In Cottbus gehen in den kommenden Jahren im Schnitt rund 830 Beschäftigte pro Jahr in Rente, im Landkreis Spree-Neiße rund 1.130. Die Gewerkschaft NGG nimmt diese Zahlen zum Anlass, eine abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren zu fordern. Sie nennt das „Renten-Stoppschild 45“.
Bis 2035 rund 27.000 Ruheständler in Cottbus
Bis zum Jahr 2035 werden in Cottbus damit insgesamt rund 27.000 Menschen im Ruhestand sein, im Landkreis Spree-Neiße rund 35.600. Die NGG-Region Berlin-Brandenburg bezieht sich dabei auf Berechnungen des Pestel-Instituts.
Für alle, die künftig in den Ruhestand gehen, will die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten eine abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren erreichen. Die geplante Rentenreform der Bundesregierung sorgt nach Beobachtung der NGG für erhebliche Verunsicherung. Vor allem Beschäftigte, die kurz vor den 45 Beitragsjahren in der gesetzlichen Rentenversicherung stehen oder sie bereits erreicht haben, blickten mit Sorge auf die Pläne. „Sie befürchten deutliche Abschläge und damit spürbare Einbußen bei ihrer Rente, wenn sie jetzt aus dem Berufsleben ausscheiden wollen“, sagt Sebastian Riesner, Geschäftsführer der NGG-Region Berlin-Brandenburg.
NGG sieht Beschäftigte in Bäckereien und Kantinen betroffen
Wer früh ins Berufsleben startet, dürfe dafür nicht bestraft werden, so die Gewerkschaft. „Entgegen einem weit verbreiteten Eindruck sind viele Menschen mit langen Erwerbsbiografien keine Spitzenverdiener. Sie sind auf eine verlässliche und ungekürzte gesetzliche Rente angewiesen. Das gilt für die Menschen in der Lebensmittelproduktion ebenso wie die Beschäftigten in Bäckereien, Kantinen und Restaurants in Cottbus“, sagt Riesner. Dasselbe sagt er in der Mitteilung für den Landkreis über die Beschäftigten im Kreis Spree-Neiße.
Die NGG warnt die Bundesregierung davor, bei der Reform die Lebensleistung langjährig Versicherter aus dem Blick zu verlieren. Eine Rente nach 45 Beitragsjahren betreffe viele, so die Gewerkschaft. Unter den gut 265.000 Männern, die Ende vergangenen Jahres in Brandenburg eine gesetzliche Altersrente bezogen, waren nach Angaben der Gewerkschaft rund 127.100, die 45 Jahre oder länger in die Rentenkasse eingezahlt hatten. Unter den knapp 316.000 Frauen waren es rund 77.000. Die NGG beruft sich dabei auf Angaben der Deutschen Rentenversicherung.
Gewerkschaft lehnt höheres Renteneintrittsalter ab
Die Gewerkschaft appelliert an CDU/CSU und SPD, die Reform sozial zu gestalten. Neben der Rente nach 45 Beitragsjahren fordert die NGG, auf eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters zu verzichten. „Es wird dabei immer wieder auf eine steigende Lebenserwartung verwiesen. Doch wer körperlich belastend arbeitet, kann nicht beliebig länger arbeiten“, sagt Riesner. Für diese Beschäftigten sei ein höheres Renteneintrittsalter nichts anderes als eine Rentenkürzung durch die Hintertür.
Kritisch sieht die NGG auch die geplante Kapitalrente. Die gesetzliche Rente müsse verlässlich bleiben und dürfe nicht von den Risiken der Finanzmärkte abhängen. Zudem solle das Rentenniveau weiter an die Lohnentwicklung gekoppelt bleiben. Zuletzt hatte sich die NGG in der Region zur Kita-Betreuung und zum Streit um den Acht-Stunden-Tag geäußert (wir berichteten).
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