Im Streit um die Zukunft des Elbe-Elster-Klinikums hat Landrat Marcel Schmidt auf Spekulationen um eine mögliche schleichende Privatisierung reagiert. „Eine Privatisierung ist aktuell nicht vorgesehen“, stellte Schmidt demnach bei einem Gespräch mit den Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen klar. Zugleich zeichneten Wirtschaftsprüfer ein ernüchterndes Bild der Finanzlage: Die aktuelle Ertragslage zehre die Vermögensrücklage des kommunalen Krankenhauses rasant auf, wenn nicht gegengesteuert werde.
„Ein ordentliches Gewitter reinigt die Luft“
Bei dem knapp dreistündigen und teils intensiv geführten Gespräch am 11. August in der Kreisverwaltung Herzberg ging es um die wirtschaftliche Lage, die Gründe für den Wechsel an der Spitze der Klinikum GmbH und die nächsten Schritte. Teil nahmen auch Vertreter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Forvis Mazars sowie der neue Interimsgeschäftsführer Mirko Papenfuß. „Ein ordentliches Gewitter reinigt die Luft“, fasste Schmidt die Aussprache zusammen. Entscheidend sei nun, aus den Erkenntnissen die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Prüfer sehen Handlungsbedarf
Die Fachleute von Forvis Mazars stellten die Ergebnisse ihrer Statusbestimmung zur wirtschaftlichen und organisatorischen Situation vor. Neben der angespannten Ertragslage nahmen sie auch das bisherige Zusammenspiel von Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Gesellschafter kritisch in den Blick. Künftig müssten Verantwortlichkeiten und Rollen klarer gefasst werden.
Vor diesem Hintergrund erläuterte Schmidt erneut die Gründe für die Ablösung des bisherigen Geschäftsführers Michael Winkler. Ausschlaggebend seien die anhaltend negativen wirtschaftlichen Ergebnisse und fehlendes Vertrauen gewesen, dass unter der bisherigen Führung die anstehenden Aufgaben mit der nötigen Konsequenz angegangen würden. Der Schritt sei aus seiner Sicht notwendig gewesen.
Kreistagsbeschluss bleibt Maßstab
Als Richtschnur für die weiteren Entscheidungen nannte der Landrat den Kreistagsbeschluss vom 7. April 2025. Dieser sieht neben der Planung eines zentralen Klinikneubaus und der Entwicklung der bisherigen Standorte zu Gesundheitszentren auch eine Alternativvariante vor: Sollte der Neubau nicht genehmigt oder finanziert werden können, ist zu prüfen, ob künftig einer der drei Standorte die stationäre Grund- und Regelversorgung übernimmt. Auf dieser Grundlage müsse die Ausrichtung des Klinikums unter den veränderten gesetzlichen, medizinischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiterentwickelt werden – ergebnisoffen, wie Schmidt betonte.
Weichen sollen noch 2026 gestellt werden
Interimsgeschäftsführer Papenfuß, dessen Tätigkeit zunächst auf zwei Monate angelegt ist, machte deutlich, dass noch in diesem Jahr wichtige Entscheidungen fallen müssten, damit Veränderungen im kommenden Jahr greifen könnten. Dazu gehöre, das künftige medizinische Leistungsspektrum unter den Bedingungen der Krankenhausreform zu modellieren sowie ambulante und stationäre Versorgung stärker zusammenzudenken – auch mit Blick auf den Rettungsdienst. Ein weiterer Schwerpunkt sei, die Voraussetzungen für die Förderfähigkeit notwendiger Investitionen zu schaffen. Eine Bestätigung des Fördermittelgebers steht dafür bislang aus. Zugleich betonte Papenfuß, die Versorgung lasse sich nicht allein innerhalb der Kreisgrenzen betrachten; Kooperationen müssten auch kreisübergreifend gedacht werden.
Parallel zu den politischen Beratungen suchen Schmidt und Papenfuß nach eigenen Angaben den direkten Austausch mit den Beschäftigten an den drei Standorten. Trotz der schwierigen Lage nähmen sie dort auch Zuversicht und die Bereitschaft wahr, die Veränderungen mitzutragen.
Newsletter
Die Lausitz am Abend – in zwei Minuten
Jeden Abend das Wichtigste aus der Region – und donnerstags die Veranstaltungstipps fürs Wochenende. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Heute in der Lausitz – Unser täglicher Newsüberblick
Mehr Infos und News aus der Lausitzer und Südbrandenburger Region sowie Videos und Social-Media-Content von heute findet ihr in unserer Tagesübersicht –>> Hier zur Übersicht
Red. / Presseinformation




