Cottbus. Auf zwölf Hektar am Rand des Branitzer Parks entsteht Deutschlands größtes Modellprojekt für die Klimaanpassung historischer Gärten. Die neue Branitzer Baumuniversität soll bis 2031 zu einem Kompetenzzentrum werden, das Landkreisen, Städten und Vereinen Wissen über Bäume im Klimawandel zur Verfügung stellt. Ende August haben sich Bundesbauministerin Verena Hubertz und Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle vor Ort über den Baufortschritt informiert.
11,5 Millionen Euro von Bund, Land und EU
Die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz baut die Baumuniversität seit 2021 auf. Gefördert wird das Vorhaben mit 5,5 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ und mit 6 Millionen Euro aus einem Programm zur Klimaanpassung, das aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes Brandenburg gespeist wird.
Brandenburg stellt nach Angaben von Ministerin Schüle bis 2027 insgesamt bis zu 30 Millionen Euro aus EFRE- und Landesmitteln für die Klimaanpassung historischer Gärten bereit. Im Land stehen mehr als 400 denkmalgeschützte Parks und Gärten.

Eine Idee von 1846 – und ihre Wiederbelebung
Der Name geht auf Fürst Hermann von Pückler-Muskau zurück. Ab 1846 legte er in Branitz eine Baumschule für große, verpflanzbare Solitärbäume an, die er selbst „Baumuniversität“ nannte. Sie versorgte zunächst den entstehenden Park, wurde ab 1871 als Handelsbaumschule betrieben und bestand bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg.
2011 belebte die Stiftung die historische Baumschule am Originalstandort nach Pücklers Plänen wieder. Dort werden seither historische Gehölzsorten gesichert und Bäume für Nachpflanzungen im Branitzer Park herangezogen – dessen Bestand umfasst mehr als 30.000 Bäume. Seit 2020 steht die Klimaanpassung im Mittelpunkt.
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„Vor 180 Jahren schuf Fürst Pückler seine Baumuniversität, um in der kargen Lausitz ‚Oasen in Sandwüsten‘ anzulegen“, sagt Stiftungsvorstand Stefan Körner. „Heute stehen historische Parks durch den Klimawandel erneut vor existenziellen Herausforderungen.“
Vier Bausteine: Schaugarten, Eichen, Gewächshäuser, Forschung
Die historische Schlossgärtnerei wird zu einem Lehr- und Schaugarten. Wiederhergestellter Frühbeethof, Hochbeete und Pflanzmauern in Lehm-Pisé-Bauweise sollen vor allem Kindern und Jugendlichen historische Gartenkunst und Klimaanpassung nahebringen.
In der Pücklerallee untersucht die Stiftung mit Forschungspartnern auf einer „Eichenteststrecke“, welche Eichenarten und -hybriden künftigen klimatischen Bedingungen standhalten – und dabei das historische Erscheinungsbild des Parks bewahren können.
Auf dem Gelände einer ehemaligen Großgärtnerei entstehen Kulturflächen zur Gehölzvermehrung, Gewächshäuser und Forschungsinfrastruktur. Dazu kommen Agroforstsysteme, ein Waldgarten, eine botanische Lebendsammlung, Wasserretentionsflächen, Flächen für Biomasse sowie neue Spazierwege und wiederhergestellte Sichtachsen.
Vierter Baustein sind Forschungskooperationen, unter anderem mit der BTU Cottbus-Senftenberg, der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, den Universitäten Münster und Würzburg, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Hochschule Geisenheim.
„Mehr als eine parkeigene Baumschule“
Projektleiterin Juliane Ribbeck-Lampel sagt, es gehe nicht um eine Baumschule mit neuem Namen: Die Baumuniversität solle Wissen für den Umgang mit Bäumen im Klimawandel bereitstellen und zugleich als Forschungsplattform wirken. „Entscheidend ist der Austausch: Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln.“
Bundesbauministerin Hubertz verwies auf das Bundesprogramm: Gesucht würden Pflanzen, die Hitze und Trockenheit aushalten, und Modelllösungen, die auch für andere historische Anlagen funktionieren.

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Red. / Presseinformation







