Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf ein Umspannwerk in Turnow-Preilack (Landkreis Spree-Neiße) nahe dem Kraftwerk Jänschwalde hat der Netzbetreiber 50Hertz konkretere Angaben gemacht. Nach bisherigen Erkenntnissen erfolgte die versuchte Sachbeschädigung demnach durch selbstgebaute Flugkörper, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln. Vor Ort seien weitere, noch nicht gestartete Flugkörper in zweistelliger Anzahl gefunden worden. Die allgemeine Stromversorgung sei „zu keiner Zeit beeinträchtigt“ gewesen. Wegen des laufenden Polizeieinsatzes ist die Landesstraße L50 zwischen Preilack und Tauer am Kraftwerk Jänschwalde derzeit vollständig gesperrt. Nach derzeitiger Einschätzung soll die Sperrung voraussichtlich für rund sechs Stunden bestehen bleiben.
Sprengvorrichtungen vor Ort gefunden
Laut 50Hertz kam es zu einer kurzzeitigen Leitungsunterbrechung, inzwischen seien alle Leitungen wieder in Betrieb. „Die allgemeine Stromversorgung ist derzeit nicht beeinträchtigt“, teilte das Unternehmen mit. 50Hertz arbeite eng mit den zuständigen Sicherheitsbehörden zusammen, um die Situation aufzuklären, und bat die Bevölkerung im gesamten Netzgebiet um besondere Aufmerksamkeit: Verdächtige Personen und Vorkommnisse sollten der Polizei gemeldet werden. Über die eigene Website wolle man informieren, falls sich die Sicherheits- oder Versorgungslage ändere.
Die Polizei bestätigte, dass an einer Leitung eine mögliche Sachbeschädigung festgestellt wurde. Entschärfungsspezialisten seien vor Ort gewesen, eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht.
Über den genauen Hergang gibt es darüber hinaus Angaben, die bislang nicht offiziell bestätigt sind. Nach Informationen der dpa wurden an dem Umspannwerk Sprengvorrichtungen gefunden. Die MAZ, die zuerst berichtete, schrieb unter Berufung auf Sicherheits- und Unternehmenskreise, Einsatzkräfte hätten mehrere mutmaßlich selbstgebaute Vorrichtungen für mit Sprengstoff bestückte Flugkörper entdeckt und entschärft; die Anlage sei zudem mehrfach beschossen worden. Mutmaßliches Ziel sei ein großflächiger Stromausfall im Bereich des Kraftwerks Jänschwalde gewesen – dazu kam es nach ersten Erkenntnissen jedoch nicht.
Nach der Darstellung von brandenburg.media soll die Anlage mehrfach getroffen worden sein, weitere vor Ort entdeckte Vorrichtungen seien durch Einsatzkräfte entschärft worden.

L50 gesperrt, Busverkehr eingeschränkt
Wegen des laufenden Polizeieinsatzes am Umspannwerk in Turnow-Preilack ist die Landesstraße L50 zwischen Preilack und Tauer am Kraftwerk Jänschwalde derzeit vollständig gesperrt. Das teilte die Cottbusverkehr GmbH am Montag mit. Für Autofahrer und Fahrgäste im Nahverkehr hat die Sperrung spürbare Folgen. Nach derzeitiger Einschätzung soll die Sperrung voraussichtlich für rund sechs Stunden bestehen bleiben. Cottbusverkehr bittet Verkehrsteilnehmende, den Bereich weiträumig zu umfahren und die örtlichen Verkehrshinweise zu beachten. Ausdrücklich wird darum gebeten, den Einsatzbereich nicht aufzusuchen und bestehende Absperrungen unbedingt zu beachten.
Auch der öffentliche Personennahverkehr ist von der Sperrung betroffen. Die Linien 22, 29 und 42 versuchen, weiterhin möglichst alle Ortschaften anzufahren, und nutzen dafür Umleitungsstrecken – dadurch kommt es allerdings zu erheblichen Verspätungen. Die Linie 877 der Spree-Neiße-Cottbusverkehr GmbH kann die Ortschaft Peitz derzeit nur teilweise bedienen: Preilack wird nicht angefahren, in Tauer erfolgt die Bedienung ausschließlich über die Haltestelle „Tauer Ost“.
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Redmann & Woidke verurteilen mutmaßlichen Anschlag
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann hat den Vorfall am Umspannwerk nahe dem Kraftwerk Jänschwalde als Sabotagehandlung bezeichnet. Nach seinen Angaben kam es heute gegen 7:30 Uhr zu mehreren Versuchen, leitfähiges Material in Bereiche mit Höchstspannung einzubringen und dadurch Kurzschlüsse auszulösen. In zwei Fällen sei dies gelungen, zudem sei eine zweistellige Zahl weiterer Vorrichtungen gefunden worden. Personen kamen nach Angaben Redmanns nicht zu Schaden, der Vorfall werde „sehr, sehr ernst“ genommen. Nach Angaben von 50Hertz-Chef Stefan Kapferer konnte ein Versorgungsausfall verhindert werden, unter anderem weil die betroffene Leitung nach der Abschaltung wieder genutzt werden konnte und die Stromerzeugung aus Sonne und Wind für ein hohes Maß an Versorgungssicherheit sorgte. Im Kraftwerk Jänschwalde kam es laut LEAG-Chef Adi Roesch infolge des Vorfalls zur spontanen Abschaltung eines Blocks. Dieser soll voraussichtlich gegen 18 Uhr wieder ans Netz gehen.
„Glücklicherweise sind bei diesem Vorfall keine Personen zu Schaden gekommen. Das ist in dieser Situation die wichtigste Nachricht. Dennoch nehmen wir die Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur sehr ernst. Die besorgniserregend hohe Frequenz derartiger Vorfälle zeigt, dass wir unsere Infrastrukturen entschlossen schützen müssen. Mein besonderer Dank gilt den Einsatzkräften vor Ort sowie den Beschäftigten von Umspannwerk und Kraftwerk, die durch ihr rasches und besonnenes Handeln Schlimmeres verhindert haben. Die Sicherheitsbehörden arbeiten mit Hochdruck an der Aufklärung, um die Täter mit der vollen Härte des Gesetzes zur Rechenschaft zu ziehen. Wer versucht, unsere kritische Infrastruktur zu sabotieren und das gesellschaftliche Leben zu lähmen, greift uns alle an. Aber wir lassen uns von krimineller Energie weder erpressen noch verunsichern.“, so Ministerpräsdient Dietmar Woidke am Dienstagnachmittag zum mutmaßlichen Anschlagsversuch.
Ein Knotenpunkt auf der obersten Netzebene
Das Umspannwerk Preilack gehört zur 380-Kilovolt-Ebene. Das ist die höchste Spannungsebene im deutschen Wechselstromnetz. Betreiber ist die 50Hertz Transmission GmbH. Die Anlage entstand zwischen 1976 und 1987. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege erfasste sie im Jahr 2023.
Von Preilack führt eine 380-Kilovolt-Freileitung rund 120 Kilometer nach Streumen in Sachsen. Diese Verbindung ging bereits 1987 in Betrieb. Außerdem endet hier die Leitung aus dem Kraftwerk Jänschwalde. Über das Umspannwerk gelangt der dort erzeugte Strom deshalb ins überregionale Netz.
Die Bedeutung des Standorts wächst weiter. Denn bis 2030 soll eine 380-Kilovolt-Verbindung zum Umspannwerk Eisenhüttenstadt entstehen. Damit rückt zudem eine Kopplung mit dem polnischen Stromnetz näher. Die Braunkohleverstromung in Jänschwalde endet dagegen Ende 2028. Die Blöcke E und F sind bereits seit März 2024 stillgelegt.
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