Erneut melden sich verunsicherte Kunden bei den Stadtwerken Cottbus: An Haustüren im Stadtgebiet verkaufen Fremde Stromverträge und geben sich dabei teilweise als Mitarbeiter des Versorgers aus. Der Haustürbetrug läuft nach einem festen Muster ab.

Haustürbetrug mit dem Zählerwechsel als Vorwand
Unterwegs sind nach Angaben der Stadtwerke in der Regel zwei Personen. Sie klingeln, erzählen von einem anstehenden Zählerwechsel und behaupten, deshalb müsse auch der Stromvertrag umgestellt werden. Anschließend bitten sie um die letzte Stromrechnung.
Wer sie vorlegt, liefert damit alles, was für einen Anbieterwechsel nötig ist. Vor Ort entsteht ein neuer Vertrag, unterschrieben wird er im guten Glauben. Erst später fällt auf, dass darin ein anderer Stromlieferant steht.
Betroffene berichten außerdem, dass sie regelrecht zur Unterschrift gedrängt wurden. Der Grund dafür ist simpel: Für jeden neu abgeschlossenen Vertrag fließt eine Provision.
Die Stadtwerke stellen dazu unmissverständlich klar, dass es sich bei diesen Personen nicht um ihre Mitarbeiter handelt.
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Ein Zählerwechsel ändert den Stromvertrag nicht
Der entscheidende Hebel der Masche ist eine Behauptung, die schlicht falsch ist. Ein Zählerwechsel erfordert keine Umstellung des Stromliefervertrags. Der bestehende Strom- oder Gasvertrag bleibt davon unberührt.
Steht tatsächlich ein Wechsel an, kündigt ihn der Messstellenbetreiber viele Wochen vorher schriftlich an. Vor dem Einbautermin folgt ein zweites Schreiben mit einem Terminvorschlag, der sich bei Bedarf verschieben lässt. An der Haustür entschieden wird dabei nichts.
Dass die Masche gerade jetzt verfängt, hat einen Grund: In Cottbus liegt derzeit reichlich echte Post zum Thema Zählerwechsel in den Briefkästen. Über einen freien Anbieter, dessen Schreiben niemand beantworten muss, haben wir Anfang August berichtet –>> Post zum Zählerwechsel in Cottbus
Diese Daten machen den Haustürbetrug möglich
Bei den sogenannten Haustürgeschäften fragen die Fremden gezielt persönliche Daten ab oder bitten um Einblick in Unterlagen, aus denen diese hervorgehen. Dazu zählen laut Stadtwerke:
Liegen diese Angaben vor, kann ein fremder Anbieter den laufenden Vertrag bei den Stadtwerken kündigen, ohne dass die Kundin oder der Kunde das je gewollt hat. Der Versorger rät deshalb, Zählernummer, Marktlokations-ID und Kundennummer niemals an Dritte weiterzugeben. Sie seien so schützenswert wie die PIN einer Geldkarte.
Auch die Stromrechnung selbst gehört in diese Kategorie, denn sie enthält alle relevanten Daten für einen Wechsel. Die Stadtwerke empfehlen daher, sie nicht aus der Hand zu geben und sich vor jeder Unterschrift Bedenkzeit zu nehmen.
Was Betroffene beim Haustürbetrug tun können
Wer bereits unterschrieben hat, sollte sich unverzüglich an den Kundenservice der Stadtwerke wenden. Bei schnellem Handeln lassen sich solche Vorgänge nach Angaben des Unternehmens noch stoppen.
Ein deutliches Warnsignal ist eine Kündigungsbestätigung, obwohl niemand gekündigt hat. In diesem Fall raten die Stadtwerke zum sofortigen Anruf.
Rechtlich gilt zudem: Energielieferverträge mit Haushaltskunden außerhalb der Grundversorgung bedürfen seit dem 27. Juli 2021 der Textform (Paragraf 41b Absatz 1 Energiewirtschaftsgesetz). Ein mündliches Ja am Telefon reicht für einen wirksamen Abschluss also nicht aus.
Wichtig ist trotzdem Tempo. Zwar gilt eine gesetzliche Widerrufsfrist von 14 Tagen, doch nach Erfahrung der Stadtwerke ignorieren neue Anbieter den Widerruf in vielen Fällen.
Nicht der erste Fall in diesem Jahr
Neu ist das Vorgehen nicht. Bereits im März warnte der Versorger vor Zweierteams, die mit Tablets samt Stadtwerke-Schriftzug unterwegs waren –>> Stadtwerke warnten schon im März vor Haustürbetrug
Grundsätzlich gilt nach Angaben des Unternehmens: Mitarbeiter der Stadtwerke Cottbus schließen weder am Telefon noch an der Haustür Verträge ab.
Symbolbild: Kindel Media/Pexels
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Red. / Presseinformation







