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Cottbus Donnerstag, 14 September 2017 von Redaktion

Neue Ausstellung zu „Zwangsadoptionen in der DDR“ im Menschenrechtszentrum Cottbus

Neue Ausstellung zu „Zwangsadoptionen in der DDR“ im Menschenrechtszentrum Cottbus

Anlässlich des Weltkindertages wird am 20. September, um 18:30 Uhr im Menschenrechtszentrum Cottbus die Ausstellung mit den Suchmeldungen zu den „Zwangsadoptionen in der DDR“ neu eröffnet. Seit 2014 hängen am Zaun im Innenhof der Gedenkstätte 284 Suchanzeigen von Eltern, die ihre Kinder suchen oder umgekehrt, aber auch Geschwistern, die sich gegenseitig suchen. Die provisorisch und mit einfachen Mitteln hergestellte Ausstellung wurde aktualisiert und wird mit einem veränderten Erscheinungsbild der Öffentlichkeit neu präsentiert.

Die öffentliche Anerkennung, dass die politisch motivierten Kindesentziehungen überhaupt ein Unrecht waren und daraus resultierende Folgen für die Betroffenen, sind leider im Einigungsvertrag nicht berücksichtigt worden. Bis heute sind das System der Zwangsadoptionen in der DDR und die Dimension dieses zutiefst menschlichen Problems, weg von politischen Ideologien, ein noch unerforschtes Gebiet in der Aufarbeitung des SED-Unrechts. Erst durch Katrin Behr, die betroffene Tochter einer politisch unliebsamen Mutter, die seit Anfang der 1990er Jahre auf der Suche nach ihrer Mutter war und durch die Gründung des Vereins „Hilfe für Opfer von DDR-Zwangsadoptionen e.V.“ wurde allmählich eine Öffentlichkeit für dieses perfide System der Zerstörung von Familien und Biografien geschaffen. Seit Beginn der Suchaktion am Zaun der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus im September 2014 wurden Tausende Besucher, unter ihnen viele Politiker, mit konkreten Namen von Menschen konfrontiert, die ihre Angehörigen  suchen. Im Jahr 2017 konnte endlich eine kleine Pilotstudie in Auftrag gegeben werden, damit zunächst die Zusammenhänge und Strukturen dieses Systems festgestellt werden können.

Im Anschluss an der Eröffnung der neu erstellten Ausstellung werden Katrin Behr und zwei weitere betroffene Zeitzeuginnen – eine suchende Mutter und eine suchende Tochter – in einer Gesprächsrunde zum einen über ihr persönliches Schicksal erzählen, aber auch auf die Schwierigkeiten und Komplexität des Themas der Zwangsadoptionen näher eingehen. „Es gibt viele juristische Grenzen, an die die Suchenden stoßen. Letzten Endes auch wenn sie sich fänden, können leider die verlorenen Jahrzehnte der Trennung von Familien und die mögliche Zerstörung von Biografien, den Betroffenen nicht mehr zurückgegeben werden. Was wir als Verein und Gedenkstätte leisten können, ist, diesen Menschen eine kleine Plattform für ihr schmerzliches Anliegen zu bieten“, erklärt die geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtszentrums Cottbus, Sylvia Wähling.

Besucher sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei!

pm/red