Ein Vorfall im Cottbuser Schülerverkehr beschäftigt derzeit Eltern, Verkehrsbetrieb und Stadtpolitik. Neun Kinder mussten am Montag nach Aufforderung des Busfahrers an einer falschen Haltestelle aus ihrem Schulbus aussteigen. Ihr eigentlicher Zielort Kahren lag mehr als sieben Kilometer entfernt. Darüber berichteten mehrere Eltern in Zusendungen an uns. Cottbusverkehr bestätigte den Vorfall auf Anfrage von Niederlausitz aktuell und kündigte eine interne Prüfung an. Auch im Verkehrsausschuss soll der Vorfall thematisiert werden.
Busfahrer lässt Grundschulkinder in Branitz zurück
Was am Montagnachmittag auf dem regulären Schulbusweg von der Grundschule Dissenchen nach Kahren passierte, hat mehrere Familien offenbar erschüttert. Die Linie 28 sollte planmäßig um 14:09 Uhr an der Haltestelle „Am Park“ in Kahren halten. Stattdessen fuhr der Fahrer zunächst nach Branitz, wo er laut einer betroffenen Mutter zwei bis drei Kinder aussteigen ließ und anschließend weiter in Richtung Tierpark, obwohl dies nicht der planmäßigen Route entsprach. Die Kinder im Bus hätten den Fahrer auf den Fehler hingewiesen, berichtet eine Mutter. Der Fahrer habe jedoch nicht auf sie gehört. Sein Verhalten sei dabei nicht freundlich gewesen: Zudem sei er laut geworden, so die Schilderungen. Als Begründung für die abweichende Route soll er angegeben haben, die Bahnübergänge in Richtung Kahren seien gesperrt. Tatsächlich gilt diese Sperrung erst seit dem heutigen Dientsag, dem 10. März 2026. Für den 9. März bestand nach öffentlich zugänglichen Informationen kein sachlicher Grund zur Umleitung.
Neun Kinder an falscher Haltestelle ohne Begleitung
An der Haltestelle Vorpark in der Nähe der Messe hielt der Fahrer den Bus an. Er forderte die Kinder auf auszusteigen und erklärte, dies sei die Endhaltestelle. Zurück blieben neun Schülerinnen und Schüler der Klassen zwei bis sechs, im Alter von 7 bis 12. Sie hatten keine Begleitung und befanden sich mehr als sieben Kilometer von ihrer Zielhaltestelle in Kahren entfernt. Dass die Situation nicht noch schwerwiegender endete, ist laut Schilderungen der Eltern einem Mädchen aus der sechsten Klasse zu verdanken, das als Einziges ein Mobiltelefon dabei hatte. Es kontaktierte die Eltern mithilfe von Telefonnummern aus Hausaufgabenheften und Hort-Unterlagen. Eine Mutter, deren achtjähriger Sohn unter den Gestrandeten war, erfuhr so vom Verbleib der Kinder und fuhr sofort zur Haltestelle. „An der Haltestelle erwarteten uns verstörte und weinende Kinder“, berichtet eine weitere betroffene Mutter. Schließlich holten alle Eltern ihre Kinder ab.
Eltern kontaktierten Cottbusverkehr
Mehrere betroffene Familien haben sich direkt bei Cottbusverkehr beschwert. Eine Mutter schildert gegenüber Niederlausitz aktuell, das ein Telefongespräch mit Cottbusverkehr ernüchternd war. Die Reaktion der Eltern wurde demzufolge als übertrieben bezeichnet. Eine andere Mutter formuliert gegenüber Niederlausitz aktuell eine grundsätzliche Frage: „Wenn ein Fahrer mehrere Grundschulkinder einfach an einem komplett anderen Ort aussteigen lässt, frage ich mich wirklich, was ihm in seiner Ausbildung über den Umgang mit Kindern und über seine Verantwortung vermittelt wurde.“ Eine Mutter ergänzt, dass Schulkinder in der Vergangenheit bereits Fahrern die richtige Route zeigen mussten. Bisher hätten die Fahrer wenigstens gefragt. Am Montag sei das nicht geschehen. Auch die VBB-App habe keine verlässliche Orientierung geboten: Das Tracking habe die regulären Haltestellen als angefahren angezeigt, obwohl der Bus längst auf einem anderen Weg war.
Cottbusverkehr bestätigt Fahrerfehler
Cottbusverkehr bestätigte auf Anfrage von Niederlausitz aktuell, dass der Vorfall bekannt ist. Nach Angaben des Unternehmens seien mehrere schriftliche und telefonische Beschwerden von Eltern eingegangen. Für die Linie 28 war am 9. März nach Angaben von Cottbusverkehr die reguläre Fahrtroute vorgesehen. Aufgrund von Bauarbeiten an Bahnübergängen in Branitz und Kahren gelten in diesem Bereich jedoch an verschiedenen Tagen unterschiedliche Umleitungen. Der betroffene Fahrer sei irrtümlich davon ausgegangen, dass die Umleitungsregelung bereits am Montag gegolten habe. Tatsächlich war diese Umleitung laut Unternehmen erst vom 10. bis 12. März vorgesehen. Auch Niederlausitz aktuell berichtete über die Linienänderung. Warum der Fahrer trotz Hinweisen der Kinder keine Rücksprache mit der Leitstelle hielt, werde derzeit intern geprüft. Nach aktuellem Kenntnisstand habe eine solche Rücksprache nicht stattgefunden.
Grundsätzlich hätten Fahrer im Umgang mit Minderjährigen eine besondere Sorgfaltspflicht, erklärte das Unternehmen weiter. Ob und welche Fehler im konkreten Fall vorliegen, sei Gegenstand einer internen Untersuchung. Ein strukturelles Problem bei der Einweisung von Fahrern in Schulbusrouten sieht Cottbusverkehr derzeit nicht: „Sowohl durch externe Einflüsse, wie zum Beispiel Baustellen, Sperrungen, Unfälle und geplante sowie ungeplante Umleitungen, als auch interne Bedingungen, wie zum Beispiel der Einsatz von Fahrern auf neuen Strecken, kann es in Ausnahmefällen zu Fehlfahrten kommen. Dies stellt jedoch immer die Ausnahme dar und kann niemals vollständig verhindert werden. Ein akut strukturelles Problem liegt aus unserer Sicht zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor. Cottbusverkehr wird diesen Vorfall jedoch zum Anlass nehmen, um alle internen Vorgaben, Richtlinien und Vorgänge zu überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen“, so ein Unternehmenssprecher.
Als erste Konsequenz wurde der betroffene Fahrer nach Angaben des Unternehmens bis auf Weiteres von der Linie 28 abgezogen. Weitere mögliche Schritte könnten erst nach Abschluss der internen Prüfung entschieden werden.
Vorfall soll Thema im Verkehrsausschuss werden
Der Vorfall hat inzwischen auch die Stadtpolitik erreicht. Janine Schollbach, Vorsitzende des Bau- und Verkehrsausschusses der Stadtverordnetenversammlung Cottbus, ist nach eigenen Angaben gestern über den Vorfall informiert worden. Cottbusverkehr habe sich ihrerseits bereits bei ihr gemeldet und wolle den Sachverhalt erläutern. Schollbach beabsichtigt daher, das Thema zu Beginn der nächsten Ausschusssitzung auf die Tagesordnung zu setzen. Die Zustimmung der übrigen Ausschussmitglieder sei dafür noch erforderlich. Die Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses findet am morgigen Mittwoch um 17 Uhr statt und wird live auf www.cottbus.de übertragen. Für morgen ist nach Informationen von Niederlausitz aktuell zudem ein Gespräch zwischen betroffenen Eltern, der Schulleitung, dem Träger und Vertretern der Stadt Cottbus geplant.
Am Morgen danach: Kinder verweigern den Einstieg
Der Vorfall vom Montag fand am Dienstagmorgen offenbar seine Fortsetzung. Wie eine Mutter berichtete, warteten an der Haltestelle „Am Park“ in Kahren warteten mehr als zehn Kinder. Gegen 7:45 Uhr erreichte Bus Nummer 28 die Haltestelle. Als die Kinder den Fahrer erkannten, soll es sich nach Angaben der Eltern um denselben Fahrer wie am Vortag gehandelt haben. Daraufhin hätten sich alle Kinder geweigert einzusteigen. Eine Mutter sprach den Fahrer auf den Vorfall an. Nach ihrer Darstellung antwortete er, er verstehe kein Deutsch. Mehrere Eltern brachten die Kinder anschließend selbst mit dem Auto zur Grundschule Dissenchen.
Vorfälle in der Vergangenheit
In den letzten Monaten hatte es bereits größere Vorfälle im Buslinienverkehr in Cottbus und der Spree-Neiße-Region gegeben, Im Oktober 2025 ermittelte die Polizei einer gefährlichen Irrfahrt durch Cottbus- Dabei hatte der Fahrer einen Unfall verursacht und war einfach weitergefahren (Niederlausitz aktuell berichtete). Im Januar 2026 kam ein Linienbus in Laubsdorf (Spree-Neiße) von der Fahrbahn ab, durchbrach mehrere Zäune und verfehlte ein Wohnhaus nur knapp. Die Polizei vermutete Sekundenschlaf als Ursache (wie berichtet).
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