Er kam, man sah ihn, aber man hörte fast nichts. Während der Testfahrt durch die Stadt erlebte man das ein oder andere ungläubige Gesicht am Straßenrand. Ein fast 11 Meter langer Bus und fast keine Motorengeräusche. Heute wurde der Elektrobus der Firma Sileo für eine Woche an Cottbusverkehr übergeben und vorgestellt. Fahrgäste können ihn unter der Woche auf der Linie 19 von Neu-Schmellwitz über die Innenstadt nach Schlichow und am Wochenende auf der Pückler-Linie 10 vom Hauptbahnhof bis zum Branitzer Park testen. Gerade für Innenstädte sind geräuscharmeund emissionsfreie Fortbewegungsmittel ein wichtiger Punkt der Lebensqualität.
Im Inneren erinnern zwei Informationsbildschirme an das neue Antriebskonzept. Darauf können Fahrgäste ablesen wie schnell der Bus fährt, wieviel Energie er gerade verbraucht oder zurückgewinnt und über welche Restreichweite die im Dach verbauten Akkus verfügen. Hersteller Sileo gibt sie für den 240kw starken Elektromotor mit mindestens 200km an, Tests bei anderen Verkehrsbetrieben haben Reichweiten bis zu 350km ergeben. Die Reichweite ist auch der kritische Punkt, den Cottbusvekehr im Realbetrieb überprüfen will. Eine typische Cottbuser Linienbustagesstrecke liegt zwischen 200 und 350km, die der Linie 19 bei 210km.
Umgewöhnen müssen sich die Fahrer von Cottbusvekehr vor allem beim Anfahren. Einmal an die direkte Kraftübertragung gewöhnt gleitet er geräuschlos aus dem Stand und beschleunigt kraftvoll über den Motor an der Hinterachse. Bei der Testfahrt ruckelt es noch manchmal, eben wie bei den ersten Fahrstunden während der Anfahrübunugen in der Fahrschule. „Vorausschauendes Fahren wird noch wichtiger“ sagt Gerhad Schlag, Vertreter der Firma Sileo, „umso höher ist die Reichweite und die Energierückgewinnung.“
„Ich freue mich, dass wir in Cottbus diese moderne Technologie im regulären Linienbuseinsatz testen können“, sagt Cottbusverkehr Geschäftsführer Ralf Thalmann. „Dies zeigt, dass wir bewusst in die Zukunft blicken und einen Beitrag zum nachhaltigen Schutz der Umwelt leisten wollen“, ergänzt er. Die Testphase wird wissenschaftlich durch den Lehrstuhl für Energieverteilung und Hochspannungstechnik (EVH) der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) begleitet.Neben den Geräuschen ist die Emissionsfreiheit ein wichtiger Grund für den Test. Für den Testbetrieb wird wie bisher der Strom der Stadtwerke Cottbus bezogen, „wenn wir uns für den Kauf von Elektrobussen entscheiden, wollen wir den Strom auch ausschließlich aus erneuerbaren Energien beziehen und nicht nur eine Verlagerung der Emissionen herbeiführen.“ blickt Ralf Thalmann in die Zukunft.
Pressesprecherin Christin Heldt kündigt auch eine Kundenbefragung an. „An Haltepunkten und im Bus liegen Flyer, die die Fahrgäste beantworten können. Wir werden auch Anwohner zu ihren Erfahrungen befragen um ein Gesamtbild neben den technischen Aspekten zu bekommen.“ Auch Befürchtungen, der Elektrobus könnte die Straßenbahn ersetzen, erteilte Cottbusverkehr eine klare Absage. „Wir sehen es eher als optimale Ergänzung, da wir den Strom schon auf der Strecke haben und so auch weitere Ladepunkte einrichten könnten.“ so Thalmann.
Im August und Ende des Jahres sollen zwei weitere Fahrzeuge anderer Hersteller getestet werden, um Mitte nächsten Jahres eine Kaufentscheidung treffen zu können. Geplant sind anfänglich bis zu drei Fahrzeuge. Abhängig ist diese Entscheidung aber auch von einer Förderrichtlinie des Landes Brandenburg. „Derzeit werden die Anschaffungen von Straßenbahnen und Bussen im Land nicht gefördert, das Land bereitet eine Richtlinie vor, die wir mit unsereren Erfahrungen mit gestalten wollen.“ so Thalmann. Der Preis für einen Sileo-Elektrobus liegt bei 400.000 Euro, etwa doppelt so viel wie ein herkömmliches Dieselmodell. „Die Amortisationszeit für den Bus liegt bei errechneten 10 – 12 Jahren“ so Gerhard Schlag, „ob das richtig ist, müssen langfristige Einsätze zeigen.“ Gespart wird bei den Wartungen und Wechseln von Schmierstoffen sowie beim „Tanken“. Den Beweis könnte der Bus vielleicht bald antreten. Die Bonner Verkehrsbetriebe, die den Bus ausführlicher getestet haben, planen die Anschaffung einiger Exemplare.
„Steigen Sie ein und erleben Sie die Kombination aus umweltfreundlicher Antriebstechnologie und modernem Fahrkomfort.“ ist Thalmanns Tipp, um ungläubige Blicke zu vermeiden.
Im Video ein kurzer „Soundtest“.





















