Kameras, die mit künstlicher Intelligenz Materialien erkennen, Ultraschallsensoren für Roboter und ein Spektrometer, das den Reifegrad von Obst misst: Daran arbeitet das Fraunhofer IPMS in Cottbus. Auf dem Forschungscampus im Lausitz Science Park soll der Institutsteil von rund 20 auf 60 Arbeitsplätze wachsen.
Hyperspektralkamera und Obst-Spektrometer aus Cottbus
Das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS) forscht an seinem Cottbuser Institutsteil Integrated Silicon Systems an intelligenter Sensorik, Mikroelektronik und KI-basierten Systemen. „Dabei ist uns wichtig, Forschung nicht nur im Labor zu betreiben, sondern von Anfang an konkrete Anwendungen mitzudenken“, schreibt das Institut auf Anfrage von NIEDERLAUSITZ aktuell. Gemeinsam mit Unternehmen entstünden Lösungen bis hin zu anwendungsnahen Demonstratoren.
Im Projekt OASYS entwickelt das Fraunhofer IPMS eine kompakte Hyperspektralkamera, die mithilfe von KI Material- und Qualitätsanalysen in Echtzeit ermöglichen soll, etwa um Textilsorten zu bestimmen. Außerdem geht es um eine bessere Bildgebung in der medizinischen Diagnostik. Beim Projekt ULTRABOT arbeiten die Forscher an Ultraschallsensoren, mit denen Mensch und Roboter sicher zusammenarbeiten können. Im Projekt AI-DISCO entsteht unter anderem ein mobiles Spektrometer mit KI, das den Reifegrad von Obst direkt vor Ort bestimmen soll.
Ausgründung aus Cottbus gehört heute zu Bosch Sensortec
Dass Forschung aus Cottbus den Weg in die Wirtschaft findet, zeigt nach Angaben des Instituts die Firma Arioso Systems. Die Technik für winzige Lautsprecher auf Basis sogenannter MEMS, mikroelektromechanischer Systeme, wurde in Cottbus entwickelt. Daraus entstand die Ausgründung Arioso Systems GmbH, die später von Bosch Sensortec übernommen wurde.
Rund 50 Partnerfirmen aus der Lausitz und Brandenburg
Insgesamt arbeitet das Fraunhofer IPMS nach eigenen Angaben mit rund 50 Firmen aus der Lausitz und Brandenburg zusammen. Am Projekt AI-DISCO sind etwa Perinet und ENERTRAG beteiligt, dort geht es um KI und Sensorik in Industrie, Energie, Landwirtschaft und Medizin. Im Umwelt- und Wasserstoffbereich gehören unter anderem die LKT Lausitzer Klärtechnik GmbH, UP Umweltanalytische Produkte, PRIGNITZ Mikrosystemtechnik, Actemium BEA und die GST Gesellschaft für System- und Tankanlagentechnik zu den Partnern. Im Projekt AIS EdgeNode entsteht zum Beispiel ein Ultraschall-Gassensor, der Böden und Gewässer überwachen und für Sicherheit in der wachsenden Wasserstoffwirtschaft der Lausitz sorgen soll.
IKTS-Gruppe prüft Materialien mit künstlicher Intelligenz
Mit im künftigen Fraunhofer-Haus sitzt die Projektgruppe Kognitive Materialdiagnostik des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme (IKTS). Sie wurde von Prof. Dr. Constanze Tschöpe aufgebaut und ist seit 2019 an der BTU Cottbus-Senftenberg angesiedelt. Die Gruppe entwickelt Verfahren der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens, gemeinsam mit Unternehmen der Region, Lehrstühlen der BTU, Universitäten und Kliniken. Die Anwendungen reichen von der Qualitätsprüfung gefertigter Bauteile und der vorausschauenden Wartung von Anlagen über die Verarbeitung gesprochener und geschriebener Sprache bis zur Analyse biologischer und medizinischer Daten.
Fraunhofer IPMS will bis zum Neubau auf 60 Stellen wachsen
Derzeit arbeiten am Cottbuser Institutsteil rund 20 Menschen, dazu kommen etwa 15 Studierende. Im Endausbau plant das Fraunhofer IPMS mit 60 Arbeitsplätzen. Bis zum Umzug in den Neubau nutzt es Labore und Büros an der BTU, wo Institutsleiter Prof. Dr. Harald Schenk die Professur für Mikro- und Nanosysteme hat, sowie Büros in der Cottbuser Innenstadt. Beim Spatenstich für den Forschungscampus Anfang Oktober hatte Schenk einen Einzug 2029 oder 2030 genannt.
Gesucht werden neben Fachleuten aus Elektrotechnik, Physik und Technologieentwicklung auch technische und kaufmännische Kräfte. Das Institut bildet an seinen Standorten unter anderem Elektroniker, Mechatroniker, Mikrotechnologen, Fachinformatiker und Kaufleute für Büromanagement aus, in Cottbus derzeit in einer Ausbildung und einem dualen Studium. Aktuell laufen Gespräche zu einer Doktorandenstelle. Offene Stellen erscheinen im Karriereportal der Fraunhofer-Gesellschaft. Die Beschäftigten kommen laut Institut aus der Lausitz, aus Brandenburg, aus anderen Teilen Deutschlands und aus dem Ausland.
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