Ein Brandanschlag in Cottbus hat in der Nacht zu Donnerstag das bewohnte Wohnprojekt „Zelle 79“ in der Parzellenstraße getroffen. Das teilten die Polizei und die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg mit. Unbekannte warfen mit brennbarer Flüssigkeit gefüllte Flaschen gegen die Fassade, verletzt wurde niemand. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts des versuchten Mordes.
Was die Polizei zum Brandanschlag in Cottbus mitteilt
Die Bewohner des Wohnprojektes „Zelle 79“ in der Parzellenstraße riefen am Donnerstag gegen 01:15 Uhr die Polizei. Zuvor hatten Unbekannte mehrere mit brennbaren Flüssigkeiten gefüllte Flaschen gegen die Fassade geworfen. Die Beamten löschten einen dadurch entstandenen Kleinbrand in der Nähe des Hauses. Verletzt wurde niemand. Kriminaltechniker sicherten noch in der Nacht Spuren am Tatort.
Weil sich zur Tatzeit Personen im Haus aufhielten, ermittelt die Polizei nach eigenen Angaben zunächst wegen des Verdachts des versuchten Mordes – vorbehaltlich der konkreten Bewertung der Staatsanwaltschaft. Da es sich um ein alternatives Szeneobjekt handelt, hat der Staatsschutz eine gemeinsame Ermittlungsgruppe mit der Mordkommission gebildet. Neben angepassten Schutzmaßnahmen werden auch Videoaufnahmen ausgewertet, die Zeugen gefertigt haben.
Nach ersten Zeugenaussagen wurden zwei Personen beobachtet. Die erste Person wird als männlich und etwa 15 bis 20 Jahre alt beschrieben, mit einer Tätowierung am linken Unterarm, schwarzer Kleidung mit kurzer Hose und einer schwarz-weiß-roten Sturmhaube. Die zweite Person soll ebenfalls männlich und etwa 15 bis 20 Jahre alt sein, schwarz gekleidet mit langer Hose und einem Langarmshirt mit weißem Brustaufdruck.
Die Polizei fragt: Wer hat die Tat beobachtet? Wer hat im zeitlichen und örtlichen Umfeld Personen bemerkt, auf die diese Beschreibung zutrifft? Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße unter der Telefonnummer 0355 4937-1227, jede andere Polizeidienststelle sowie die Internetwache der Polizei entgegen.
So schildern die Betroffenen den Angriff
Die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg spricht von einem Brandanschlag auf das alternative Wohnprojekt „Zelle79“. Zwei Angreifer hätten Brandsätze gegen das bewohnte Haus geworfen.
„Ich schlief bereits fest, als mich ein Knall weckte. In Sekunden war ich am Fenster“, schilderte Bewohner Fabi Buchholz. „Dort rief ich den zwei Angreifern zu, sie sollen verschwinden, und habe die Kamera auf sie gerichtet. Sie schrien zurück, dass wir runterkommen sollen. Danach – und damit im vollen Wissen darüber, dass Menschen im Haus sind – haben sie die Brandsätze geworfen.“ Nach Angaben der Bewohnerinnen und Bewohner waren die Angreifer schwarz gekleidet, einer mit einer schwarz-weiß-roten Sturmhaube vermummt.
Der Anschlag ereignete sich während der CSD-Aktionswochen in Cottbus. Am Haus hatten die Bewohner ein CSD-Plakat und eine Regenbogenfahne angebracht; auf einem Banner nahmen sie Bezug auf die Entscheidung, der Stadtverwaltung das Gendern zu untersagen.
„Dieser Brandanschlag ist ein Angriff auf queeres Leben in Cottbus“, erklärte Lukas Pellio, Sprecher der Initiative. Es werde „wieder einmal deutlich, mit welchem Selbstbewusstsein und mit welcher Skrupellosigkeit die rechte Szene in Cottbus agiert“.
Nach Darstellung der Initiative ist das Wohnprojekt seit Längerem Ziel von Angriffen; in den vergangenen Monaten habe es mehrere Anschläge und wiederholt Schmierereien an der Fassade gegeben. Bereits im vergangenen Jahr sei während der CSD-Aktionswochen ein Brandanschlag auf das Regenbogenkombinat Cottbus verübt worden.
Die Initiative fordert von Kommunal- und Landespolitik langfristiges Handeln, einen eigenen Standort der Opferperspektive für Cottbus sowie eine konsequentere Strafverfolgung. „Wir bleiben hier“, stellte Buchholz für die Bewohnerschaft klar. Gemeinsam mit anderen wolle man am 11. Juli beim CSD in Cottbus auf die Straße gehen.
Foto: Fabi Buchholz
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