Brandenburg Donnerstag, 26 März 2020 von Redaktion

Quarantäne für polnische Berufspendler. IHKs befürchten dramatischen Einschnitt

Quarantäne für polnische Berufspendler. IHKs befürchten dramatischen Einschnitt

Ab Freitag, dem 27. März, um 0 Uhr, müssen polnische Pendler nach der Einreise in Polen in 14-tägige Quarantäne. Die neue Verordnung wurde vom polnischen Gesundheitsminister erlassen. Die Brandenburgischen Industrie- und Handelskammern erwarten dramatische Auswirkungen für die Grenzregion. "So wird es für viele deutsche Unternehmen nur noch zwei Möglichkeiten geben: Entweder die polnischen Mitarbeiter werden nicht mehr zur Arbeit nach Deutschland kommen oder sie finden eine Unterkunft in Deutschland und sind bereit, länger an ihrem Arbeitsort zu bleiben." heißt es in deiner gemeinsamen Erklärung.

25.000 Pendler in Brandenburg und Berlin betroffen

„Diese neue Verordnung - von der mehr als 25.000 Pendler in Brandenburg und Berlin betroffen sein werden - trifft viele Brandenburger Unternehmen ins Mark. Der Mangel an Arbeitskräften wird nun in betroffenen Branchen brenzlig. Das macht es noch schwieriger die Wirtschaft in der Grenzregion am Laufen zu halten. Außenminister Heiko Maas und Dietmar Woidke als Koordinator für die deutsch-polnische Zusammenarbeit sind gefordert, schnellstmöglich das Gespräch mit der polnischen Regierung zu suchen und eine tragfähige Lösung zu finden“, sagt Carsten Christ, Präsident der IHK Ostbrandenburg und Federführer der Landesarbeitsgemeinschaft Verkehr der Brandenburger IHKs.

Die Industrie- und Handelskammern befürchten, dass Arbeitskräfte besonders in der Landwirtschaft sowie in der Gesundheits- und Pflegebranche fehlen werden. Neben drohenden Verlusten für deutsche Unternehmen, werden auch viele polnische Arbeitnehmer mit Lohneinbußen rechnen müssen. „Das hat Signalwirkung für die gesamte Grenzregion. Sie wurde in den vergangenen 30 Jahren erfolgreich entwickelt. Zusammenleben und -arbeit sind selbstverständlich geworden. Das ist nun nicht mehr möglich“, verdeutlicht Carsten Christ.

Ärztekammer warnt vor Engpässen in der Gesundheitsversorgung

„Derzeit sind im Land Brandenburg etwa 280 polnische Kolleginnen und Kollegen tätig“, erklärte dazu Dipl.-Med. Frank Ullrich Schulz. Hinzu käme eine Vielzahl von Krankenschwestern und Hebammen. Der Präsident der Landesärztekammer Brandenburg begrüßte die in der Presse gemachte Ankündigung der Landesregierung, diese polnischen Berufspendler finanziell zu unterstützen, wenn sie auch in den arbeitsfreien Zeiten in Deutschland bleiben. Ähnlich hatte bereits die Sächsische Landesregierung entschieden. Sachsen hat Grenzen zu Polen und zu Tschechien, wo vergleichbare Regelungen gelten. 

„In manchen - vor allem grenznahen - Kliniken hat die Zahl der polnischen Mitarbeiter bereits eine Größenordnung von mehr als 30 Prozent aller Beschäftigten erreicht. Der Großteil davon sind Ärztinnen und Ärzte.“ Wären diese durch die nahezu ohne Vorlauf eintretenden neuen polnischen Quarantäne-Regelungen an ihrer Arbeit gehindert, könnte dies zu schwerwiegenden Engpässen in der Versorgung führen.

Schulz: „In der derzeitigen Situation können und dürfen wir uns keinen medizinischen Aderlass in dieser Größenordnung leisten!“

Finanzielle Anreize und Übernachtungsmöglichkeiten

Um polnische Arbeitnehmer zum Bleiben zu bewegen und von den Schließungen betroffene Hotel- und Pensionsbetreiber nachhaltig zu unterstützen, wären finanzielle Anreize durch Land Brandenburg hilfreich, wie zum Beispiel analog der Regelung im Freistaat Sachsen, wo 40 Euro pro Tag für die Übernachtung vom Freistaat übernommen werden.

Um der kritischen Situation kurzfristig entgegenzuwirken, arbeiten die Brandenburger IHKs an Beherbergungslösungen für polnische Angestellte. Die IHK Ostbrandenburg und IHK Cottbus haben bereits erste positive Rückmeldungen von Beherbergungsunternehmen sammeln können und vermitteln zu interessierten Unternehmen.

Unternehmen, die Unterkünfte für ihre polnischen Fachkräfte zu suchen, können sich für Südbrandenburg über die Coronahilfe-Hotline der IHK Cottbus unter 0355 365 1111, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und für Ostbrandenburg über das Servicezentrum unter 0335 5621 1111, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden.

Coronavirus in der Lausitz. Aktuelle Lage und Entscheidungen

Hier gehts zum laufend aktualisierten Artikel

Das könnte Sie auch interessieren