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Niederlausitz Donnerstag, 25 August 2016 07:40 |  von Redaktion

Offener Brief: Geplante Erdgasförderung rund um den Spreewald - Appell an Kommunalpolitiker

Offener Brief: Geplante Erdgasförderung rund um den Spreewald - Appell an Kommunalpolitiker

In einem offenen Brief appellieren die Bürgerinitiativen "Bürger in Bewegung" aus der Region Märkisch Buchholz und "CO2-Endlager stoppen - Der Umwelt zuliebe e.V." aus der Region Beeskow an Vertreter der kommunalen Parlamenten, die geplante Förderung von fossilen Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Oder-Spree kritisch zu hinterfragen. Erfahrungen aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zeigen, dass bei Unternehmen nicht der Schutz der Bevölkerung und der Umwelt im Vordergrund steht, sondern oftmals nur reines Profitinteresse zu Lasten der Region, heißt es in den Schreiben.

„Nur wenn wir Alle die geplanten Projekte aufmerksam begleiten, können die Konzerne gezwungen werden, die Belastungen für Mensch und Umwelt zu vermeiden bzw. zu minimieren. Nur Vorhaben die ökologisch und ökonomisch Sinnvoll sind sollten genehmigt werden.“, fordert Ralf Irmscher von der Initiative "Bürger in Bewegung".

Derzeit sind rund um den nördlichen Teil des Biosphärenreservats Spreewald drei Projekte zu Förderung von Erdgas und Erdöl geplant. Unternehmen wie CEP in Guhlen, Bayerngas in Beeskow und Engie (vormals GDF/Suez) in Märkisch Buchholz planen die fossilen Rohstoffe aus der Erde zu holen. Bislang fanden in allen drei Gebieten "nur" Probebohrungen statt.

Das Problem der Verschmutzung von Böden, Luft und Oberflächengewässern durch die Förderung fossiler Rohstoffe wie Gas und Öl wird auch den Spreewald betreffen, sollten alle Projekte umgesetzt werden. So soll beispielsweise die „Gasblase“ des Projektes Märkisch Buchholz bis weit in das Biosphärenreservat Spreewald hineinreichen, sagt Irmscher.  Für die Genehmigung spielt das hingegen keine Rolle: "Für die rechtlichen Rahmenbedingungen der übertägigen Erdgasaufbereitungsanlage ist die Art und Ausdehnung der Lagerstätte allerdings nicht relevant", teilt die Landesregierung mit (Drucksache 6/4209).

Die wirtschaftliche Ausbeutung der Lagerstätten wurde bislang von der Brandenburger Landesregierung noch nicht genehmigt, teilweise laufen die Verfahren für eine Genehmigung jedoch schon. Die fachliche Aufsicht und die Erteilung der Genehmigung liegen beim Brandenburger Landesbergamt. Für die Förderung von Erdgas durch Engie im Landschaftsschutzgebiet und Naturpark Dahme-Heideseen muss das Landesbergamt eine Ausnahmegenehmigung erteilen, erklärt die Landesregierung.  „Unter welchen Bedingungen die Ausnahme erteilt werden kann, ist völlig unklar. Aus unserer Sicht gibt es dafür keine stichhaltigen Gründe“, so Irmscher.

Bei der Erdgasgewinnung wird Lagerstättenwasser zwangsweise in großen Mengen mitgefördert. „In Niedersachsen enthält das Lagerstättenwasser beispielsweise krebsauslösendes Benzol und Toluol (BTEX), giftiges Quecksilber und Blei“, sagt Herbert Wenzke von Initiative "CO2-Endlager stoppen - Der Umwelt zuliebe" aus der Region Beeskow: „Die Zusammensetzung des Lagerstättenwassers und die Menge für die jeweilige Förderstätte in Brandenburg ist unbekannt“

Bisher sei übliche Praxis, Lagerstättenwasser nach grober Reinigung in alten Förderbohrungen, auch Versenkbohrungen oder Disposalbohrungen genannt, zu entsorgen. Ein Austreten der im Lagerstättenwasser enthaltenen Schadstoffe kann zur Verschmutzung von Luft, Boden und Gewässern führen und stellt damit eine potenzielle Gefährdung für die Gesundheit von Mensch und Tier dar. Auch unter der Erde bedeutet das Verpressen des Lagerstättenwassers eine mögliche Gefährdung der Umwelt, insbesondere für das Grundwasser, das Grundlage unserer Trinkwasserversorgung ist. Für die geplante Erdgasförderung bei Märkisch Buchholz sei indes bereits bekannt geworden, dass das Lagerstättenwasser mitten im Naturpark Dahme-Heideseen verklappt werden soll,  berichtet Irmscher.

Die Initiativen wollen jetzt verstärkt mit den Kommunal-Vertretern in den Landkreisen und den Spreewald-Gemeinden in den Dialog treten.

pm/red

Foto: ideengruen.de

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