Die kommenden Tage haben es für Sternfreunde, Hobbyastronomen und Fotografen in der Niederlausitz in sich. Innerhalb von nur zwei Nächten reihen sich gleich drei sehenswerte Ereignisse aneinander. Am Mittwochabend gibt es eine tiefe partielle Sonnenfinsternis, in der Nacht darauf erreichen die Perseiden ihren Höhepunkt, und dazu kommt ein Komet, der gerade überraschend hell geworden ist. Wir sagen euch, wann ihr nach oben schauen müsst und worauf es beim Beobachten ankommt.
Mittwochabend: Die Sonne verschwindet zu fast neun Zehnteln
Das erste Highlight ist zugleich das seltenste. Am Mittwoch, dem 12. August, schiebt sich der Mond vor die Sonne. Global gesehen ist es eine totale Sonnenfinsternis, deren Kernschatten über Grönland, Island und Nordspanien zieht. Bei uns in Südbrandenburg bleibt es zwar bei einer partiellen Finsternis, doch die hat es in sich. Zum Höhepunkt ist die Sonne zu rund 88 Prozent bedeckt, ein Anblick, den man in dieser Tiefe nur alle paar Jahre erlebt. Das Besondere daran: Die Finsternis fällt fast mit dem Sonnenuntergang zusammen. Die schmale Sonnensichel steht dann tief und rötlich über dem westlichen Horizont. Ein Motiv, das nicht nur Astronomen, sondern auch Fotografen begeistern dürfte.
Die Zeiten für die Region rund um Cottbus:
- Beginn gegen 19:16 Uhr, wenn der Mond den ersten „Biss“ aus dem Sonnenrand nimmt
- Maximum um 20:09 Uhr mit der stärksten Bedeckung
- Ende gegen 20:31 Uhr, wenn die noch angeknabberte Sonne dem Horizont entgegengeht
So beobachtet ihr die Finsternis sicher
Der wichtigste Hinweis zuerst: Schaut niemals ohne geeigneten Schutz direkt in die Sonne, auch nicht durch eine normale Sonnenbrille, ein Fernglas oder das Display der Handykamera. Schon wenige Sekunden können bleibende Schäden an der Netzhaut verursachen, ohne dass man das sofort spürt.
- Nutzt eine Sonnenfinsternisbrille. Nur zertifizierte Folienbrillen nach der Norm EN 150 bieten sicheren Schutz. Wer noch eine von 2015 oder 2021 hat, prüft sie vorher auf Kratzer und Löcher.
- Sucht euch freie Sicht nach Westen. Weil die Sonne tief steht, braucht ihr einen möglichst unverbauten Horizont, etwa von einem Aussichtsturm, einem Feldrand oder einer der Halden und Anhöhen der Lausitz.
- Ferngläser und Teleskope nur mit speziellem Sonnenfilter vor der Objektivöffnung verwenden, niemals ohne.
- Als sichere Alternative bietet sich die Projektion an. Mit einem Fernglas oder einer Lochblende lässt sich das Bild der Sichel auf ein weißes Blatt Papier werfen. Das ist auch für Kinder gut geeignet.
In der Nacht auf Donnerstag: Die Perseiden auf dem Höhepunkt
Kaum ist die Sonne unter, beginnt das zweite Schauspiel. Die Perseiden sind ein zuverlässiger Sternschnuppenstrom aus den Staubresten des Kometen 109P/Swift-Tuttle. Sie erreichen ihr Maximum in der Nacht von Mittwoch, dem 12., auf Donnerstag, den 13. August. Die meisten Sternschnuppen fallen erfahrungsgemäß in den frühen Morgenstunden des 13. August, etwa zwischen 23 Uhr und der Morgendämmerung gegen 4 Uhr. 2026 sind die Bedingungen so gut wie seit Jahren nicht. Genau am 12. August ist Neumond, es stört also kein Mondlicht am Himmel. Unter einem dunklen Landhimmel, wie ihn die Niederlausitz vielerorts noch bietet, sind so realistisch 50 bis 70 Sternschnuppen pro Stunde möglich. Am helleren Stadtrand bleiben es eher 20 bis 30, aber auch das ist ein schöner Anblick.
Tipps für die Sternschnuppen-Nacht
- Raus aus der Stadt: Je dunkler der Standort, desto mehr seht ihr. Ein Feld, eine Wiese oder ein See abseits der Straßenlaternen macht den Unterschied. In der Lausitz bieten sich die dünn besiedelten Heide- und Teichlandschaften an.
- Gewöhnt eure Augen an die Dunkelheit. Plant 20 bis 30 Minuten ohne Blick aufs helle Handydisplay ein. Wer Licht braucht, nutzt eine Taschenlampe mit rotem Licht.
- Liegt bequem. Eine Decke, Isomatte oder ein Liegestuhl schont den Nacken. Der Blick geht am besten Richtung Nordosten, wo das Sternbild Perseus aufsteigt. Die Sternschnuppen können aber am ganzen Himmel auftauchen.
- Ein Fernglas braucht ihr nicht. Sternschnuppen beobachtet man mit bloßem Auge, denn nur so habt ihr das größtmögliche Blickfeld.
- Nehmt Geduld und eine Jacke mit. Auch im August wird es nachts auf dem Feld empfindlich kühl. Warme Kleidung und etwas Zeit zahlen sich aus.
Video: Cottbuser Planetarium über Sonnenfinsternis und Perseiden
Und noch ein Gast: Komet 220P/McNaught im Fernglas
Wer schon einmal draußen ist, sollte in diesen Nächten zusätzlich nach einem Kometen Ausschau halten. Der hat gerade für eine echte Überraschung gesorgt: 220P/McNaught. Anfang August ist der eigentlich unscheinbare Schweifstern völlig unerwartet ausgebrochen. Innerhalb weniger Tage schoss seine Helligkeit um rund sechs Größenklassen nach oben, von einem nur im großen Teleskop erkennbaren Lichtpünktchen bei etwa Magnitude 13 auf inzwischen etwa Magnitude 7. Solche plötzlichen Helligkeitsausbrüche sind bei Kometen selten und machen 220P/McNaught aktuell zu einem lohnenden Ziel.
Ganz ohne Ausrüstung geht es allerdings nicht. Mit rund Magnitude 7 liegt der Komet knapp unterhalb der Sichtbarkeitsgrenze für das bloße Auge. Im Fernglas oder kleinen Teleskop zeigt er sich als kleiner, verwaschener Lichtfleck, seine sogenannte Koma. Das ist die neblige Gas- und Staubhülle um den Kometenkern. Fachleute rätseln derzeit noch, was den Ausbruch ausgelöst hat. Möglicherweise ist der Kometenkern dabei, auseinanderzubrechen. Genau das macht die Beobachtung gerade spannend, denn niemand weiß, wie lange das Schauspiel anhält.
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So findet ihr den Kometen
- Am besten klappt es in der Morgendämmerung. 220P/McNaught steht im Sternbild Walfisch (lateinisch Cetus) und geht in unseren Breiten kurz nach Mitternacht im Osten auf. Am günstigsten ist der Blick tief zum Osthorizont in den Stunden vor der Morgendämmerung, also passenderweise genau dann, wenn auch die Perseiden am zahlreichsten fallen.
- Dunkler Himmel und Neumond helfen zusätzlich. In diesen Nächten stört kein Mondlicht, der schwache Lichtfleck hebt sich dadurch besser ab.
- Ein Fernglas mit ruhiger Hand reicht. Ein 10×50-Fernglas genügt. Stützt die Arme auf oder nutzt ein Stativ, damit das Bild ruhig steht.
- Eine Sternkarten-App wie Stellarium hilft, die genaue Position zu finden. Von Nacht zu Nacht wandert der Komet ein Stück weiter.
- Gewöhnt erst die Augen an die Dunkelheit und sucht dann geduldig die Himmelsregion ab. Der Komet erscheint nicht als scharfer Punkt wie ein Stern, sondern als winziges, verwaschenes Wölkchen.
Ein günstiger Wetterbericht vorausgesetzt, bieten diese beiden Nächte also gleich ein kleines Astronomie-Festival über der Niederlausitz. Wer kann, sucht sich einen dunklen Fleck abseits der Ortslichter und schaut ganz einfach nach oben.
Red.




