Landkreis Inzidenz
Cottbus Freitag, 29 Juni 2012 von Benjamin Andriske

BTU Cottbus Profs wenden sich an die Volksvertreter in Brandenburg und fordern Beendigung des anhaltenden Spuks der Ministerin Kunst und Landesvater Platzeck

BTU Cottbus Profs wenden sich an die Volksvertreter in Brandenburg und fordern Beendigung des anhaltenden Spuks der Ministerin Kunst und Landesvater Platzeck

66 Professorinnen und Professoren der BTU lehnen den Entwurf für das Gesetz zur Neustrukturierung der Hochschulregion Lausitz grundsätzlich ab
Das Gesetz zur Neustrukturierung der Hochschulregion Lausitz, wie es die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg Prof. Kunst vor wenigen Tagen als Entwurf vorgelegt hat, wird die Bedingungen für Forschung und Lehre im südlichen Teil Brandenburgs drastisch verschlechtern und sich negativ auf die Wirtschaft in der Region auswirken.
Die unterzeichnenden Professorinnen und Professoren der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus lehnen diesen Gesetzentwurf, der unver-ändert die Schließung von BTU und Hochschule Lausitz und die Gründung einer neuen Hochschule, der ‚Technischen Universität Lausitz – Holding’, vorsieht, aus den folgenden Gründen kategorisch ab:
1. Der BTU ist eine zu geringe Forschungsleistung und die daraus resultierende Nicht-Mitgliedschaft in der Deutschen Forschungsgemeinschaft vorgeworfen worden. Das geplante Gesetz hat nicht das Potential, diesbezüglich auch nur die geringsten Verbesserungen zu schaffen. Im Gegenteil: Seine Umsetzung wird die Forschungsbedingungen an diesem Unikat in der deutschen Hochschullandschaft erheblich verschlechtern.
2. Das ‚College’ als ‚Zentrum für Studierendengewinnung und Studierenden-vorbereitung’ wird für viele Studienanfänger an der neuen Universität zu einer Verlängerung ihres Studiums um sechs bis zwölf Monate führen. Somit wird die neue Hochschule für leistungsfähige und -willige Studierende in hohem Maße unattraktiv.
3. Die Hochschulautonomie an der neuen ‚Technischen Universität Lausitz – Holding’ wird in einem in Deutschland bisher einmaligen Umfang eingeschränkt.
4. Die Weiterentwicklung der BTU stagniert bereits seit 2 Jahren, weil das MWFK eine größere Zahl vakanter Professuren nicht zur Wiederbesetzung freigegeben hat. Die Ungewissheit, ob und in welcher Form das geplante Gesetz verabschiedet werden wird, wird weitere 1,5 Jahre Verzögerung kosten. Anschließend wird die beabsichtigte Neugründung eine mindestens 5-jährige Phase der Reibung erzeugen, in der sich die beiden ungleichen Partner finden müssen.
5. Der Entwurf setzt den von der Ministerin im Februar verkündeten Willen exakt um. Er ignoriert die zahlreichen kritischen bis ablehnenden Stellungnahmen aus Wissenschaft und Wirtschaft, die mehrfach in Form von Resolutionen und Pressemitteilungen bekundeten einhelligen Meinungen der Angehörigen der BTU, die bis dato über 32.000 Unterschriften der Volksinitiative, und er offenbart den wahren Charakter der ‚ergebnisoffenen’ Lausitz-Dialoge, die noch nicht einmal abgeschlossen wurden.
Im Gegensatz zum Gesetzentwurf des MWFK führt die Reform einer eigenständigen BTU mit weitaus geringerem zeitlichen, finanziellen und personellen Aufwand zur Beseitigung der erkannten Schwächen. So wurde von der BTU ein Reformkonzept entworfen und beschlossen, das die Empfehlungen der Lausitz-Kommission adäquat aufgreift.
Die Umsetzung einer solchen Reform setzt jedoch voraus, dass das Land den Empfehlungen des Wissenschaftsrats zur BTU Cottbus aus dem Jahr 2002 endlich nachkommt und konkurrenzfähige finanzielle und personelle Rahmenbedingungen für eine – voraussichtlich von der Anzahl der Professuren her kleinere – BTU schafft. (‚Die Empfehlung, die BTU wissenschaftlich stärker zu profilieren, setzt nach Auffassung des Wissenschaftsrates eine adäquate Grundausstattung voraus, um die Universität in den Stand zu versetzen, ihrem wissenschaftlichen Auftrag stärker als bisher gerecht zu werden [Stellungnahme des Wissenschaftsrats, 2002, S. 92].’)
Die unterzeichnenden Professorinnen und Professoren der BTU treten daher unverändert dafür ein, beide Lausitzer Hochschulen als eigenständige Einrichtungen zu erhalten, und fordern die Abgeordneten des Landtages Brandenburg auf, den seit nunmehr über vier Monaten andauernden Spuk im Interesse des Landes zu beenden.
Cottbus, den 21.06.2012
Eike Albrecht, Peter Ay, Georg Bader, Daniel Baier, Günter Bayerl, Magdalena Mißler-Behr, Heinz Peter Berg, Michael Bestehorn, Dieter Bestle, Michael Breuß, Ludwig Cromme, Douglas Cunningham, Magdalena Droste, Christoph Egbers, Ursula Felgenhauer, Dirk Freese, Wolfgang Freudenberg, Klaus Hänel, Monika Heiner, Rainer Herd, Christiane Hipp, Christoph Hinz, Petra Hofstedt, Annette Hoppe, Wolfdietrich Kalusche, Ekkehard Köhler, Hartmut König, Heinz-Uwe Küenle, Arnold Kühhorn, Mario Kupnik, Klaus Kornwachs, Gerhard Lappus, Wolfgang Lohmann, Marion Martienssen, Bernd Martin, Klaus Meer, Vesselin Michailov, Detlev Möller, Brigitte Nixdorf, Jörg Nolte, Hartmut Pasternak, Sabine Pickenhain, Thomas Raab, Rembert Reemtsen, Jürgen Reif, Ulrich Riebel, Matthias Rudolph, Ennes Sarradj, Friedrich Sauvigny, Eberhard Schaller, Heiko Schmidt, Michael Schmidt, Ingo Schmitt, Klaus Schnitzlein, Wolfgang Schuster, Götz Seibold, Dietmar Siche, Dieter Specht, Wolfgang Spyra, Peter Steinberg, Bernd Viehweger, Heinrich T. Vierhaus, Frank Wätzold, Werner Witt, Ralf Woll, Ralf Wunderlich”

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