Cottbus. Der Cottbuser Ostsee hat über den Sommer sichtbar Wasser verloren. An der Pegellatte am Einlaufbauwerk stand der Wasserstand Ende August bei rund 62,3 Metern über Normalhöhennull – Anfang April waren es nach Angaben der LEAG noch 62,6 Meter. Bei einer Wasserfläche von 18,7 Millionen Quadratmetern entspricht das rechnerisch mehr als fünf Millionen Kubikmetern.
Der Wert liegt im genehmigten Bereich
Gemessen und öffentlich gemacht hat den Rückgang die Bundestagsabgeordnete Andrea Lübcke (Bündnis 90/Die Grünen) nach einer Begehung mit der Umweltgruppe Cottbus der Grünen Liga.
Einzuordnen ist der Wert allerdings mit dem, was auf der Informationstafel der LEAG am See steht: Das Flutungsziel lautet nicht schlicht 62,5 Meter, sondern 62,5 Meter plus oder minus einen halben Meter. Mit 62,3 Metern liegt der See damit innerhalb dieses Bandes – am unteren Rand des oberen Drittels.
Dass der See im Sommer sinkt und im Winter aufgefüllt wird, ist ebenfalls eingeplant. Den Zielwasserstand erreichte er erstmals am 23. Dezember 2024. Zwischen dem 10. November 2025 und dem 18. März 2026 lief eine zweite Stützungsflutung, bei der 9,5 Millionen Kubikmeter zugeführt wurden. Insgesamt sind seit dem Flutungsbeginn im April 2019 rund 182,7 Millionen Kubikmeter Spreewasser in den See geleitet worden.

Verdunstung und Versickerung
Worauf Lübcke hinweist, bleibt davon unberührt: Ein großer, flacher See verliert im Sommer erhebliche Mengen Wasser. „Große und vergleichsweise flache Seen verlieren insbesondere in heißen Sommern erhebliche Mengen Wasser durch Verdunstung. Hinzu kommt die Versickerung in den Untergrund“, sagt sie. Für sie folgt daraus eine Konsequenz für künftige Planungen: Der Tagebaufolgesee Welzow-Süd, für den es 2022 Überlegungen mit einer noch größeren Wasserfläche gab, dürfe so nicht genehmigt werden. „Die Größe eines Tagebaufolgesees muss sich daran orientieren, wie viel Wasser langfristig überhaupt zur Verfügung steht.“
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Die offene Frage heißt Speicher
Dahinter steht ein Vorhaben, über das seit Jahren gesprochen wird. Mit dem Ende des Braunkohlebergbaus fließt deutlich weniger Grubenwasser in die Spree. Der Cottbuser Ostsee soll das abfedern: In wasserreichen Wintermonaten könnte Spreewasser eingeleitet werden, bis zu fünf Kubikmeter je Sekunde, in trockenen Sommermonaten mit geringerer Rate von bis zu zwei Kubikmetern je Sekunde wieder abgegeben werden.
Ob das dauerhaft trägt, ist aus Lübckes Sicht nicht geklärt. „Die Idee klingt zunächst plausibel: Im Winter Wasser speichern und es im Sommer wieder abgeben. Der aktuelle Wasserrückgang zeigt aber, dass wir genau wissen müssen, wie groß die Verluste durch Verdunstung tatsächlich sind.“
Zeitdruck entsteht durch ein Bauwerk. Für 2027 ist nach Angaben der LEAG der Bau des Auslaufbauwerks über den Ableiter Schwarzer Graben vorgesehen. „Soll der See als Speicher dienen, muss auch das Auslaufbauwerk darauf ausgelegt sein“, sagt Lübcke. „Andernfalls drohen später teure Umbauten.“ Die Einrichtung eines Speichers wäre Sache des Landes Brandenburg und mit dauerhaften Kosten verbunden. Eine Entscheidung darüber gibt es bislang nicht.

Am Donnerstag tagt der Braunkohlenausschuss
Bei der nächsten Sitzung des Braunkohlenausschusses am 10. September will sich die LEAG zu den weiteren Planungen äußern. Lübcke erwartet, dass dabei die Speicherfunktion, die Wasserverluste und die Folgen für das Auslaufbauwerk konkret behandelt werden.
Einen laufend aktualisierten Pegelstand veröffentlicht bislang niemand: Auf der Seite cottbuser-ostsee.de von Stadt und Entwicklungsgesellschaft stammt der jüngste Eintrag zum Wasserstand aus dem Januar 2025, die LEAG hält die Angaben auf der Tafel am See fest.
->> Wasserwirtschaft in der Lausitz wird zur Generationenaufgabe

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Red. / Presseinformation
Fotos: Mike Kess





