Sonntag, 15:30 Uhr: Der VfB 1921 Krieschow empfängt in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals den Bundesligisten 1. FSV Mainz 05. Für den Oberligisten aus einem 600-Einwohner-Dorf ist es das größte Spiel seiner Geschichte – und ein Termin, den es so kein zweites Mal geben dürfte: Kein kleinerer Ort hat je ein DFB-Pokalspiel ausgerichtet.
DFB-Pokal im 600-Einwohner-Dorf
Der VfB Krieschow ist zu Hause in einem Ortsteil von Kolkwitz im Landkreis Spree-Neiße, der rund 600 Einwohner zählt. Am Sonntag werden hier mehr als sechsmal so viele Menschen erwartet wie im Dorf wohnen.
Angepfiffen wird um 15:30 Uhr im Sportpark. Zu Oberligaspielen kommen dort üblicherweise ein paar Hundert Zuschauer – für den Pokal musste die Anlage auf ein Vielfaches wachsen.

Was der VfB Krieschow alles bauen musste
Der Sportpark erfüllt die Vorgaben des DFB für ein Pokalspiel im Normalzustand nicht. Also wurde er umgebaut: mobile Tribünen für rund 4.000 Plätze, ein Turm für die Fernsehkameras, dazu Zelte, Absperrungen und die vorgeschriebene Bandenwerbung der Pokalsponsoren.
Gemacht haben das nach Angaben aus dem Verein über 60 Freiwillige – Vereinsmitglieder und Rentner, die seit Wochen auf dem Gelände arbeiten. Auch der Rasen musste in Form gebracht werden.

Finanziert wird der Aufwand vor allem aus der Startprämie: Rund 215.000 Euro schüttet der DFB für die Teilnahme an der 1. Hauptrunde aus. Der Großteil davon fließt in das temporäre Stadion.
Der Kartenvorverkauf lief früh an
Schon vor zehn Tagen waren rund 2.800 Karten verkauft. Der öffentliche Vorverkauf hatte am 7. August begonnen, zuvor konnten sich Vereinsmitglieder eindecken. 1.000 Tickets sind für die Gäste aus Mainz reserviert.
Wer noch spontan kommen möchte, sollte mit einem vollen Sportpark und mit Verkehr im Ort rechnen. Krieschow ist auf so einen Andrang nicht ausgelegt.

Trainer Robert Koch: „Die Null so lange wie möglich halten“
Im Interview mit unserer Redaktion macht sich der Cheftrainer nichts vor, was die Kräfteverhältnisse angeht. „Die individuelle Qualität ist natürlich bedeutend größer, das ist ein Fakt“, sagt Koch über den Gegner. „Und den können wir auch nicht wegwischen.“
Er setzt auf das, was ein Oberligist dagegensetzen kann: „Am Ende ist Fußball ein Mannschaftssport, und da gehören elf Leute dazu. Wenn wir als Einheit zusammenwachsen auf dem Platz und der eine für den anderen da steht, dann kann man etwas Großes schaffen.“
Dazu brauche es Spielglück – und einen Gegner, der von der Einstellung her nicht komplett da sei. Entscheidend seien die ersten Minuten: „Dann versuchen wir natürlich, so lange wie möglich die Null zu halten.“
Warum das eigene Dorfstadion ein Vorteil sein kann
Dass gespielt wird und nicht ins Cottbuser Stadion ausgewichen wurde, hält Koch für wichtig: „Diese Mini-Chance, die wir haben, hat sich vielleicht ein wenig erhöht dadurch, dass wir jetzt hier spielen können.“
Seine Spieler kennen die Gegebenheiten, die eigene Kabine, den Platz. Für die Gäste sei genau das ein Thema – die müssten in eine „doch etwas kleinere Kabine“.
Auch die Enge spricht aus seiner Sicht für Krieschow: „Es macht wahrscheinlich noch ein bisschen mehr her, wenn hier dreieinhalb-, viertausend in diesem engen, kompakten Dorfstadion sind, als wenn wir vor 3.000, 4.000 Zuschauern im großen Cottbuser Stadion spielen.“
„Man muss sich schon ab und zu mal kneifen“
Das Medieninteresse hält seit über einer Woche an, regional wie überregional. Koch nimmt es gelassen: „Man muss sich schon ab und zu mal kneifen.“ Vom Team habe man es so weit wie möglich ferngehalten – die Spieler nähmen es mit Spaß und einem Lächeln.
„Die Jungs haben sich das verdient, das ist schon mal ein Fakt“, sagt der Trainer. „Das wird ein Erlebnis sein, von dem sie hoffentlich ihren Enkeln erzählen können.“
Nach dem Punktspiel am vergangenen Sonntag gab es einen freien Montag – Kopf raus, weg vom Fußball. „Und dann ab Dienstag voller Fokus.“ Die Trainingseinheiten seien sehr gut gewesen. Dass der eine oder andere euphorisiert und aufgeregt sei, will er niemandem absprechen: „Eine gewisse Aufregung tut ja auch der Leistung keinen Abbruch.“
Der Weg in den Pokal führte über den Landespokal
Ins Feld der 1. Hauptrunde kam der VfB über den Brandenburgischen Landespokal. „Es ging damals darum, einen Titel zu holen, das haben wir geschafft“, sagt Koch. „In den Chroniken des Brandenburg-Pokals steht der Name VfB Krieschow auf jeden Fall schon mal drin.“
Daraus zieht er Zuversicht für Sonntag: „Das haben wir ja nicht nur in dem Spiel gegen Cottbus, auch in anderen relativ größeren Spielen schon gezeigt, dass wir es können.“ Und weiter: „Wir wollen diese kleine Chance, die sich für uns am Sonntag auftut, versuchen zu greifen.“
Drei Ligen Unterschied – und eine Gelegenheit, die bleibt
Sportlich ist die Aufgabe klar verteilt. Der VfB Krieschow spielt in der Oberliga Nordost, Mainz 05 in der Bundesliga – dazwischen liegen drei Ligen. Cheftrainer Robert Koch ordnet die Partie im Interview mit uns nüchtern ein – ohne die kleine Chance aufzugeben.
Für den Verein ist das DFB-Pokalspiel unabhängig vom Ergebnis der größte Auftritt seiner Geschichte. Ein Brandenburger Oberligist gegen einen etablierten Bundesligisten – und das im kleinsten Pokaldorf, das es je gab.
Fotos: NIEDERLAUSITZ aktuell
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