Ein Tischler muss kein Content Creator sein. Genauso wenig wie der Besitzer eines Cafés, eines Heizungsbetriebs oder eines Kajakverleihs. Niemand hat eine Tischlerei gegründet, weil er davon geträumt hat, seine Donnerstagabende damit zu verbringen, herauszufinden, was der Instagram-Algorithmus diese Woche besonders gerne sieht.
Trotzdem hat fast jedes kleine Unternehmen ungefähr 60 Sekunden an Dingen zu zeigen, die sehenswert sind – und eigentlich sollten sie alle ein video erstellen und ihrem Publikum einen Einblick geben.
Dieser Unterschied ist gerade in der Niederlausitz relevant. IHK und Handwerkskammer Cottbus stehen gemeinsam für 46.299 Unternehmen in Südbrandenburg – viele davon kleine und mittlere Betriebe aus Handwerk, Baugewerbe, Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungssektor. Vieles von dem, was diese Unternehmen anbieten, ist physisch, praktisch oder erlebnisorientiert. Jemand stellt etwas her, repariert etwas, kocht etwas, baut etwas oder bringt Menschen irgendwohin.
Auf einer klassischen Unternehmenswebsite findet man Öffnungszeiten und eine Liste der Leistungen. Ein kurzes Video kann eine andere Frage beantworten: Wie ist dieser Ort eigentlich?
Manche Unternehmen versteht man besser, wenn man sie sieht
In der Niederlausitz gibt es dafür viele Beispiele.
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Im Café Lauterbach in Cottbus werden Kuchen und Gebäck noch immer in der eigenen Konditorei hergestellt, und die Geschichte des Betriebs reicht bis ins Jahr 1900 zurück. Die heutigen Inhaber haben vegane Produkte und modernere Getränke ins Angebot aufgenommen, gleichzeitig aber die traditionelle Konditorei und bewährte Rezepte beibehalten. All das lässt sich in einem Absatz erklären. Man könnte aber auch einen Konditor beim Verzieren einer Torte zeigen, das Café, das sich beim Frühstück langsam mit Gästen füllt, und anschließend die fertige Auslage hinter der Theke.
Holz-Fuchs Woidtow-Holzbau in Gahry ist ein Familienunternehmen, das seit 1933 über drei Generationen hinweg besteht. Zum Angebot gehören individuell gefertigte Wintergärten, Massivholztüren, Terrassenüberdachungen und Saunen. Für einen potenziellen Kunden ist es wesentlich aussagekräftiger zu sehen, wie aus einem Stück Holz eine fertige Tür entsteht, als lediglich die Liste „Türen, Wintergärten, Saunen“ zu lesen.
Beim Tourismus gilt dasselbe. Das Bootshaus am Leineweber in Burg bietet Boots- und Kajakverleih, Kahnfahrten, Gastronomie, Veranstaltungen und sogar ein Escape Game auf dem Kajak an. So ein Erlebnis zu erklären, ohne das Wasser zu zeigen, erscheint fast unnötig kompliziert.
Keines dieser Unternehmen braucht eine Mini-Dokumentation. Gute Arbeit findet dort ohnehin jeden Tag statt.

Für das Wesentliche reichen 60 Sekunden
Ein Video über ein kleines Unternehmen braucht keine überraschende Wendung.
Beginnen Sie draußen, damit die Zuschauer wissen, wo sie sich befinden. Zeigen Sie einen Menschen. Zeigen Sie die Arbeit. Zeigen Sie das Ergebnis. Ergänzen Sie ein oder zwei Merkmale, durch die sich das Unternehmen unterscheidet. Zum Schluss kommen Name und nützliche Informationen.
Bei einem Tischler könnten das Holz, Werkstatt, Zuschnitt, Montage und fertiges Produkt sein. In einer Bäckerei: Teig, Ofen, Dekoration, Verkaufstheke, Kunde. Ein Friseursalon kann den Raum, einige Arbeitsschritte und das fertige Ergebnis zeigen. Eine Ferienwohnung wiederum den Eingang, das Zimmer, den Frühstücksbereich und das, was man direkt vor der Haustür sieht.
Es geht nicht darum, das gesamte Unternehmen in eine Minute hineinzupressen. Ziel ist vielmehr, einen Teil der Unsicherheit zu beseitigen, die vor einem ersten Besuch oder einer ersten Anfrage besteht.
Das ist in einer touristisch geprägten Region besonders hilfreich. Der Spreewald verzeichnete 2025 insgesamt 2.095.820 Übernachtungen, und nach Angaben des Tourismusverbands werden Reisen zunehmend online gebucht. Immer mehr Besucher entscheiden bereits vor ihrer Ankunft, in welchem Hotel sie übernachten, wo sie essen und welche Aktivitäten sie buchen möchten. Fotos helfen. Ein Video zeigt zusätzlich Bewegung, Größenverhältnisse, Geräusche und Atmosphäre.
Es gibt außerdem noch ein anderes Publikum: zukünftige Mitarbeiter.
Mehr als die Hälfte der von den regionalen Kammern befragten Tourismusunternehmen in Brandenburg berichtete von Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen. Ein kurzes Video, das einen normalen Arbeitstag zeigt, kann daher gleichzeitig als Recruiting-Material und Stellenwerbung dienen. Für einen Jugendlichen, der sich für eine Ausbildung entscheiden muss, können die Werkstatt und die Menschen, die dort arbeiten, wesentlich mehr aussagen als eine Stellenanzeige, in der lediglich ein „abwechslungsreiches Arbeitsumfeld“ versprochen wird.
Die Videobearbeitung muss nicht zum zweiten Beruf werden
Ein Video erstellen und sechs hilfreiche Clips mit dem Smartphone aufnehmen – das ist der einfache Teil. Bei der Bearbeitung glauben viele Inhaber kleiner Unternehmen, dass es kompliziert wird.
Das muss nicht sein.
Nehmen Sie zunächst etwas mehr Material auf, als Sie vermutlich brauchen werden, aber halten Sie die einzelnen Clips kurz. Zehn Sekunden reichen völlig aus, um jemanden beim Schleifen von Holz zu zeigen. Sofern Ihre Zielgruppe keine ungewöhnlich starke Begeisterung für Schleifarbeiten hegt, brauchen Sie davon keine drei Minuten.
Danach entfernen Sie die unnötigen Sekunden am Anfang und Ende jeder Aufnahme. Ordnen Sie die Clips in einer nachvollziehbaren Reihenfolge an: Ort, Menschen, Arbeitsprozess, Ergebnis. Dafür kann beispielsweise ein browserbasierter Video-Editor wie Clideo verwendet werden. Clips lassen sich auf einer Timeline kürzen und neu anordnen, außerdem können Text, Musik und weitere Elemente in dasselbe Projekt eingefügt werden.
Den Großteil der Erklärung sollten die Bilder übernehmen. Text ergänzt nur die Informationen, die sich nicht direkt zeigen lassen. Fügen Sie den Namen des Unternehmens ein. Erwähnen Sie eine ungewöhnliche Dienstleistung. Geben Sie den Standort an, wenn er relevant ist. Drei Textabsätze über eine Aufnahme von jemandem zu legen, der gerade einen Baumkuchen herstellt, ist dagegen eher nicht nötig.
Untertitel sind sinnvoll, sobald jemand vor der Kamera spricht, denn nicht jeder Zuschauer hat den Ton eingeschaltet. Im Editor von Clideo lässt sich gesprochener Text automatisch in Untertitel umwandeln. Anschließend können Wortlaut und Timing manuell korrigiert werden.
Außerdem sollte die zuerst exportierte Datei nicht als einzige Version betrachtet werden. Sinnvoller ist es, eine bearbeitbare Hauptversion zu behalten. Das vollständige Video kann ungefähr eine Minute lang sein, während für bestimmte Plattformen kürzere Varianten erstellt werden. Google Business Profile unterstützt beispielsweise derzeit nur Videos mit einer Länge von bis zu 30 Sekunden. Die maximale Dateigröße beträgt 75 MB, die Mindestauflösung 720p. Ein zusätzlicher Schnitt von 20 oder 30 Sekunden ist deshalb neben der längeren Version durchaus sinnvoll.
Aufwendige Übergänge braucht es dabei nicht. Wenn jede Aufnahme spektakulär in die nächste hineindreht, erinnern sich Kunden am Ende möglicherweise an die Effekte – aber nicht daran, wer eigentlich ihre Heizung installieren sollte.
Ein einziges Video kann mehr als nur Werbung
Kleine Unternehmen betrachten Video häufig als etwas, das ständig neu produziert werden muss: noch eine Plattform, die gepflegt werden soll, noch eine wöchentliche Aufgabe.
Ein sinnvollerer erster Schritt besteht darin, zunächst eine einzige gute und wiederverwendbare Vorstellung des Unternehmens zu produzieren.
Das Video kann auf die Unternehmenswebsite gestellt werden. Eine kürzere Variante passt zum Google Business Profile. Es lässt sich in sozialen Netzwerken veröffentlichen oder an jemanden schicken, der wissen möchte, wie eine bestimmte Dienstleistung aussieht. Ausschnitte können auch in einer Stellenanzeige verwendet werden. Eine Pension kann ihr Video potenziellen Gästen zeigen; ein Handwerksbetrieb kann sowohl Kunden als auch möglichen Auszubildenden einen Blick hinter die Werkstatttür ermöglichen.
Für Videos gibt es ein großes Publikum, ohne dass Unternehmen jedem neuen Social-Media-Trend hinterherlaufen müssen. Die ARD/ZDF-Medienstudie 2025 ergab, dass YouTube allein von 46 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren mindestens einmal pro Woche genutzt wurde. Daraus folgt nicht, dass jedes lokale Unternehmen eine eigene YouTube-Strategie braucht. Es zeigt lediglich, dass es inzwischen vollkommen normal ist, sich Unternehmen über einen Bildschirm anzusehen.
Das kann in einer Region besonders relevant sein, in der viele etablierte Betriebe vor einem Generationswechsel stehen. Die IHK Cottbus bezeichnet die Unternehmensnachfolge als ein wichtiges strukturelles Thema in Südbrandenburg. Ein Betrieb kann bei Kunden, die seit 30 Jahren in der Umgebung leben, bestens bekannt sein und gleichzeitig für einen Zugezogenen, einen Touristen oder einen 17-Jährigen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz nahezu unsichtbar bleiben.
Ein gutes 60-Sekunden-Video ersetzt keinen Ruf, der über Jahrzehnte aufgebaut wurde – und das sollte es auch gar nicht versuchen.
Es ermöglicht lediglich jemandem, der noch nie durch die Tür gekommen ist, zu sehen, warum dieser gute Ruf möglicherweise existiert.
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Fotos: ThisIsEngineering/Pexels, cottonbro studio/Pexels




