an die vielfältigen Aufgaben, die die Firmenübergabe mit sich brachte: Die größte Herausforderung für sie sei damals der richtige Zeitpunkt gewesen. Denn der Weg bis dahin war nicht ganz vorhersehbar. Schwiegersohn Michael lebte noch in München und musste erst die Rückkehr seiner Familie in die Heimat organisieren. Um die notwendigen Entscheidungen unter Berücksichtigung aller Aspekte treffen zu können, arbeitete Margit Loos unterdessen eng mit der IHK und ihrem Steuerberater zusammen.

Schrittweise Übergabe

Anders als in vielen anderen familiengeführten Unternehmen war die Phase der schrittweisen Übergabe für Margit Loos rückblickend gar nicht so schwer. „Vor einem Jahr, als ich noch Unternehmerin war, habe ich das alles noch nicht so entspannt gesehen wie heute. Seitdem ich die Verantwortung abgegeben habe, ist das für mich wirklich erledigt. Wenn ich denken oder merken würde, dass irgendetwas schiefläuft, dann würde ich das ansprechen. Ich weiß aber, dass das Unternehmen in guten Händen ist.“ Auch Michael Gesche ging diese wichtige berufliche Entscheidung Schritt für Schritt an. Trotz aller Bemühungen kam es naturgemäß auch zu Diskussionspunkten und verschiedenen Ansichten. Der neue Inhaber weiß: Gewisse Dinge wird er anders als seine Schwiegermutter angehen. Die Zufriedenheit der Kunden steht jedoch bei beiden an erster Stelle. „Sie unterstützt mich auch weiterhin. Wir unterhalten uns sehr viel, damit ich von ihrem Erfahrungsschatz profitieren kann“, so Gesche.

Ohne Vertrauen funktioniert es nicht

Als Unternehmer blickt er zufrieden auf die ersten Monate zurück und empfand die bisherige Zeit als spannend, arbeitsreich und auch recht erfolgreich. Margit Loos: „Natürlich hat man anfangs ein unsicheres Gefühl. Aber er hat überzeugt und kommt bei allen Kunden sehr gut an. Schon vor der Übergabe haben wir diesen Kennenlernprozess angestoßen, denn mir war wichtig, dass der Kundenstamm nicht zerbricht.“ Als Tipp für alle, die ebenfalls den Schritt einer Nachfolge gehen wollen, gibt Gesche folgende Empfehlung: „Ohne gegenseitiges Vertrauen funktioniert es nicht. Möglichst frühzeitig sollte sehr offen und ehrlich über Wünsche, Ziele und Ängste gesprochen werden. Ich persönlich bin meiner Schwiegermutter sehr dankbar für Entscheidungen, bei denen sie mir einfach zur Seite stand und mich auch mal gelotst hat.“

IHK-Nachfolgewoche vom 15. bis 19. März

Die Brandenburger Industrie- und Handelskammern (IHK) Cottbus, Ostbrandenburg und Potsdam informieren vom 15. bis 19. März in gemeinsamen Webinaren und Experten-Hotlines zur Unternehmensnachfolge. Themen sind unter anderem Schritte in der Vorbereitung, die Unternehmensbewertung, mögliche Wege zum Finden eines Nachfolgers oder die Zeit nach der Übergabe. Am Nachmittag steht das persönliche Gespräch in der Expertenhotline mit den Nachfolgeplanern der drei IHKs und Partnern wie der ILB, dem Lotsendienst und der Bürgschaftsbank im Mittelpunkt. IHK-Ansprechpartnerin für Unternehmen im Landkreis Elbe-Elster ist Anja Kammerath.

Anmeldungen sind unter www.cottbus.ihk.de/nachfolge-bewegt möglich.
Nachfolge-Hotline: 0355 - 54 78 71 77
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Foto: Michael Gesche und Margit Loos (privat)

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