Seit Ende August warnen die Stadtwerke Cottbus vor Verkäufern, die sich an Haustüren als ihre Mitarbeiter ausgeben. Wir haben die vier Unternehmen gefragt, auf die die Verträge aus diesen Haustürgeschäften laufen sollen. Zwei bestätigen, dass Vertriebsleute vor Ort waren. Die Frage nach der Provision beantwortet keines.
Worum es bei den Haustürgeschäften geht
Rund zehn Betroffene hatten sich bei den Stadtwerken gemeldet, Schwerpunkt ist der Stadtteil Sandow. Verkäufer sollen nach Darstellung des Versorgers behauptet haben, sie kämen von den Stadtwerken oder sollten in deren Auftrag Zähler ablesen. Wer daraufhin seine letzte Stromrechnung vorlegte, bei dem wurde ein Lieferantenwechsel eingeleitet.
Zum Hintergrund –>> Stadtwerke Cottbus warnen erneut vor Haustürbetrug und Haustürbetrug in Cottbus trifft vor allem Sandow
E.ON: Vertriebsleute waren in Cottbus
„Nach interner Prüfung können wir grundsätzlich bestätigen, dass in den letzten Wochen Mitarbeitende unserer Vertriebsdienstleister Beratungsgespräche in Cottbus geführt haben“, teilt eine E.ON-Sprecherin mit. Beschwerden von Kunden lägen dazu derzeit nicht vor.
Vom geschilderten Vorgehen distanziert sich das Unternehmen deutlich: „Die von Ihnen beschriebenen Verhaltensweisen entsprechen in keiner Art und Weise unserem Qualitätsanspruch. Es gehört nicht zu den Aufgaben der Mitarbeitenden von Vertriebspartnern im Auftrag Dritter Zähler abzulesen.“
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Man prüfe die geschilderten Hinweise und gehe möglichem Fehlverhalten gemeinsam mit den Dienstleistern nach. „Sollten Nachschulungen oder weitere Maßnahmen erforderlich sein, werden diese veranlasst.“
RheinEnergie: „war uns bislang nicht bekannt“
Die Kölner RheinEnergie stellt ihrer Antwort eine Erklärung voran. Das Unternehmen lege „großen Wert auf einen fairen und transparenten Vertrieb“, schreibt Pressesprecher Eugen Ott. „Den von Ihnen geschilderten Hinweisen auf mögliches Fehlverhalten gehen wir konsequent nach. Wir haben auch Kontakt mit den Kollegen der Stadtwerke Cottbus aufgenommen.“ Damit ist RheinEnergie das einzige der vier Unternehmen, das nach eigenen Angaben von sich aus auf den Cottbuser Versorger zugegangen ist.
Einen Einsatz vor Ort bestätigt das Unternehmen: „In dem von Ihnen genannten Zeitraum waren beziehungsweise sind selbstständige Handelsvertreter unseres Vertriebspartners in der Region tätig.“ Von den Vorgängen in Cottbus habe man allerdings nichts gewusst. „Der geschilderte Vorgang in Cottbus war uns bislang nicht bekannt.“ Bis zur internen Prüfung hätten keine entsprechenden Beschwerden vorgelegen.
Sollten Verstöße festgestellt und bestätigt werden, könne das bis zur Rückabwicklung von Verträgen führen. Bei nachgewiesenen Verfehlungen würden die betreffenden Handelsvertreter für die Vermarktung von RheinEnergie-Produkten gesperrt, auch Vertragsstrafen seien möglich.
Wie dieser Vertrieb organisiert ist
Aufschlussreich ist, wie RheinEnergie die Struktur hinter dem Haustürvertrieb beschreibt. Die Verkäufer stehen demnach gar nicht in einem direkten Vertragsverhältnis zum Energieversorger. Sie sind selbstständige Handelsvertreter und an einen Vertriebspartner angebunden.
Dieser Vertriebspartner wiederum „verfügt über ein Portfolio verschiedener Energieversorger und vertreibt unter anderem auch Tarife der RheinEnergie“. Vermarktet wird im Namen des Vertriebspartners, nicht im Namen des Versorgers. Es gelten die Verhaltensstandards des Bundesverbandes Direktvertrieb Deutschland.
Damit steht zwischen dem Unternehmen, dessen Name am Ende auf dem Vertrag steht, und der Person an der Tür mindestens eine weitere Firma. Wer an der Haustür einen Vertrag abschließt, hat es in der Regel weder mit einem Mitarbeiter des neuen Versorgers noch mit einem des alten zu tun.
Vattenfall: „übliche Vertriebspraxis“
Vattenfall äußert sich allgemein und ohne Bezug auf Cottbus. Preisvergleiche, Beratungen und Vertragsabschlüsse an der Haustür seien „eine übliche Vertriebspraxis von Energieunternehmen – auch bei Vattenfall“, erklärt Media-Relations-Manager Christian Jekat. Hilfreich sei das etwa für Menschen, die Tarife nicht online vergleichen oder abschließen könnten. „Dabei gilt: Kundinnen und Kunden müssen klar erkennen können, wer vor ihnen steht und was ihnen angeboten wird.“
Die Beschwerdequote liege gemessen an den Gesamtkontakten auf sehr niedrigem Niveau. „Wo an der Haustür jedoch mit unklaren Angaben, Druck oder irreführenden Aussagen gearbeitet wird, wird die Grenze des rechtlich Zulässigen überschritten.“ Bei Unregelmäßigkeiten fordere man eine Stellungnahme des Vertriebspartners und ziehe Konsequenzen – dafür brauche man allerdings eine genaue Adresse oder weitere Daten.
TeleSon antwortet nicht
Das vierte angefragte Unternehmen, TeleSon, hat auf unsere Fragen nicht geantwortet. Die Frist lief bis Freitagmittag.
Die Frage nach dem Geld beantwortet keiner
Wir hatten alle vier Unternehmen auch gefragt, welche Vertriebsfirmen sie beauftragen und wie hoch die Vergütung für einen abgeschlossenen Haushaltskundenvertrag ausfällt. Diese Zahl bestimmt, wie lohnend ein Abschluss für die Verkäufer an der Tür ist.
Keines der Unternehmen nennt eine Zahl. RheinEnergie lehnt die Auskunft ausdrücklich ab: „Auch zu der Provisionshöhe können wir aus wettbewerblichen Gründen keine Auskünfte geben.“ Aus demselben Grund nennt das Unternehmen auch seinen Vertriebspartner nicht. E.ON teilt mit, die Verdienstmöglichkeiten bewegten sich „auf Branchenniveau“. Vattenfall geht auf die Frage nicht ein.
Was Betroffene tun können
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Red. / Presseinformation
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