Die Wirtschaftsleistung der Lausitz wächst stärker als im Bundesschnitt. Das liegt laut der Begleitforschung Strukturwandel an der BTU Cottbus-Senftenberg vor allem an zwei Sondereffekten. Als größte Schwachstelle nennt das Projekt den Fachkräftemangel. Ein neuer Policy Brief befasst sich mit Cottbus und den übrigen Lausitzer Kommunen.
Sondereffekte am BER und bei der LEAG treiben das Wachstum
NIEDERLAUSITZ aktuell hatte gefragt, warum die Wirtschaftsleistung der Lausitz laut dem fünften Policy Brief des Projekts BeForSt stärker wächst als im Bundesschnitt. Die Fragen gingen an Prof. Stefan Zundel, den früheren Projektleiter an der BTU. Die schriftlichen Antworten übermittelte die Pressestelle der BTU Cottbus-Senftenberg.
„Die Entwicklung der Lausitz gegenüber dem deutschen Durchschnitt liegt vor allem an zwei Sondereffekten“, heißt es darin. Gemeint ist zum einen die überdurchschnittlich gute wirtschaftliche Entwicklung im Umfeld des Flughafens BER im Landkreis Dahme-Spreewald. Zum anderen nennt die BTU Zusatzgewinne nach dem Anstieg der Energiepreise infolge des Krieges in der Ukraine. Davon habe insbesondere die LEAG mit ihren Braunkohlekraftwerken profitiert. „Die gute Nachricht ist, dass auch ohne diese Effekte die Lausitz entgegen dem Trend in peripheren ostdeutschen Regionen wirtschaftlich zulegt.“
Der Policy Brief V vom Dezember 2025 beschreibt die Wirtschaftsleistung der Lausitz für den brandenburgischen Teil mit Cottbus und den Landkreisen Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße. Danach ist das Bruttoinlandsprodukt dort, ähnlich wie in Brandenburg insgesamt, im Verhältnis zu Deutschland überproportional gestiegen. Für Spree-Neiße vermuten die Autoren, dass hohe Großhandelspreise für Strom die Erlöse der LEAG deutlich gesteigert haben dürften. In allen Kreisen und in Cottbus ist die Entwicklung positiv. Trotz einer beträchtlichen Lücke zum deutschen Durchschnitt sei keine Gebietskörperschaft abgehängt.
Auf die Wirtschaftsleistung der Lausitz insgesamt können die bereits ausgezahlten Strukturhilfen laut Policy Brief bisher nur gering wirken. Für Brandenburg stehen aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen bis 2038 rund 10,32 Milliarden Euro bereit. Von den rund 3,6 Milliarden Euro, über die das Land selbst entscheidet, waren bis Oktober 2025 rund 3,15 Milliarden Euro gebunden und 158 Millionen Euro abgeflossen. Ausnahmen sehen die Autoren etwa bei den Investitionen und den Ausgaben der Unternehmen für Forschung und Entwicklung.
Fachkräftemangel bleibt die größte Schwachstelle der Lausitz
„Die größte Schwachstelle ist der Fachkräftemangel“, schreibt die BTU. Wegen der negativen demografischen Entwicklung in den meisten Lausitzer Kommunen verschärfe sich die Konkurrenz um Fachkräfte zwischen neu angesiedelten Firmen, Behörden und Wissenschaftseinrichtungen und den Arbeitgebern, die schon vor Ort sind. „Ohne Zuwanderung aus dem Ausland ist dieses Problem vermutlich nicht zu bewältigen.“
Der Policy Brief zählt mit Stand Oktober 2025 rund 5.780 angekündigte und 1.950 bereits geschaffene Arbeitsplätze. Der Lausitz fehlten weniger die Arbeitsplätze als die Menschen, die sie besetzen könnten, heißt es dort. Schwächen sehen die Autoren vor allem bei hochqualifizierten Arbeitskräften und Fachleuten aus dem MINT-Bereich.
Neuer Policy Brief zu Cottbus und den Lausitzer Kommunen
Derzeit entsteht ein sechster Policy Brief zum Verhältnis zwischen dem Zentrum Cottbus und den übrigen Kommunen der Lausitz. „Cottbus ist mit Abstand der größte Nettoempfänger der Hilfen zur Kompensation des Ausstiegs aus der Braunkohleverstromung“, schreibt die BTU. Untersucht werde, ob und wie die kommunalen Akteure diese Konzentration der Fördermittel sehen und ob es Handlungsbedarf für einen regionalen Ausgleich innerhalb der Lausitz gibt.
AusbildungAusbildung Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (m/w/d)Zierenberg Haustechnik GmbH · Massen-NiederlausitzZur Stelle →Alle 275 Stellen in Südbrandenburg →Dafür hat das Team laut der Projektseite im Juli 2026 Fokusgruppengespräche mit Kommunalvertretern an der BTU geführt. Der Policy Brief soll Ende des Jahres an die Staatskanzlei gehen. Schon im fünften Policy Brief taucht Cottbus mehrfach auf. Die Investitionen im verarbeitenden Gewerbe der Stadt sind danach vom Ausbau des Instandhaltungswerks der Deutschen Bahn geprägt. Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter steigt in Cottbus seit 2022 wieder leicht.
Zweite Projektphase mit dem IWH Halle läuft bis 2029
Das Projekt BeForSt ist in seine zweite Phase gestartet. Seit Februar 2026 ist das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) Hauptauftragnehmer, Projektleiter dort ist PD Dr. Mirko Titze. An der BTU leitet Prof. Dr. Ludger Gailing vom Fachgebiet Regionalplanung den Projektteil. Zum Team gehören außerdem Prof. Dr. Lutz Schneider von der Hochschule Coburg und der emeritierte Professor Stefan Zundel in beratender Funktion. Auftraggeber sind das Büro des Lausitz-Beauftragten und die Staatskanzlei des Landes Brandenburg, die Laufzeit reicht bis Oktober 2029.
Die Begleitforschung soll mit Indikatoren prüfen, wie Strukturwandelmaßnahmen wirken, damit die Politik nachsteuern kann. Seit 2021 hat das Projekt fünf Policy Briefs veröffentlicht. An der BTU arbeitet seit November 2025 außerdem das Zentrum für Strukturwandel und Regionalentwicklung an Fragen des Wandels in der Lausitz.
Newsletter
Die Lausitz am Abend – in zwei Minuten
Jeden Abend das Wichtigste aus der Region – und donnerstags die Veranstaltungstipps fürs Wochenende. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.
Red. / Presseinformation
















