Das Ergebnis fiel deutlich aus, die Stimmung trotzdem großartig: Nach dem 0:9 im DFB-Pokal gegen Bundesligist 1. FSV Mainz 05 (->> zum Spielbericht) überwog beim Oberligisten VfB Krieschow am Ende nicht die Enttäuschung, sondern der Stolz. Vor rund 4.000 Zuschauern im eigens umgebauten Sportpark erlebte das kleinste Dorf im Wettbewerb das größte Spiel seiner Geschichte. Nach dem Schlusspfiff haben wir Stimmen von Trainer Robert Koch, Torhüter Justin Fietz und weiteren Spielern eingefangen.
Koch: „Die ersten 20 Minuten waren gut“
Robert Koch haderte nicht mit der Höhe der Niederlage, sondern zog ein versöhnliches Fazit. Die Sensation ist ausgeblieben, aber das macht den schönen Tag nicht kaputt. Besonders der Beginn machte dem Trainer große Freude: „Gerade in den ersten 20 Minuten sind wir gut reingekommen, wir hatten zwei gute Torchancen – da musst du mal eine machen.“ Am Ende habe sich die „brutale Qualität“ der Mainzer durchgesetzt.
Ganz sachlich benannte Koch auch die Schwächen: „Einige Gegentore waren vermeidbar. Aber Amiri weiß ganz genau, wo der Ball hinkommen muss, und Tietz weiß genau, wo der Ball hinkommt.“ Groß analysieren will er das Spiel aber nicht. „Die Jungs sollen diesen Tag genießen.“ Ab Dienstag oder Mittwoch gelte der Fokus dann wieder dem Ligaalltag – am kommenden Wochenende geht es in der Oberliga weiter.
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Hebler: „Purer Genuss“
Auch Andy Hebler, der mit einem Freistoß am Ehrentor schnupperte, sprach vom Höhepunkt seiner Laufbahn. „Es war einfach nur Freude heute, purer Genuss“, sagte er. Ganz hatte er den Traum von der Sensation vorher nicht begraben: „Man träumt trotzdem davon – kleine Pokalwunder gab es ja auch schon.“ Am Ende sei die Niederlage „vielleicht ein, zwei Tore zu hoch“ ausgefallen, das Ehrentor hätte man sich verdient. Seinen größten Dank richtete auch Hebler an die vielen Helfer: „Ohne die Leute ist das nicht möglich. Gerade bei uns in der Region, den kleinen Dörfern, geht das nur übers Ehrenamt – da kann man nur den Hut ziehen.“
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Fietz: „Wir können stolz auf uns sein“
Torhüter Justin Fietz, mit acht Gegentoren vom Gegner und einem Eigentor unfreiwillig im Mittelpunkt, blieb bemerkenswert positiv. „Wir können trotzdem stolz auf uns sein. Die ersten 20 Minuten waren richtig gut“, sagte er. Nach dem 0:1 sei es schwer geworden: „Der Gegner hat gemerkt, dass es bei Flanken geht – und dann landet jeder Ball genau im Eck. Da ist man auch mal machtlos.“
Auf seine Körpergröße und den deutlich größeren Gegenüber im Mainzer Tor angesprochen, blieb Fietz selbstbewusst: Auch auf Bundesliga- und Champions-League-Niveau gebe es Torhüter seiner Größe, etwa sein Vorbild Yann Sommer. „Da macht die Größe nicht so viel aus.“ Der erst kürzlich zum VfB gestoßene Keeper schwärmte von der Kulisse: „Für das Dorf Krieschow ist das brutal. 4.000 Zuschauer, ein kleiner Hexenkessel – so sollte jedes Fußballspiel sein.“
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Rodrigues und die Freundschaft zu Amiri
Für den ersten Abschluss der Partie hatte Miguel Pereira Rodrigues gesorgt. „Wir wussten, dass die Qualität des Gegners so hoch ist, und haben versucht, die Null zu halten“, sagte er. „Am Ende sind wir belohnt worden, dass es nicht zweistellig wurde.“ Das verpasste Ehrentor schmerzte dennoch: „Ein Tor wäre eine gute Belohnung für so ein Spiel gewesen.“
Für einen der schönsten Momente des Tages sorgte Rodrigues abseits des Rasens: Zur zweiten Halbzeit kam er Arm in Arm mit Mainz-Nationalspieler Nadiem Amiri aus der Kabine. „Amiri ist eines meiner Vorbilder in Deutschland. Ich finde den Typen einfach geil durch seine lockere Art“, erzählte er. „Das ist ein feiner Kerl, ich wünsche ihm alles Gute für die Saison.“ Rund 4.000 Menschen gingen für ihn glücklich nach Hause: „Für das Dorf ist das ein riesiges Highlight, das schaffen wir in zehn Jahren nicht mehr.“
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Bittroff: „Ein rundum gelungener Tag“
Routinier Alexander Bittroff, der in seiner Laufbahn schon größere Gegner erlebt hat, genoss den Nachmittag sichtlich. „Ein tolles Gefühl, so etwas mit Krieschow zu erleben, mit dem kleinsten Dorf im DFB-Pokal“, sagte er. Sein Lob galt vor allem den Helfern hinter den Kulissen: „Was die ehrenamtlichen Helfer und die Sponsoren auf die Beine gestellt haben, war richtig toll.“ Mit dem Ergebnis sei man „nicht ganz so zufrieden, weil die Chance auf ein Tor da war“ – die Qualität des Gegners erkenne er aber neidlos an. Bittroff, der die Woche über mit körperlichen Wehwehchen zu kämpfen hatte, hofft auf einen Werbeeffekt: „Ich hoffe, dass der eine oder andere der 4.000 wiederkommt und die Oberligaspiele anfeuert.“
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Für den VfB Krieschow endete das größte Spiel der Vereinsgeschichte damit sportlich mit einer klaren Niederlage – als Erlebnis aber bleibt es unvergessen. Schon am kommenden Wochenende kehrt der Alltag zurück, dann geht es in der Oberliga weiter.
Videointerviews: Georg Zielonkowski
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Red. / [lb]



