Der Drogenkonsum in der Lausitz wird nach Beobachtung der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL–CT) vielfältiger und riskanter. Anlässlich des Weltdrogentags am 26. Juni verweist die Cottbuser Hochschulmedizin auf eine zunehmende Substanzvielfalt und mehr komplexe Mischintoxikationen.
Drogenkonsum mit immer mehr Substanzen
Durch Proben aus dem Klinik- und Polizeiumfeld hat die toxikologische Diagnostik der MUL–CT nach eigenen Angaben einen guten Überblick über aktuelle Missbrauchssubstanzen. Die Datenbasis zeigt demnach deutliche Verschiebungen beim Drogenkonsum. Cannabis bleibt das häufigste Rauschmittel, daneben spielen Amphetamine und zunehmend Kokain eine zentrale Rolle. Zugleich nehmen nach Darstellung der Hochschulmedizin Benzodiazepine, Opioide sowie Partydrogen wie GHB, GBL und Lachgas zu.
Mischkonsum gilt als besonders gefährlich
Als besonders riskant gilt der Mischkonsum, also die Kombination verschiedener Substanzen. „Wir sehen in der toxikologischen Notfalldiagnostik wiederholt Patientinnen und Patienten mit sehr hohen Blutalkoholkonzentrationen – in Einzelfällen bis zu vier Promille. Häufig liegt zusätzlich ein Mischkonsum von bis zu fünf verschiedenen Substanzen vor“, berichtet Prof. Dr. med. Karl H. Reuner, Chefarzt für Laboratoriumsmedizin. Die Wirkungen könnten sich dabei gegenseitig verstärken oder schwer vorhersehbar überlagern. Die Folgen reichten von Bewusstseinsstörungen bis zu lebensbedrohlichen Atemdepressionen.
Hochpotente Stoffe erschweren die Diagnostik
Erschwert wird die Arbeit durch immer potentere Stoffe. Neben klassischen Cannabis-Produkten treten nach Angaben der MUL–CT zunehmend hochkonzentrierte Varianten mit bis zu 90 Prozent THC sowie synthetische Cannabinoide auf. Als besonders kritisch gelten neue Substanzklassen wie Nitazene, die extrem potent und teilweise schwer nachweisbar sind. Weil akut vergiftete Personen schnell versorgt werden müssen, muss die Analytik möglichst rasch erfolgen. „Es geht dabei nicht um die Bewertung des individuellen Konsums, sondern um die präzise Einordnung der Befunde, damit im Notfall schnell und gezielt geholfen werden kann“, betont Reuner.
Toxikologie und Forensik an der MUL-CT
Verantwortlich für den Bereich ist Dr. rer. nat. Stefan Neubeck, Leiter der Toxikologie und Forensik der MUL–CT. Die Hochschulmedizin in Cottbus will mit ihrer Diagnostik dazu beitragen, dass im Notfall schnell die richtige Therapie eingeleitet werden kann. Weitere Informationen stellt die Universitätsmedizin auf ihrer Internetseite bereit.
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Foto: Martin Ender / MUL – CT
Red. / Presseinformation







