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Dahme Spreewald Dienstag, 02 Dezember 2014 von Redaktion

„Der Bezug zur Praxis ist das Wichtigste.“

„Der Bezug zur Praxis ist das Wichtigste.“

Amtstierarzt Dr. Clemens Müller geht in den Ruhestand

Bis zu seinem letzten Arbeitstag ist er voll gefordert. Vorgestern noch musste Dr. Müller vorsorglich zum Schutz vor Geflügelpest die Aufstallung in Teilen des  Landkreises  verfügen. Heute  wird er im Kreise von Kollegen, Gästen und Weggefährten nach 20-jähriger Tätigkeit als Amtstierarzt in den Ruhestand verabschiedet.

 

Als Fachmann überall anerkannt

„Als langjähriger Amtstierarzt und Leiter des Amtes für Verbraucherschutz und

Landwirtschaft hat Dr. Müller nachhaltig hohe Verantwortung für die Gesundheit von

Menschen und Tieren im Landkreis Dahme-Spreewald übernommen. Souverän und

umsichtig hat er den enormen Wandel im Tier- und Verbraucherschutz begleitet und die Region sicher durch Tierseuchengefahren geführt“, würdigt Landrat Stephan Loge die Arbeit von Clemens Müller.

Die Mitarbeiter seines Amtes schätzen ihn als verantwortungsbewussten Chef, der auch immer ein Ohr für ihre Probleme hatte. Bei den Tierhaltern, Landwirten und in der Tierärzteschaft genießt er großes Vertrauen und hohe Anerkennung für seine fachliche Kompetenz.

Vor seiner Amtszeit beim Landkreis hat der promovierte Veterinärmediziner bereits als Tierarzt in Rathenow und Radensdorf und als Amtstierarzt beim Rat des Kreises in Lübben gearbeitet.

Kollegiale Unterstützung

Gelassen und zufrieden blickt der heute 65-Jährige auf spannende Jahre zurück.

„Angefangen haben wir mit zwei Tierärzten und zwei Sachbearbeitern. Damals lag der Schwerpunkt in der Tierseuchenbekämpfung. Die Lebensmittelüberwachung und die Kontrolle der Schlachthöfe und fleischproduzierenden Betriebe kam erst später hinzu“, erinnert sich Müller.

„Beim Aufbau neuer Verwaltungsstrukturen im Altkreis Lübben und später im Landkreis Dahme-Spreewald haben uns die guten Partnerschaftskontakte zum Hochsauerlandkreis in Olpe und in Osnabrück sehr  geholfen“, meint er. „Es war schwierig, mit der neuen Gesetzgebung zurechtzukommen. Wir mussten uns auch erst an die völlig andere Rechtssituation gewöhnen.“ Dabei hätten die Amtskollegen aus den alten Bundesländern sehr unterstützt.

Die Zusammenlegung der drei Altkreise zum LDS im Dezember 1993 brachte erneut eine große Organisationsveränderung mit sich.  Zudem kam die Kontrolle in den Schlachthöfen in Niederlehme und Kasel Golzig hinzu. In seinen besten Zeiten waren in Kasel Golzig allein 18 Fleischkontrolleure und sechs Tierärzte beschäftigt, weiß Müller

Vielfältig: von der Rinderherde über Schulessen bis zum Lippenstift

Heute gehören 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Amt für Verbraucherschutz und Landwirtschaft, davon fünf Tierärzte und acht Lebensmittelkontrolleure, ein Futtermittelkontrolleur und ein Handelsklassenkontrolleur  einschließlich der Abteilung Landwirtschaft.

Die Aufgaben, die der Bereich zu erledigen hat, seien im Laufe der Jahre vielfältiger und komplizierter geworden und oft auch mit mehr bürokratischem Aufwand verbunden. Grund dafür sei unter anderem  die Anpassung an die EU-Gesetzgebung. Neben der Tierseuchenbekämpfung stehen heute Tierschutz und Verbraucherschutz im Fokus.

Die Sensibilität in der Bevölkerung zu diesen Themen sei gestiegen und das Amt dem entsprechend um praxisnahe Entscheidungen  und möglichst hohe  Transparenz bemüht. „Bei der Abschaffung der Käfighaltung bei Landkostei in Bestensee sind wir bereits über die geltenden EU-Forderungen hinaus gegangen“, erklärt der Experte. Weil sich die Anzeigen über nicht artgerechte Tierhaltung im Kreis häuften, wurde vor vier Jahren extra eine Tierärztin eingestellt, die den Tierschutz in der Nutztierhaltung aber auch bei privaten Tierhaltern kontrolliere. „Manche Leute schaffen sich Tiere an, bedenken aber nicht die damit verbundenen Folgekosten, zum Beispiel für den Hufschmied oder den Schafscherer. Man kann sich doch aber nur so viele Tiere halten, wie man auch finanziell bestreiten kann“, mahnt der Tierarzt. In diesem Zusammenhang lobte Müller die gute Arbeit der drei Tierschutzvereine und der zwei Tierheime im Landkreis.

Interessantes verrät er als verantwortlicher Verbraucherschützer im Landkreis. Neben den üblichen Lebensmittelkontrollen in Gaststätten und öffentlichen Einrichtungen nehme sein Amt auch Bedarfsgegenstände, die unmittelbar mit dem Körper in Berührung kommen , unter die Lupe, so zum Beispiel Handschuhe, Schuhe, Socken oder Kosmetik.

Zum Thema Tierseuchen konstatiert der Amtsveterinär, dass seit dem Jahr 2000 das Auftreten  im europäischen Maßstab deutlich angestiegen sei. „Es sind Seuchen dabei, die wir vorher nicht hatten. Ich musste auch erst nachlesen“. Mit den offenen Reisemöglichkeiten  habe sich die  Einschleppung von exotischen Seuchen erhöht, so der Fachmann.

Er erinnerte an MKS-Verdachtsfälle in der Region und an die gefährliche Rinderkrankheit BSE. Im Jahr 2002 war  ein Rinderbestand im Landkreis davon betroffen. Die Tiere mussten getötet werden. Seit dieser Zeit werde jedes Rind in einem Schnelltest untersucht und damals wurde zusätzlich ein Kraftfahrer eingestellt, der die Proben zeitnah in das zuständige Labor nach Frankfurt/ Oder bringe. Als  2009 die Geflügelpest H5N1 grassierte, musste ein Sperrbezirk in Pitschen Pickel eingerichtet werden. Bei der Vorstellung an die Schweinegrippewelle vor einigen Jahren lächelt Clemens Müller. „Ich war selbst Betroffener und musste Tamiflu einnehmen. Keiner meiner Mitarbeiter war erkrankt, ausgerechnet ich als Leiter des Veterinäramtes.“

 „Lieber einmal zu viel untersuchen als zu wenig.“

Aktuell bedrohe uns die afrikanische Schweinepest. In Polen sei sie schon angekommen. Seit   Mittwoch nun muss in gefährdeten Regionen  das Geflügel im Stall bleiben, eine Vorsorgemaßnahme gegen die Ausbreitung des völlig unbekannten H5N8-Virus. Beruhigend sei, dass in Großbetrieben im Landkreis inzwischen Tierseuchenalarmpläne für Notfälle vorliegen. Bei der Erarbeitung habe das Veterinäramt unterstützt. Er appelliert an hohe Maßstäbe in der Betriebshygiene, die manchmal vernachlässigt werden, zum Beispiel wenn Unternehmen einen „Tag der offenen Tür“ veranstalten. Um Tierseuchen zu vermeiden, bedarf es der höchsten Aufmerksamkeit aller Tierhalter, betont Müller. Wer Unregelmäßigkeiten beobachtet, sollte das Veterinäramt verständigen. „Lieber einmal zu viel untersuchen als zu wenig.“

Seit dem Jahr 2006 gehört auch die Abteilung  Landwirtschaft mit einem sehr kompetenten Team zu seinem Amtsbereich, erläutert Müller. Als Spitzenreiter im Bio-Anbau sei die Landwirtschaft im Landkreis hervorragend aufgestellt, schätzt  er ein.

Auch Ordnungs- und Sicherheitsdezernent Wolfgang Starke  lobt das Engagement von  Dr. Müller für den Landkreis:“ Sie waren jahrelang einer der wichtigsten Männer in unserem Team. Ich habe Ihre Offenheit, Geradlinigkeit und fachliche Meinung sehr geschätzt und auf Ihre Entscheidungen vertraut“.

Erlebnisreiches Berufsleben

Clemens Müller könnte noch über viele außergewöhnliche Fälle berichten,  zum Beispiel über Flamingos in Schönefeld, über Menschen, die  Tiere sammeln, über Reptilienausstellungen oder Schweinebruzellose und die amerikanische Faulbrut bei Bienen.

 

„Mein Beruf hat mir immer Freude bereitet“, resümiert er. Seiner Nachfolgerin kann er die Erfahrung weitergeben, dass die Tätigkeit als Amtstierarzt keine reine Schreibtischarbeit sein sollte, sondern eng mit der Praxis verbunden sein müsse.

Künftig will Clemens Müller mehr Zeit mit der Familie verbringen, seinen über 90-jährigen Schwiegereltern helfen und für die Enkelkinder da sein. Darüber hinaus freut er sich auf seine ehrenamtliche Arbeit im Kirchenkreis.

 

 

Quelle: Landkreis Dahme Spreewald

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