Die Bauern im Spreewald holen in diesen Tagen den Meerrettich aus dem Boden. Vier Betriebe haben die scharfe Wurzel in diesem Jahr auf rund zehn Hektar angebaut, genauso viel wie in den Vorjahren. Erwartet wird eine Ernte von etwa 100 Tonnen. Die Trockenheit hat den Pflanzen zugesetzt, erntereif sind sie trotzdem. Beim Pressegespräch des Spreewaldvereins am Donnerstag auf einem Feld im Lübbenauer Ortsteil Ragow warnten die Anbauer aber vor den Folgen für die Zukunft.
Ein Familienbetrieb bewirtschaftet die Hälfte der Fläche
Wer in Ragow Richtung Sportplatz unterwegs ist, kommt an dem Feld vorbei: Die länglich-ovalen Blätter stehen etwa kniehoch und beginnen zu welken, ein Zeichen, dass die Wurzeln darunter fertig sind. Bewirtschaftet wird die Fläche vom Gemüsebaubetrieb „Spreewald“ von Marcel Mich aus Klein Radden. Mit rund fünf Hektar entfällt etwa die Hälfte des gesamten Spreewälder Meerrettichanbaus auf diesen einen Betrieb.
Gesteckt wurde im April. Dafür werden dünne Wurzelstücke, im Spreewald „Schwiegatze“ genannt, schräg in die Erde gesetzt. Über den Sommer wachsen daraus die dicken Stangen, die jetzt geerntet werden. Für die Familie Mich hat der Meerrettich lange Tradition, schon der Großvater baute ihn an. 1992 nahm der Betrieb den Anbau wieder auf und wurde mit zeitweise 15 Hektar zum größten Meerrettich-Erzeuger im Spreewald.

„Ungünstig für die Entwicklung“: Trockenheit macht Sorgen
Seniorchef Reinhard Mich nannte die anhaltende Trockenheit in diesem Jahr ungünstig für die Entwicklung des Meerrettichs. Er sieht darin auch ein grundsätzliches Problem: Wenn Regen fehlt und die Böden bis in tiefe Schichten austrocknen, wird es schwieriger, Gemüse wie Spargel und Meerrettich anzubauen.
Neben dem Betrieb der Familie Mich ernten drei weitere Höfe Spreewälder Meerrettich: der Gemüsebetrieb Dirk Richter aus Klein Klessow, der Gurkenhof Frehn aus Steinreich und die Agrargenossenschaft Unterspreewald aus Dürrenhofe. Die Genossenschaft hat mit 0,15 Hektar die kleinste Fläche und lässt aus ihrer Ernte eigene Gläser abfüllen. Für alle Betriebe gilt: Der Anbau bedeutet viel Handarbeit.
Zehn Sorten im Glas, geschützt seit 1999
Nach der Ernte werden die Wurzeln geputzt, sortiert und an zwei Verarbeiter im Spreewald geliefert: die RABE Spreewälder Konserven GmbH in Boblitz und die Meerrettichreiberei Koal in Lehde. Rabe-Geschäftsführer Markus Belaschk erklärte, worauf es bei der Qualität ankommt. Als begehrte A-Ware gilt eine Wurzel, wenn ihr oberes Drittel mehr als 25 Millimeter dick ist. Je dicker die Wurzel, desto besser und schärfer ist sie.
Beide Verarbeiter haben jeweils zehn Sorten im Angebot, von pur und mit Sahne über Apfel und Preiselbeere bis zur besonders scharfen Variante mit Ingwer. In der regionalen Küche gehört Meerrettich zu Rindfleisch und Fisch und in die Spreewälder Gurkensülze. Er enthält unter anderem Senföle und Vitamin C und wurde traditionell auch als Heilpflanze genutzt.
Seit 1999 ist der Spreewälder Meerrettich als geschützte geographische Angabe (g.g.A.) anerkannt und trägt das blau-gelbe EU-Siegel. Diesen Schutz haben in der Region auch Spreewälder Gurken, Spreewälder Gurkensülze, Peitzer Karpfen und Beelitzer Spargel. Die Schutzgemeinschaft wird vom Spreewaldverein getragen, der außerdem die Dachmarke „Spreewald“ als freiwilliges Herkunftszeichen vergibt.
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