Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) will in Cottbus erstmals eine eigene Einrichtung zur hausärztlichen Übergangsversorgung eröffnen. Die auf zwei Jahre angelegte Praxis soll vor allem Akutpatienten versorgen, die derzeit keine Hausarztpraxis haben. Nach Angaben von Oberbürgermeister Tobias Schick soll das Angebot möglichst noch in diesem Herbst starten; die Stadt hat bereits Räumlichkeiten im Blick, die dafür infrage kommen. Das sagte Schick bei der gestrigen Stadtverordnetenversammlung. Hintergrund ist die angespannte hausärztliche Versorgun. Nach Angaben der KVBB haben derzeit rund 10.500 Menschen in Cottbus keine Hausarztpraxis. Parallel treibt die Stadt die Planungen für das dauerhafte Versorgungszentrum „Primär Cottbus“ voran, das 2028 auf dem ehemaligen Post-Gelände starten soll.
Erste eigene Übergangspraxis der KVBB
Die geplante Einrichtung ist nach Angaben der KVBB als vorübergehende Lösung für zunächst zwei Jahre vorgesehen. Wie das Deutsche Ärzteblatt unter Berufung auf die KVBB-Vertreterversammlung berichtet, handelt es sich um die erste derartige Eigeneinrichtung der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg. KVBB-Vorstandsvorsitzende Catrin Steiniger hatte das Vorhaben am 11. September angekündigt. Eine vollwertige Hausarztpraxis soll damit allerdings nicht entstehen. Vorgesehen ist laut Ärzteblatt die Versorgung von Akut- und Notfallpatienten. Hausbesuche und Vorsorgeuntersuchungen sollen dagegen nicht angeboten werden. Mit dem zeitlich begrenzten Angebot sollen auch die bestehenden Hausarztpraxen in der Region entlastet werden.
Oberbürgermeister Tobias Schick griff die Pläne am Mittwoch in seinem Bericht vor der Cottbuser Stadtverordnetenversammlung auf. Die KVBB sei Partner der städtischen Task Force zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung und wolle die Übergangspraxis für Menschen schaffen, die derzeit keinen Hausarzt finden. Die Stadt unterstütze das Vorhaben unter anderem bei der Suche nach Ärzten und geeigneten Räumlichkeiten. Nach Angaben der Stadt sind bereits mögliche Räume im Blick. Ziel sei ein Start möglichst noch in diesem Herbst.
Rund 10.500 Menschen ohne Hausarztpraxis
Wie angespannt die Situation ist, zeigen Zahlen, die die KVBB auf ihrer Vertreterversammlung nannte. Demnach haben derzeit rund 10.500 Menschen in Cottbus keine Hausarztpraxis und müssen von anderen Praxen mitversorgt werden. Die Zahl der Hausarztsitze sei von 90 im Jahr 2021 auf zuletzt 79,5 zurückgegangen. Bis Ende dieses Jahres sollen nach Angaben von Steiniger weitere Praxen schließen, für die keine Nachfolger gefunden wurden. Zudem werde sowohl aus der Zentralen Notaufnahme des Carl-Thiem-Klinikums als auch aus der ärztlichen Bereitschaftspraxis ein erhöhtes Patientenaufkommen gemeldet. Die KVBB habe nach eigenen Angaben rund eineinhalb Jahre versucht, die Versorgungssituation mit anderen Mitteln zu verbessern, unter anderem über Strukturfondsmittel. Dies habe nicht zum gewünschten Ergebnis geführt.
Übergangslösung sorgt auch für Kritik
Innerhalb der brandenburgischen Ärzteschaft wird die Eigeneinrichtung allerdings nicht einheitlich bewertet. Nach Angaben des Deutschen Ärzteblatts kritisierten unter anderem Vertreter des Hartmannbunds und des Hausärzteverbands das Vorgehen des KVBB-Vorstands. Der Landesvorsitzende des Hartmannbunds, Hanjo Pohle, bemängelte unter anderem, dass nicht zunächst eine formelle Feststellung einer Unterversorgung durch den Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen abgewartet worden sei. Auch aus dem Hausärzteverband wurden offene Fragen zum Vorgehen angesprochen. Die frühere Vorsitzende des Verbands, Karin Harre, äußerte zugleich, sie sehe derzeit keine bessere Idee.
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„Primär Cottbus“ soll 2028 folgen
Von der zunächst auf zwei Jahre angelegten KVBB-Einrichtung zu unterscheiden ist das längerfristig geplante Versorgungszentrum „Primär Cottbus“. Dafür läuft nach Angaben von Oberbürgermeister Schick derzeit die Markterkundung. Die Stadt selbst soll das Zentrum nicht betreiben. Als Standort wird weiterhin das ehemalige Post-Gelände favorisiert. Die Markterkundung läuft bis zum 30. September, anschließend sollen Gespräche mit Interessenten beginnen. Erste Interessenten hätten sich bereits gemeldet. Nach derzeitiger Planung soll „Primär Cottbus“ im Jahr 2028 starten.
Stadt fördert weitere Praxen
Parallel setzt Cottbus das kommunale Förderprogramm für Arztpraxen fort. Bislang seien knapp 60.000 Euro an vier Praxen geflossen, teilte Schick mit. Weitere 33.000 Euro für drei Praxen würden derzeit zur Auszahlung vorbereitet. Bei der Entwicklungsgesellschaft Cottbus liegen nach Angaben des Oberbürgermeisters insgesamt 26 Anfragen und Anträge für die Förderung vor. Drei davon betreffen bereits das kommende Jahr.
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