Die Telefonseelsorge in Cottbus sucht Menschen, die zuhören wollen. Ein neuer Ausbildungskurs für Ehrenamtliche beginnt im Januar 2027. Bei der Caritas in Cottbus liest am 14. Oktober ein Notfallseelsorger aus seinem Buch über Erlebnisse am Telefon.
Zuhören, aushalten und den Blick auf Ressourcen lenken
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar, anonym und kostenfrei. „In vielen Gesprächen geht es um Einsamkeit, psychische Erkrankungen, hier vor allem Depressionen, aber auch Ängste und familiäre Themen und Beziehungen spielen eine Rolle“, sagt Sabine Marx aus der Gesamtleitung der Kirchlichen Telefonseelsorge Berlin-Brandenburg. Am Telefon sitzen Ehrenamtliche. „Die ehrenamtlichen Telefonseelsorger:innen hören aktiv zu, halten Hoffnungslosigkeit aus, anerkennen, wenn es gerade schwer ist, würdigen Lebenswege und -leistungen und legen den Blick frei auf Ressourcen, der Menschen mitten in einer Krise oft verstellt ist.“ Marx zitiert dazu Hermann Hesse: „Es wird immer alles gleich ein wenig anders, wenn man es ausspricht.“
Über 53.000 Anrufe im Jahr in Berlin und Brandenburg
Wie groß der Bedarf ist, zeigt der Jahresbericht 2025 der Telefonseelsorge in Berlin und Brandenburg mit den Dienststellen in Berlin, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam. Danach gingen 53.369 Anrufe ein, daraus entstanden 48.902 Seelsorgegespräche. Am häufigsten ging es um Einsamkeit und familiäre Beziehungen mit je 22 Prozent, gefolgt von depressiver Stimmung und von Stress und Erschöpfung mit je 21 Prozent. Gut die Hälfte der Anrufenden lebt allein, ein Viertel ist älter als 60 Jahre. Rund 330 Ehrenamtliche leisteten zusammen fast 35.000 Stunden. Eigene Zahlen für Cottbus nennt der Bericht nicht.
Am Samstag feierte die Dienststelle in Frankfurt (Oder) ihr 30-jähriges Bestehen. Sozialminister René Wilke nannte die Telefonseelsorge dabei laut Ministerium einen bedeutenden Eckpfeiler der persönlichen Krisenbewältigung im Land. Weil psychische und psychosoziale Belastungen bei den Anrufenden zunehmen, würden auch die Gespräche anspruchsvoller, teilt das Ministerium mit. Das Land fördert die Telefonseelsorge in Frankfurt (Oder) mit knapp 61.000 Euro im Jahr, den Standort in Potsdam mit 44.100 Euro. Eine Summe für Cottbus nennt die Mitteilung nicht.
Ausbildung für neue Ehrenamtliche ab Januar 2027
Damit die Telefonseelsorge auch künftig rund um die Uhr erreichbar bleibt, sucht die Dienststelle Cottbus neue Ehrenamtliche. Der nächste Ausbildungskurs läuft vom 5. Januar bis zum 5. Dezember 2027. Er umfasst sieben Ausbildungswochenenden, zehn Ausbildungsabende und Hospitationen. Wer Interesse hat, meldet sich bei der Dienststelle Cottbus per E-Mail an [email protected] oder telefonisch unter 0178 2576191. Zur Woche der seelischen Gesundheit hat die Telefonseelsorge in diesem Jahr keine eigenen Veranstaltungen, im kommenden Jahr will sie wieder dabei sein.
Lesung mit Notfallseelsorger Hellmuth Henneberg
Wie es ist, am Telefon und im Notfall für andere da zu sein, erzählt Hellmuth Henneberg. Er liest am Mittwoch, 14. Oktober, von 17 bis 18 Uhr beim Caritasverband der Diözese Görlitz in der Adolph-Kolping-Straße in Cottbus aus seinem Buch „Und dann ist einfach JEMAND da“ mit berührenden Erlebnissen als Telefon- und Notfallseelsorger. Die Lesung gehört zum Programm der Caritas zur Woche der seelischen Gesundheit, weitere Angebote stehen in unserer Terminübersicht.
Erreichbar ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 und 116 123. Kinder und Jugendliche finden bei der Nummer gegen Kummer unter 116 111 Hilfe. Im Notfall gilt die 112.
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