Menschen mit psychischen Erkrankungen erleben im Alltag immer noch Vorurteile, von Ärzten über Behörden bis zum Supermarkt. Das berichtet die AWO. Auch die Stadt Cottbus sieht in der geringen Offenheit der Gesellschaft ein zentrales Problem.
Wenn mit der Begleitperson statt mit mir gesprochen wird
Die Menschen, die die AWO begleitet, erleben „leider nach wie vor ein breites Spektrum an Vorurteilen und Stigmatisierungen, das reicht vom alltäglichen Absprechen von Fähigkeiten und Kenntnissen bis hin zu konkreten Beleidigungen“, sagt Laura-Marie Jurk vom Fachbereich Eingliederungshilfe des AWO-Bezirksverbands Brandenburg Süd. Oft sprächen Ärzte oder Verkäufer im Supermarkt die Begleitperson an statt die betroffene Person selbst. Manchen werde sogar das Wahlrecht abgesprochen. Leichte oder Einfache Sprache werde abgetan, „das sei für Idioten“. Dazu kämen Barrieren in den Köpfen und bauliche Hürden. Die Eingliederungshilfe der AWO begleitet rund 970 Menschen in der Region.
Expertinnen und Experten in eigener Sache
Die AWO setzt deshalb darauf, dass Betroffene selbst sprechen. „Menschen mit Behinderungen sowie psychischen oder Suchterkrankungen, die von uns begleitet werden, sind Expert*innen in eigener Sache“, sagt Jurk. Am 5. November halten zwei Beschäftigte einer Werkstatt gemeinsam mit der AWO einen Vortrag an der BTU. Sie gehen offen mit ihrer Erkrankung um und berichten über Vorurteile in Schule und Alltag.
Vorurteile bremsen den Weg zur Hilfe
„Nach wie vor ist die geringe Offenheit der Gesellschaft ein zentrales Thema. Menschen mit einer psychischen Erkrankung haben immer noch Hemmungen, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen“, heißt es von der Stadt Cottbus. Die Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft der Stadt, in der über 20 Träger zusammenarbeiten, beteiligt Betroffene und Angehörige ausdrücklich. „Das Ziel ist: weg von einem Reden übereinander, hin zu einem Reden miteinander.“ Auf dem Land sei die Scham oft besonders groß, sagt Carolin Zegenhagen von der Selbsthilfekontaktstelle KiSS Spremberg, viele hätten Angst, „gesehen zu werden“. Der Landkreis Dahme-Spreewald berichtet, dass Erkrankungen von Eltern häufig tabuisiert würden.
Es gibt auch Zeichen der Veränderung. „Der Umgang mit psychischen Erkrankungen ist offener geworden“, sagt Marion Haufe vom Cottbuser Verein Macht los, auch weil Prominente offen über eigene Erkrankungen sprechen. Das Motto der Woche der seelischen Gesundheit greift das auf: „Miteinander statt nebeneinander“. Wer akut Hilfe braucht, erreicht die Telefonseelsorge rund um die Uhr, anonym und kostenfrei unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Im Notfall gilt die 112.
TeilzeitBewerbung bis 20.10.Werkstudent Rechnungswesen (m/w/d)Lausitz Energie Kraftwerke AG · CottbusZur Stelle →Alle 417 Stellen in Südbrandenburg →Red.














