Seit 2013 ist das Carl-Thiem-Klinikum (CTK) von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) als überregionales Polytrauma-Zentrum zertifiziert. Im kommenden Jahr steht die erste Rezertifizierung an. Dr. Olaf Konopke, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im CTK: „Als überregionales Polytrauma-Zentrum behandeln wir Patienten aus ganz Südbrandenburg. Bis auf Schwerstbrandverletzungen und Replantationen können wir hier alle Polytraumata versorgen.“
Als Polytrauma wird eine potentiell lebensbedrohliche Mehrfachverletzung bezeichnet, beispielsweise kombinierte schwere Verletzungen von Kopf, Brust-, Bauchraum, Becken und/oder Extremitäten, die einzeln oder in Kombination lebensbedrohlich sind. Zumeist entstehen die Verletzungen als Unfallfolge im Straßenverkehr, aber auch nach Sturz aus großer Höhe, Verschüttung, Einklemmung oder Explosion.
Bei der Versorgung von Polytrauma-Patienten ist besonders ein Faktor entscheidend: die Zeit. Denn innerhalb der sogenannten „Golden Hour of Shock“ hat der Patient die beste Prognose. Bereits am Unfallort leitet der Notarzt die lebensrettenden Maßnahmen zur Sicherung der Vitalfunktionen ein und meldet das Polytrauma im Klinikum an. Matthias Depel, leitender Oberarzt der Zentralen Notaufnahme: „Unverzüglich wird die Schockraumalarmierung eingeleitet: Über WLAN-Handys wird das Schockraumteam, bestehend aus Unfallchirurg, Anästhesist, Neurochirurg, Radiologe und zwei Pflegekräften, gerufen. Nach Eintreffen des Patienten im Schockraum erfolgt parallel zur Übergabe der wichtigsten Informationen durch den am Unfallort behandelnden Notarzt an den Traumaleader die klar strukturierte Untersuchung und gegebenenfalls notwendige unmittelbare Behandlung festgestellter akuter lebensbedrohlicher Störungen.“
Insgesamt drei Schockräume gibt es im CTK. Hier ist vor allem Teamwork gefragt. Grundlage des Managements im Schockraum ist ein Behandlungsplan, der nach Prioritäten und Phasen strukturiert ist. Die standardisierte Vorgehensweise nach dem Konzept des Advanced Trauma Life Support (ATLS) verknüpft stets Diagnostik und Therapie des Polytrauma-Patienten und ermöglicht eine schnelle Ersteinschätzung der Verletzungen. Bei konkurrierenden lebensbedrohlichen Verletzungen ermöglicht erst die Computertomographie die Klassifikation und damit chirurgische Bewertung der Verletzungsschwere. Sie unterstützt damit die Entscheidungsfindung bezüglich der Priorität der Notfalleingriffe und schließt die Akutbehandlungsphase im Schockraum ab.
2014 wurden 151 Schockraumversorgungen im CTK durchgeführt. Um die Behandlungsqualität überprüfen und gegebenenfalls anpassen und verbessern zu können, wird die Behandlung jedes über den Schockraum aufgenommenen Patienten gemäß den Richtlinien der DGU standardisiert dokumentiert. Im Sinne des Qualitätsmanagements werden die so erhobenen Daten gesichert, ausgewertet und schließlich bewertet.
Das CTK gehört zum Traumanetzwerk Brandenburg Süd – einem von vielen Netzwerken der DGU, das der Optimierung der Polytrauma-Versorgung dient.
Quelle: & Foto: Carl-Thiem-Klinikum Cottbus gGmbH







