Die im August gestohlenen Stolpersteine für Ellen und Nathan Bernfeld sind wieder an ihrem ursprünglichen Platz in der Pfortenstraße in Spremberg eingesetzt worden. Wie die Stadt mitteilte, fand die erneute Verlegung am gestrigen Donnerstag unter großer Beteiligung jüngerer und älterer Spremberger statt. Unbekannte hatten die beiden Gedenksteine am 22. August aus dem Gehweg gerissen und entwendet, nachdem sie dort ursprünglich am 4. Oktober 2023 durch den Künstler Gunter Demnig verlegt worden waren. Die Stolpersteine erinnern an das Ehepaar Bernfeld, das während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt wurde und nach dem Zweiten Weltkrieg am Wiederaufbau Sprembergs mitwirkte. Mit dem Ersatz der beiden Steine gibt es in Spremberg nun wieder insgesamt 18 Stolpersteine, deren Verlegung maßgeblich auf die Initiative der AG Spurensuche der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Perle der Lausitz zurückgeht.
Gestohlene Stolpersteine in Spremberg ersetzt
Knapp zwei Monate nach dem Diebstahl erinnern in der Pfortenstraße wieder zwei Stolpersteine an Ellen und Nathan Bernfeld. Die erneute Verlegung fand am Donnerstag, 15. Oktober 2026, statt. Nach Angaben der Stadt Spremberg beteiligten sich zahlreiche Menschen unterschiedlicher Generationen an der Veranstaltung. Die beiden jeweils zehn mal zehn Zentimeter großen Steine mit Messingplatten hatten ursprünglich seit dem 4. Oktober 2023 im Gehweg gelegen. Damals verlegte sie der Künstler Gunter Demnig persönlich. Am 22. August 2026 rissen Unbekannte die Gedenksteine aus dem Boden und stahlen sie. Die Stadt entschied daraufhin, die fehlenden Steine zu ersetzen. Für Bürgermeisterin Christine Herntier war die Wiederherstellung der beiden Gedenkorte nach Angaben der Stadt selbstverständlich. Damit befinden sich in Spremberg/Grodk wieder insgesamt 18 Stolpersteine. Die Verlegungen gehen maßgeblich auf die Initiative der AG Spurensuche der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Perle der Lausitz zurück.
Nathan Bernfeld leitete Textilfabriken in Spremberg
Die beiden Gedenksteine erinnern an die Lebensgeschichten von Nathan und Ellen Bernfeld. Nathan Bernfeld wurde am 17. Mai 1872 in Swittawka bei Brünn geboren. Nach einer Lehre in einer Tuchfabrik von Moses Löw-Beer wechselte er in ein weiteres Werk des Unternehmens nach Sagan. Später übernahm er die Leitung der Vereinigten Märkischen Tuchfabriken in Luckenwalde.
1925 kam Bernfeld nach Spremberg. Als tschechoslowakischer Staatsbürger arbeitete er dort als Fabrikdirektor bei den Textilfabriken Schnabl sowie Michelsohn & Ascher. Am 19. März 1932 heiratete er Ellen Hanisch. Mit der nationalsozialistischen Verfolgung verschlechterten sich die Lebensbedingungen des jüdischen Fabrikdirektors zunehmend. Nach der Reichspogromnacht im November 1938 durfte er die Textilfabriken nicht mehr betreten. Später verlor er auch seine tschechoslowakische Staatsangehörigkeit. Als staatenloser Jude musste er in Spremberg unter Aufsicht arbeiten.
Ehepaar Bernfeld erlitt Verfolgung während der NS-Zeit
Im Januar beziehungsweise Februar 1945 nahmen die Nationalsozialisten Nathan Bernfeld fest und verschleppten ihn nach Berlin in das Sammellager in der Schulstraße 78. Dort befand sich eines der Berliner Sammellager für jüdische Menschen vor ihrer Deportation in die Vernichtungslager. Zu einer Deportation Bernfelds kam es nicht mehr. Nach seiner Rückkehr nach Spremberg lebte er am Friedrich-Engels-Platz 5. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beteiligte er sich maßgeblich am Aufbau des Textilwerkes Spremberg, dessen Leitung er übernahm. Nathan Bernfeld starb am 19. Januar 1950. Seine Ehefrau Ellen wurde am 16. Januar 1898 in Luckenwalde geboren. Vor ihrer Heirat arbeitete sie im elterlichen Geschäft. Auch sie war während der NS-Zeit Repressalien ausgesetzt, weil sie als nach damaliger nationalsozialistischer Einordnung sogenannte „Arierin“ mit einem jüdischen Mann verheiratet war.
Trotz des Drucks und der damit verbundenen Nachteile ließ sie sich nicht von ihrem Mann scheiden. Das Ehepaar zog während der Verfolgungszeit in eine Wohnung des Tuchmachers Heinze in der Pfortenstraße. An diesen früheren Wohnort erinnern heute die beiden Stolpersteine. Nach der Verschleppung ihres Mannes Anfang 1945 verpflichteten die Nationalsozialisten Ellen Bernfeld zur Zwangsarbeit. Sie überlebte den Krieg und blieb anschließend in Spremberg, wo sie am 13. Februar 1955 starb.
18 Stolpersteine erinnern in Spremberg an NS-Opfer
Mit der Wiederverlegung in der Pfortenstraße ist die Zahl der Stolpersteine in Spremberg wieder vollständig. Die insgesamt 18 Gedenksteine erinnern an Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt wurden. Eine wichtige Rolle bei der bisherigen Verlegung spielte die AG Spurensuche. Sie beschäftigt sich mit den Lebensgeschichten der Betroffenen und setzt sich dafür ein, dass die Erinnerung an sie im Stadtbild erhalten bleibt.
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Bild: Sebastian Kron/Stadtverwaltung Spremberg

















