Göritz Mittwoch, 15 August 2018 von Daniel Häfner

Ein Spaziergang über das Festival Wilde Möhre

Ein Spaziergang über das Festival Wilde Möhre

Mehr als 6.000 Menschen feierten zum fünften Mal das Festival „Die Wilde Möhre“ bis zum Montag in Göritz bei Drebkau. Der Schwerpunkt lag auf elektronischer Musik, aber es gab weit mehr zu erleben: Poetry-Slam, internationale Bands, Workshops, und, und, und. Doch wie es mit dem Festival weiter geht ist immer noch unklar. Doch zunächst nehmen wir sie mit auf einen Rundgang.

Mehr als 6.000 Menschen feierten zum fünften Mal das Festival „Die Wilde Möhre“ bis zum Montag in Göritz bei Drebkau. Der Schwerpunkt lag auf elektronischer Musik, aber es gab weit mehr zu erleben: Poetry-Slam, internationale Bands, Workshops, und, und, und. Doch wie es mit dem Festival weiter geht ist immer noch unklar. Doch zunächst machen wir einen kleinen Rundgang über das Festival.

Um 17.00 Uhr öffnete das Festival am Donnerstag, den 9. August, und bis 21 Uhr waren schon 3.000 Gäste angereist. Sie kamen nicht nur aus Berlin oder Dresden, sondern auch aus Stuttgart, Hamburg, Freiburg und auch aus Holland, Frankreich, Spanien – das Festival strahlt also deutlich über die Region hinaus.

Als Leitmotiv für die Dekoration war das Motto „Peter Pan“ vorgegeben – niemand musste aber Wendy oder anderen Figuren der Geschichte begegnen. Die Geschichte diente als Vorlage, um die ästhetischen Welten der verschiedenen Orte auf dem Gelände zusammen zu halten. Doch machen wir uns auf und spazieren einmal über das Gelände.  

Wer das Festival-Gelände betrat und durch ein kleines Waldstück lief, stieß zunächst auf den „Kost-Nix-Laden“ aus Cottbus. Im eigens errichteten Stand wurden nützliche Sachen verschenkt: Pullover, Kleider, Bücher – und der Stand war komplett ausgeräumt, als die Nächte kalt wurden. Lediglich einige wenige Kindersachen schaukelten dort an den Ästen.

Weiter links glitt man im „Puppenräuber“ in eine Unterwasserwelt. Die kleine Tanzarena war gesäumt von einem leichten Abhang. Oben, gen Himmel, war die Wasseroberfläche zu sehen. Am Hang brach sich eine Wasserwelle aus Stoffen. Zentral war das DJ-Pult in Form eines Anglerfisches. Und so, wie der Tiefsee-Anglerfisch mit einer Laterne auf Beutefang geht, luden CD-Player und Plattenspieler zum Verweilen ein und Hunderte gingen den DJs in die Fänge der elektronischen Musik. Unterbrochen wurde das Tanzen hier nur durch Workshops an Freitag und Samstag. Und auch hier hatten Menschen aus der Region die Finger im Spiel: gestaltet wurde der Ort vom Kollektiv des „Stuss am Fluss“-Festivals in Cottbus.

An einer Holzbrücke vorbei und Verkaufsständen aus Holz, der Wissenschaftshütte (mit Vorträgen zu Schwarzen Löchern oder Menschenrechten) sowie den allgegenwärtigen - nicht riechenden -  Komposttoiletten ging es zum „Wildschreck“, der größten Tanzarena des Festivals (auf der die Räuber wohnen). Die runde Tanzarena war gesäumt von Wald und einem hölzernen Wachturm, von dem aus Beamer Lichtprojektionen auf das Haus der DJs schickten.

Weiter ging es durch den Wald zu einer weiteren Tanzarena namens „Kraut und Rüben“, wo ein Holzboot die Gäste erwartete und Spiegelkugeln klarmachten, dass hier ausgelassen getanzt werden sollte.

Ein schmaler Pfad führte über eine eigens installierte Hängebrücke und verwunschene Lichtungen in den Märchenwald. Dort gab es eine Filmvorführung, welche durch ein Fahrrad zum Laufen gebracht wurde, dort hing ein Ehebett als Schaukel und verschiedene Kunstinstallationen warteten darauf, betrachtet zu werden. Wer sitzen wollte, konnte dies beispielsweise unter anderem in einem Wohnmobil – allerdings etwas tiefer als gewohnt, da das Mobil einen Meter in den Boden eingelassen wurde.

Vorbei an weiteren vielen liebevoll installierten Kleinigkeiten öffnete sich der Hauptplatz, der unter anderem von der Galerie Fango aus Cottbus gestaltet war. So warteten ein Wohnzimmer und dutzende Sitzmöglichkeiten darauf, genutzt zu werden und in der Bastelei konnte – was sonst? – tagsüber gebastelt werden... Rechts geht es in den Garten – und klar zur Gartenparty, auch wenn hier nur gesessen werden konnte, doch gefeiert wurde in den 1980er Jahren ja bekanntlich auch im Partykeller und nicht im Garten. Auch ein Grill rauchte mit künstlichem Nebel vor sich hin. Links ging es zum „Immergrün“, einer Lichtung in der morgens ausgelassen in den Sonnenaufgang getanzt werden konnte.

Auf dem Hautplatz gab es eine zünftige Bar in einem ehemaligen Saloon, eine riesige Wippe für mehrere Personen und verschiedene Verkaufsstände. Ein Geheimtipp war der Bio-Grillkäsestand vom Gut Ogrosen nicht nur wegen des Essens. Wer sich dem Stand am Donnerstag näherte, musste diesen für einen weiteren Dancefloor halten. Dutzende Menschen tanzten ausgelassen zu Songs wie „Girls just wanna have fun“ - und so kann der Stand als einer der wenigen „Tanzböden“ der „Wilden Möhre“ gelten, an dem nicht-elektronische Musik gespielt wurde.

Weiter am Produktionsbüro vorbei ging es zu einem weiteren Hauptplatz des Festivals – zur großen Bühne, genannt „Scheune“. Hier spielten verschiedene Bands wie Egotronic. Nachmittags gab es Workshops wie „Freie Liebe und Kommunikation“ oder „Gaia Yoga“.

Einige Meter zurück auf dem Weg steht das einzige Wohnhaus des gesamten Geländes, wo Arnfried (Künstlername: Gelber Wahnfried) lebt, der das Creativ Center Göritz vor rund 25 Jahren mitgründete. Und hier – kurz vor dem Ausgang – schleicht sich auch einige Wehmut ein. Das fünfte Wilde Möhre Festival könnte das letzte gewesen sein. Der derzeitige Bebauungsplan wurde nicht genehmigt und einige errichtete Hütten, Gebäude und Installationen sollen abgerissen werden. Nach einem solchen Abriss wäre die Wilde Möhre aber auch nicht mehr die Wilde Möhre. Über ein anderes Festival wird nachgedacht, Alternativen gesucht und auch mit dem Bauamt soll es weitere Gespräche geben.

Hinter dem Ausgang des Geländes geht das Festival irgendwie weiter. Anwohner verkaufen Bier, Mate und Kaffee. Die Feuerwehr kommt in der größten Hitze vorbei und versprüht kühles Nass. Ein Hof läd zum Verweilen ein. In der Gaststätte „Drehpunkt Göritz“ kann auch ein Eisbein gegessen werden – und das scheint für einige nach dem vegetarischen Essen auf dem Gelände auch notwendig. Nach rechts führt nun der Weg zurück zum Campingplatz. Und von hier starten auch spezielle Busse, die die Feiernden zu den Bahnhöfen der Region bringen. Der Platz war kurzfristig wirklich eine Drehscheibe für Reisende aus ganz Europa. Und die Frage „Wo liegt eigentlich Göritz?“ ist für viele mit einem positiven Gefühl beantwortet worden. Und die meisten Gäste hoffen auf eine sechste Wilde Möhre in der Lausitz.

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