Terpe Mittwoch, 11 Juni 2008 von Helmut Fleischhauer

14. Brandenburger Landpartie: Harfenklänge und Heufest; Kuhroulette und Kirschen

14. Brandenburger Landpartie: Harfenklänge und Heufest; Kuhroulette und Kirschen

Die 14. Brandenburger Landpartie startet am 14. und 15. Juni. Jährlich am zweiten Juniwochenende ist die Brandenburger Landpartie die Gelegenheit, Bauernhöfe, Agrarbetriebe und ländliche Kultureinrichtungen kennenzulernen und mit den Gastgebern ins Gespräch zu kommen. Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Dietmar Woidke (SPD): „Ich hoffe, dass sich am kommenden Wochenende viele Zehntausende auf den Weg machen, um das ländliche Brandenburg zu erkunden. Der Milchstreik der deutschen Bauern hat viele Menschen daran erinnert, dass Milch und Honig nicht von allein fließen, sondern harte und ehrliche Arbeit zur Voraussetzung haben, die in den Landwirtschaftsbetrieben 365 Tage im Jahr geleistet wird.“
245 Gastgeber erwarten am kommenden Wochenende in über 200 Orten des Landes Besucher auf ihren Höfen.
135 Betriebe, die an der Landpartie teilnehmen, sind im Haupterwerb landwirtschaftlich tätig. Die Beteiligung von Brandenburger Ökobetrieben an der Landpartie liegt mit 40 Gastgebern auf dem Niveau des Vorjahres (41 Betriebe). Die meisten Gastgeber (40) kommen aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark, in der Landeshauptstadt Potsdam erwarten drei Betriebe Gäste zum gastlichen Wochenende auf dem Lande. Insbesondere auch Ökobetriebe im ganzen Land nehmen an der Landpartie teil. Unter anderem öffnen sie in Kuhhorst, Münchehofe, Wulkow, Pretschen, Marienhöhe, Gräfendorf, Brodowin, Staffelde und weiteren Orten die Hoftore für Landpartiebesucher.
Am Anfang war es die Idee, mehr Städter aufs Land zu locken. Hof- und Stalltüren wurden geöffnet, Einblicke in Leben und Arbeiten auf dem Lande gewährt.
Inzwischen sind 14 Jahre ins Land gegangen und die Landpartie wird zum ersten Mal in einer Großstadt eröffnet. Im Potsdamer Ortsteil Satzkorn, dem Sitz des Obstguts Marquardt, wird der Schirmherr der Brandenburger Landpartie, Agrar- und Umweltminister Dietmar Woidke, gemeinsam mit Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck sowie mit dem Bürgermeister der Stadt Potsdam, Jann Jakobs am 14. Juni um 11 Uhr den offiziellen Startschuss für die 14. Brandenburger Landpartie geben.
Tradition seit 14 Jahren
Die Brandenburger Landpartie hat sich in den nunmehr 14 Jahren ihres Bestehens zur publikumsstärksten Veranstaltung im ländlichen Raum entwickelt. Weit über 100.000 Menschen folgten in den Vorjahren der Einladung in die Dörfer des Landes. Sie erleben einen sich wandelnden und entwickelnden ländlichen Raum.
Udo Folgart, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg: „Hier können alle sehen und erleben, wie Landwirtschaft wirklich ist, wie sie sich anfühlt und was durch unsere Bauern geschaffen wird. Wir Landwirte haben an diesem Wochenende und darüber hinaus die Gelegenheit die Potentiale des ländlichen Raumes und unserer Betriebe in Brandenburg darzustellen. Gerade in Zeiten von ,Bauer sucht Frau’ können wir hier zeigen wie Landwirtschaft wirklich geschieht. Wir bieten dem Besucher Wirklichkeit aus erster Hand.“
Pro agro, der Verband zur Förderung des ländlichen Raumes im Land Brandenburg e.V., hat die Organisation der landesweiten Veranstaltung in seinen Händen. Geschäftsführer Gerd Lehmann: „Die Landpartie ist eine hervorragende Möglichkeit, einen sich wandelnden ländlichen Raum zu erleben. Sie bietet allen Gästen die Möglichkeit, das Besondere ganz individuell zu genießen. Alle teilnehmenden Unternehmen haben besondere Angebote, die zum Teil auch ganzjährig nutzbar sind.“
Die CMA, die Zentrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft unterstützt die Landpartie. Christian Böttcher, CMA-Beauftragter für Brandenburg.: „Die Brandenburger Landpartie ist eine hervorragende Gelegenheit, den Bäuerinnen und Bauern bei ihrer Arbeit einmal über die Schulter zu schauen. Jeden Tag erzeugen sie hochwertige Lebensmittel, und wer diese Arbeit mit eigenen Augen verfolgt hat, kann viel besser ermessen, welche Leistung dahinter steckt. Das ist wichtig, um den Wert unserer Lebensmittel richtig einschätzen zu können, und deshalb unterstützt auch die CMA die Brandenburger Landpartie nach Kräften.“
Start der Kernobstsaison
Im Obstgut, einer der größten Direktvermarkter für Kirschen, eröffnet Woidke anschließend die diesjährige Brandenburger Kernobstsaison.
Landpartie-Eröffnung in der Großstadt
Durch die landesweite Brandenburger Kreisgebietsreform vor einigen Jahren wurde die Fläche der Stadt Potsdam um 60 Prozent vergrößert. Die Ortschaften Golm, Fahrland, Neu Fahrland, Groß Glienicke, Marquardt, Satzkorn und Uetz-Paaren sind seither Orteile der Landeshauptstadt. Mit dieser Eingemeindung befindet sich auch fast die gesamte Fläche Obstguts Marquardt auf Potsdamer Territorium. Der Obstbaubetrieb wurde 1991 neu gegründet. Äpfel, Kirschen und Pflaumen werden hier unter kontrollierten integrierten Produktionsbedingungen erzeugt. Pünktlich zur Landpartie sind die Süßkirschen reif. Wer mag, kann seine Kirschen in den Plantagen rings um die Obstscheune selbst pflücken.
Ein abwechslungsreiches Programm am gesamten Wochenende soll möglichst viele Besucher auf das Gelände des Erlebnishofs locken. Zur Eröffnung sind die Werderaner Blütenkönigin und die Glindower Kirschkönigin dabei. Die Feuerwehr des Orts organisiert spannende Wettkämpfe. Der Potsdamer Fanfarenzug unterhält die Gäste, Schüler und Lehrer der Regenbogenschule Fahrland haben ein Programm vorbereitet. Das Obstgut im Potsdamer Norden soll den Besuchern Lust auf weitere eigene Entdeckungen zur Brandenburger Landpartie machen. Die sind in allen Regionen des Landes möglich.
Landpartiepremiere
35 Betriebe nehmen erstmals an der Landpartie teil. Dazu gehören unter anderem das Alpaka-Hof Schorfheide im Choriner Ortsteil Servest (Barnim) oder der Schwalbenhof Görsdorf in Tauche (Oder-Spree). Zum erstenmal als Gastgeber ist auch die Leipold GbR aus Brüsenhagen in der Prignitz dabei. Landwirtschaftliche Unternehmen aller Größen und Wirtschaftsformen öffnen ihre Tore für Besucher und Interessenten ebenso wie Urlaubsbauern- und Erlebnishöfe, Forstbetriebe, Imkereien, ländliche Kultureinrichtungen, Fischereien und Gartenbaubetriebe.
Harfenklänge und Spinnmeister
Der Hirschhof Hildebrandt ist ein Betrieb mit landwirtschaftlicher Wildtierhaltung und einer kleinen Pension. In der Idylle der Ostprignitz liegt der Hof nahe der heute noch erkennbaren Stadtmauer von Freyenstein am Rande eines Gründlandtals. In einem großzügigen Zucht- und Wirtschaftsgatter inmitten der Feldmark werden Heidschnucken und Dammhirsche gehalten. Im Traktor-Planwagen ist es während einer Rundfahrt möglich, den Tieren sehr nahe zu kommen.
Am Landpartiesonntag um 15 Uhr gibt es auf dem in Freyenstein idyllisch gelegenen Hof Hildebrandt ein ganz besonderes Konzert: Die Berliner Harfenistin Dagmar Flemming lädt zu einer musikalischen Reise mit fünf Harfen durch acht Jahrhunderte ein.
In Blüthen, einem Ortsteil von Karstädt im Landkreis Prignitz, haben sich die Agrargenossenschaft Karstädt, das Prignitzer Dorfmuseum Blüthen und der Prignitzer Landfrauenverein zusammengeschlossen. Auf dem Festplatz des Dorfes bauen Anbieter ihre Produkte zu einem Bauernmarkt auf. Es gibt Führungen durch das Dorf zu einzelnen Höfen. Am Landpartie-Wochenende werden die ersten Brandenburger Spinnmeisterschaften ausgetragen.
Klangerlebnis auf dem Kornspeicher
Das Gut Schmerwitz zählt mit einer Gesamtfläche von rund 1.550 Hektar zählt zu den größten Öko-Betrieben Deutschlands und hat mit seiner günstigen Lage beste Voraussetzungen für die Direktvermarktung im Berliner und Brandenburger Raum. Der Bioland-Betrieb lädt ein zu seinem 5. Hoffest nach Schmerwitz. Sonnabend und Sonntag von 11 bis 18 Uhr können sich Interessierte auf dem gesamten Festgelände des Betriebes über ökologische Landwirtschaft, artgerechte Tierhaltung und Feldbau informieren. Es werden Führungen, Präsentationen und Diskussionen rund um das Thema Landwirtschaft und Leben im ländlichen Raum angeboten. Bei Feldrundfahrten auf dem Traktor, Kremserfahrten mit den Titanen der Rennbahn oder aus der Vogelperspektive bei einem Helikopterrundflug bieten sich hervorragende Möglichkeiten, den großen Ökobetrieb zu erkunden.
Die denkmalgeschützte Hofscheune verwandelt sich am Landpartie-Wochenende in einen bunten Handwerker- und Bauernmarkt mit gutseigenen und weiteren regionalen Spezialitäten. Ponyreiten, Hüpfburg und die Spritztour auf dem Feuerwehrauto werden den jüngsten Besuchern viel Spaß machen.
Eine Reise in Klangerlebniswelten gibt mehrmals am Wochenende auf dem Kornspeicher. In der Gutskirche treten Schüler der Musikschule Belzig auf. Der traditionelle Bauern- und Handwerkermarkt findet in der Fachwerkscheune statt, stündlich werden ab Schmerwitz Feldrundfahrten mit dem Traktor angeboten.
Im Schmerwitzer Hofladen sind die Öko-Produkte des Betriebs erhältlich. Dazu zählen unter anderem frisches Obst, Gemüse, Kartoffeln und Getreide, Mehle, Eier, Säfte, Wurstwaren vom Schwein und Lamm sowie Frischfleisch auf Bestellung.
Minister auf Landpartie
Agrarminister Woidke eröffnet die Landpartie an der Obstscheune in Satzkorn. Tags darauf besucht er ab 11 Uhr die Landwirte-GmbH in Terpe-Proschim und ab 13 Uhr den Milchschafhof Jarick im Kolkwitzer Ortsteil Kackrow (Landkreis Spree-Neiße).
Bildungsminister Rupprecht ist am 14. Juni zu Gast bei den Prignitzer Landpartieanbietern in Brüsenhagen (Leipold GbR) und Bendelin (Dorf- und Heimatverein, Storchenhof, Hof Sommer).
Schulze bei Kreistierschau und in Kerkow
Agrar- und Umweltstaatssekretär Dietmar Schulze eröffnet am Sonnabend (14. Juni) um 9.30 Uhr die 7. uckermärkische Kreistierschau in Passow und kommt um 14 Uhr ins Gut Kerkow zum Hoffest. Das Gut Kerkow in der Uckermark feiert zur Landpartie das 15jährige Bestehen des Unternehmens mit seinem großen Bauernmarkt und Hoffest. Am Sonntag um 14 Uhr wird es in der Speicherstube ein „Fontane-Buffet für Geist und Gaumen“ geben. Die Milchbauernproteste liegen ja erst einige Tage zurück. Auch aus diesem Grunde wird in Kerkow zur Landpartie Milch verschenkt, jeder der entsprechende Gefäße mitbringt, bekommt zwei Liter kostenlos. Außerdem wird die Uckermärkische Ernteprinzessin Julia Löhrs ein Milchbad nehmen. Damit wollen Johannes Niedeggen und seine Mitarbeiter auf die aktuell viel zu niedrigen Preise für Milch und Milchprodukte aufmerksam machen. Auch in anderen Betrieben wird es zu Gesprächen zwischen Erzeugern und Verbrauchern in Sachen Milch kommen.
Heufest
Auf dem Angerhof Bischdorf (Oberspreewald-Lausitz) wird ein großes Heufest zur Landpartie gefeiert. Auf dem Hof stehen schon zwei Heuiglus, Heufiguren können von Kindern und deren Eltern selbst modelliert werden, aber die Gäste können auch den Profis bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Es wird einen Sensenmähwettstreit geben. Gewonnen hat, wer in einer bestimmten Zeit die größte Fläche Gras abgemäht hat. Der „Angerhofexpress“ bringt die Landpartiebesucher zu den Feldern und Weiden in der Umgebung. Unterhaltung, Information und Erlebnis sind im Lübbenauer Ortsteil Bischdorf der Mix für eine erfolgreiche Landpartie mit vielen Besuchern.
Volltreffer: Erbsenzielen und Schubkarrenrennen
Der Spaß gehört zur Landpartie dazu. Im historischen Kremmener Scheunenviertel wird der Gummistiefel-Weitwurfmeister gesucht. Auch Erbsenzielen will gekonnt und kann dort geübt werden. Schließlich haben sich die Kremmener vorgenommen, ihre Gäste die Nadel im Heuhaufen suchen zu lassen. Aber bitte nicht pieken!
Auf dem Gutshof Tiefensee (Barnim) wird es viel Spaß beim Schubkarrenrennen geben. Und auch die Gäste in anderen Betrieben können sich zur Landpartie auf „Spaßsport“ und gute Unterhaltung freuen.
Der Lehnschulzenhof in Viesen (Potsdam-Mittelmark) ist einer von rund zwanzig Pferdebetrieben, die zur Landpartie Besucher empfangen. Der Hof beschäftigt sich mit der Polopferdezucht. Jeder kann aufsitzen, um Polo zu trainieren - auf dem Holzpferd. Polo gespielt werden kann am Sonntag ab 15 Uhr.
Das Reitsportzentrum im mittelmärkischen Uetz bietet seinen kleinen und großen Besuchern einen Streichelzoo mit Schafen Schweinen, Pferden und Meerschweinchen. Pony- und Westernreiten sind auf diesem Hof möglich. Insgesamt sind mehrere Dutzend Pferdehöfe an der Brandenburger Landpartie.
Ein Bett im Kornfeld bereiten die Gastgeber im Landgut Berkenbrück (Teltow-Fläming) vor. Das Haferfeld wird aus diesem Grunde an drei Stellen gemäht. Der große Traktor des Biolandhofs Klinkenmühle fährt vor, seine Besitzer - das Ehepaar Lüttekin - ist mit seinen Ökoprodukten auch in Berkenbrück zu erleben. Das neue Trauzimmer auf dem Landgut kann in Augenschein genommen werden, ebenso wie die Fest- und Schlechtwetterscheune. Und auch Touren auf dem nahe gelegenen Fläming Walk werden angeboten. Als Direktvermarkter präsentiert sich der Ziegen- und Schafehof aus Dabendorf mit einem Angebot von Ziegenkäse über Lammsalami und Schaffellen (Sonntag ab 11 Uhr).
Die Bauernhofpension Gierke im uckermärkischen Drense gibt es viele Tiere zu sehen und zu steicheln. Kälbchen, Katzen und Enten kamen erst kürzlich zur Welt. Pferde, Mutterkühe, Bullen und Schweine Hühner, Tauben, Ziegen und Hunde gehören zum Hof.
Als warming up für das abendliche EM-Spiel Spanien-Schweden kann jeder, der mag seine eigenen Treffsicherheit an einer Torwand auf dem Gierke-Hof ausprobieren.
Im selben Landkreis, nur wenige Kilometer entfernt, können die Gäste auf dem Pferdehof Ruhnau die ersten Touren mit einem Reitnavigator geleitet reiten. Diese moderne Technik ist bisher nur in Brandenburg beim Reiten nutzbar.
Organisation
Die Landpartie ist eine Initiative des Agrar- und Umweltministeriums Brandenburg. Sie wird vom Landesbauernverband und dem Brandenburger Landfrauenverband unterstützt. Die Organisation des gastlichen Landwochenendes liegt bei pro agro, dem Verband zur Förderung des ländlichen Raumes im Land Brandenburg e.V.
Im Internet sind alle Gastgeber unter der Adresse: www.landpartie-brandenburg.de recherchierbar.
Quelle: Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz
Foto 2: Stoppenfeldrennen im Rahmen der Landpartie 2007

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