Jänschwalde Montag, 30 September 2019 von Redaktion / Presseinfo

Zweiter Kraftwerksblock in Jänschwalde vom Netz. Mahnwache vor Kraftwerk

Zweiter Kraftwerksblock in Jänschwalde vom Netz. Mahnwache vor Kraftwerk

Seit heute produziert nun auch der bereits zweite 500-MW-Block im Kraftwerk Jänschwalde keinen Strom mehr für das Netz. Das hat die LEAG mitgeteilt. Nachdem vor einem Jahr Block F in die sogenannte Sicherheitsbereitschaft geführt wurde, folgte heute die Abschaltung von Block E. Begleitet wurde die Netztrennung am späten Nachmittag von einer Mahnwache am Kraftwerkseingang. Hunderte Kohlekumpel und Energiearbeiter hatten 600 Holzkreuze auf den Boden gelegt, die symbolisch für die 600 Arbeitsstellen standen, die durch die Abschaltung der beiden Blöcke in Zukunft nicht mehr besetzt werden. Die Bundesregierung hatte als Maßnahme zum Klimaschutz beschlossen, deutschlandweit insgesamt acht Blöcke in Kohlekraftwerken schrittweise vom Netz zu nehmen und sie jeweils in eine vierjährige Sicherheitsbereitschaft zu versetzen, bevor sie schließlich ganz stillgelegt werden. Für diesen Zeitraum werden die betroffenen Energieunternehmen RWE, LEAG und Mibrag vom Bund finanziell mit Millionenbeträgen entschädigt. Genau dafür hagelte es heute erneut Kritik von der örtlichen Umweltgruppe.

Die LEAG teilte dazu mit:

Gegen 17 Uhr wurde heute Block E des Kraftwerkes Jänschwalde vom Stromnetz getrennt. Damit geht der zweite 500-MW-Kraftwerksblock im Kraftwerk Jänschwalde in die politisch verordnete Sicherheitsbereitschaft, mit der Deutschland insgesamt 12,5 Millionen Tonnen CO2 netto einsparen will. Block F war ein Jahr zuvor vom Stromnetz getrennt worden und befindet sich seit seitdem in der vierjährigen Sicherheitsbereitschaft, an deren Ende er stillgelegt werden muss.

protest holzkreuze

 

 

 

 

 

 

Mahnwache vor Kraftwerk Jänschwalde, Foto: Leag on twitter

„Seit der Netztrennung von Block F sind in der Lausitz keine adäquaten Ersatz-Arbeitsplätze entstanden. Mit der Sicherheitsbereitschaft fallen nicht nur 1000 MW gesicherte Stromerzeugung perspektivisch weg, sondern auch 600 Stellen in unserem Unternehmen. Aber anstatt seitens der Bundespolitik anzuerkennen, dass der Aufbau von Industriearbeitsplätzen Zeit braucht, wird seit Bekanntgabe des Kohlekompromisses im Januar dieses Jahres immer wieder daran gerüttelt und das Ausstiegsdatum 2038 in Frage gestellt“, so der Vorstandsvorsitzende der Lausitz Energie Bergbau AG und Lausitz Energie Kraftwerke AG (LEAG), Dr. Helmar Rendez.

Vier Jahre Sicherheitsbereitschaft

Jeweils vier Jahre dauert die Sicherheitsbereitschaft. Während dieser Zeit muss jeder der beiden Blöcke innerhalb von zehn Tagen nach Aufruf durch den Übertragungsnetzbetreiber anfahrbereit und nach weiteren maximal 24 Stunden mit voller Leistung am Netz sein. Mit Ende der vierjährigen Bereitschaftszeit wird er endgültig stillgelegt. Für Block E endet damit die Sicherheitsbereitschaft mit der Stilllegung im Jahr 2023.

600 Stellen in Zukunft nicht mehr neu besetzt

Unternehmensweit werden durch die Sicherheitsbereitschaft etwa 600 Stellen in den nächsten Jahren nicht mehr neu besetzt. Darüber hinaus werden auch Servicepartner der LEAG betroffen sein. „Heute ist wieder ein schwerer Tag für uns Kraftwerker. Uns fällt es heute genauso schwer wie vor einem Jahr, einen modernen und flexiblen Kraftwerksblock abschalten zu müssen. Ich danke allen Kollegen und Servicepartnern für die jahrelange Arbeit an Block E und sichere zu, dass wir im Falle des Bedarfs, die Blöcke E und F rechtzeitig zur sicheren Energieversorgung in Deutschland anfahren können“, sagte Andreas Thiem, der Leiter des Kraftwerkes Jänschwalde.

Block E seit 1987 am Netz

Block E ging am 14. Juni 1987 erstmals ans Stromnetz. Seit dem 6. Oktober 1987 produzierte er im Dauerbetrieb rund 112.104 Gigawattstunden Strom. Fast 30 Jahre lang deckte er so den Strombedarf von rund einer Million Haushalten. In den 1990er Jahren wurde er mit modernster Umwelttechnik nachgerüstet. Von 1994 bis zum Jahr 2014 wurde schrittweise neueste Turbinentechnik eingebaut, sodass der Wirkungsgrad deutlich gesteigert und damit die CO2-Emissionen gesenkt werden konnten.

Als Erweiterung des Energiewirtschaftsgesetzes wurde die Sicherheitsbereitschaft am 30. Juni 2016 neben der Netzreserve und der Kapazitätsreserve als weiteres Steuerungsinstrument beschlossen. Sie stellt die letzte Option zur Gewährleistung der Netzstabilität dar. Sie gilt in Deutschland ausschließlich für Braunkohlenkraftwerke. Insgesamt sind von ihr 2.700 MW Braunkohlenkraftwerkskapazität betroffen. Diese Leistung entspricht 13 Prozent der gesamten in Deutschland installierten Braunkohlenkraftwerkskapazität, die mit Stilllegung der letzten Blöcke im Oktober 2023 vom Netz gehen wird. 

Umweltgruppe Cottbus e.V. kritisiert Millionen-Entschädigungen durch Bund und Steuerzahler

Die Umweltgruppe teilte mit: Zur heutigen Stilllegung des Blockes E des Kraftwerkes Jänschwalde fordert der Umweltverband GRÜNE LIGA, bei künftige Kraftwerksstillegungen den Betreibern keine Geschenke mehr zu machen. „Der LEAG-Konzern wird für die heutigen Abschaltung fürstlich von der Bundesregierung belohnt. Wir hoffen, dass das Unternehmen die jährlich dreistelligen Millionenbeträge tatsächlich in der Region verwendet. Die Mahnwache der Mitarbeiter darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit der heutigen Abschaltung ein Vorschlag der Gewerkschaft IGBCE umgesetzt wird.“

Mit Blick auf die bevorstehenden Verhandlungen zwischen LEAG und Bundesregierung über den Zeitpunkt der Abschaltung weiterer Blöcke ergänzt Schuster: „Künftige Deals müssen preiswerter und transparenter für Steuerzahler und Stromkunden werden. Während die Region beim Strukturwandel unterstützt werden muss, darf es keine Geschenke an die zwei privaten LEAG-Eigentümer geben.“ Insgesamt fließen 1,61 Milliarden Euro für insgesamt 2,7 Gigawatt Sicherheitsbereitschaft an die Kraftwerksbetreiber, damit etwa 600 Millionen Euro an die LEAG.

red/Presseinfo

Bild: LEAG

 

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