Das Brandenburger KI-Startup IQONIC.AI nimmt am Startup Lausitz Accelerator teil und plant ein Modellprojekt für hybride Gesundheitsversorgung in der Region. Für Gründerin Maria-Liisa Bruckert aus Spremberg bedeutet das Engagement auch eine Rückkehr in die Heimat, wie sie gegenüber NIEDERLAUSITZ aktuell mitteilt.
Die medizinische Versorgung in strukturschwachen Regionen wie der Lausitz steht vor erheblichen Herausforderungen. Viele Haus- und Facharztsitze bleiben unbesetzt, während Patientinnen und Patienten oft mehrere Wochen oder Monate auf Termine warten müssen. Das Startup IQONIC.AI mit Standorten in Berlin, Cottbus und Dresden will diese Lücke schließen und ist seit Januar 2026 Teil des Entwicklungsprogramms des Startup Lausitz Accelerators in Cottbus. Nach Angaben von Geschäftsführerin Maria-Liisa Bruckert plant das Unternehmen, in den kommenden zwölf Monaten ein Modellprojekt durchzuführen, das zeigen soll, wie hybride Gesundheitsversorgung die Situation in Strukturregionen verbessern kann.
Lausitzerin bringt internationale KI-Erfahrung in die Heimat
Für Maria-Liisa Bruckert ist das Engagement in der Lausitz mehr als nur ein Geschäftsprojekt – es ist eine Rückkehr zu den Wurzeln. Die Geschäftsführerin stammt aus Spremberg und bringt nun ihre internationale Erfahrung zurück in die Heimatregion. IQONIC.AI ist nach eigenen Angaben seit 2021 weltweit aktiv und hat die KI-Märkte mit entwickelt – zu einer Zeit, als künstliche Intelligenz noch kein großes Thema war. „Jetzt geht es für mich zurück in die Heimat, um mit den internationalen Erfahrungen den Strukturwandel im Kern zu treffen und nachhaltig Bewegung in die Themen zu bringen“, erklärt Bruckert.

Die Versorgungslage in der Lausitz gestaltet sich zunehmend schwierig. Laut Maria-Liisa Bruckert müssen Patientinnen und Patienten nicht selten Fahrtwege von 30 bis 60 Kilometern oder mehr in Kauf nehmen, um ärztlich versorgt zu werden. Diese Situation belastet besonders ältere Menschen sowie Personen mit eingeschränkter Mobilität. Hybride Gesundheitsversorgung soll hier Abhilfe schaffen, indem sie digitale Angebote wie Videosprechstunden mit regional verankerten Versorgungsstrukturen kombiniert.
Digitale und analoge Medizin sinnvoll verbinden
Bei der hybriden Gesundheitsversorgung handelt es sich um ein Konzept, das medizinische Betreuung sowohl vor Ort als auch digital ermöglicht. Patientinnen und Patienten können demnach Ärztinnen und Ärzte persönlich in der Praxis aufsuchen, jedoch auch digitale Angebote wie Videosprechstunden, telefonische Beratungen oder Online-Terminvereinbarungen nutzen. Auf diese Weise lassen sich lange Wege sowie Wartezeiten reduzieren, während wichtige Untersuchungen weiterhin vor Ort erfolgen können. Gerade in ländlichen Regionen wie der Lausitz soll diese Kombination die medizinische Versorgung einfacher und besser erreichbar machen.
Apotheken als zentrale Anlaufstellen für KI-Diagnostik
In der Vision von IQONIC.AI sollen Apotheken und Sanitätshäuser als Einstiegspunkte in die medizinische Versorgung dienen. Laut der Presseinformation von IQONIC vertrauen über 92 Prozent der Menschen dem Apotheker vor Ort, was einen niedrigschwelligen Zugang zur Gesundheitsversorgung ermöglicht. In den teilnehmenden Apotheken kann eine KI-gestützte Voranalyse durchgeführt werden. Die gewonnenen Informationen werden anschließend zentral von einem Ärzteteam ausgewertet, das Diagnose sowie Behandlungsempfehlung direkt zurückspielt – ohne lange Wartezeiten und ohne weite Wege.

Das Unternehmen hat bereits praktische Erfahrungen mit diesem Ansatz gesammelt. Die Glückauf Apotheke in Dinslaken Hiesfeld bietet laut einer IQONIC-Fallstudie bereits einen solchen KI-Service im Bereich der Dermatologie an. Inhaber Marc Kriesten zeigt sich von den Vorteilen überzeugt und erklärt, dass die KI dabei helfe, das gesamte Portfolio abzudecken und nichts zu vergessen. Zudem entlaste der Service die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ohne dass die Qualität leide.
Startup Lausitz Accelerator als Sprungbrett für Innovation
Der Startup Lausitz Accelerator wurde am 7. Oktober 2025 in Cottbus feierlich eröffnet und ist eines von sechs landesweiten Gründerzentren in Brandenburg. Unter der Leitung der Thiem-Research GmbH, einer Tochtergesellschaft der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem, unterstützt das zwölfmonatige Programm Startups aller Branchen beim nachhaltigen Wachstum. Der besondere Fokus liegt dabei auf Health und MedTech. Das Programm bietet Mentoring, individuelles Coaching, praxisnahe Workshops sowie Zugang zu moderner Infrastruktur und spezialisierten Laboren. Für Gesundheits-Startups gibt es zusätzlich spezialisierte Unterstützung bei der Entwicklung und Zulassung von Medizinprodukten, IVD und DiGA. Das Projekt wird aus Mitteln der Europäischen Union sowie des Landes Brandenburg gefördert.
Weitere Informationen sind unter startup.thiem-research.de zu finden.
Maria-Liisa Bruckert betont die Bedeutung des Standorts für das Vorhaben. Die Lausitz und der Accelerator böten die besten Voraussetzungen für einen Leuchtturm in diesem Bereich. Die Zukunft der Versorgung müsse anders aussehen, so die Geschäftsführerin weiter. Die Knappheit an Ressourcen und Ärzten müsse nachhaltig verändert werden, indem Technik zusammen mit Ärzten das System optimiere.
Potenzial für bessere Versorgung durch KI-Einsatz

Nach Angaben von IQONIC.AI bietet der Einsatz von künstlicher Intelligenz in Apotheken erhebliches Potenzial. Die Fallstudie des Unternehmens nennt dabei konkrete Zahlen: Es soll möglich sein, fünfmal mehr Patienten in der gleichen Zeit zu behandeln. Darüber hinaus wird eine Steigerung der Früherkennungsrate von Krankheiten um bis zu 60 Prozent sowie eine Umsatzsteigerung im OTC-Bereich von 30 Prozent in Aussicht gestellt.
Die Apotheke fungiert in diesem Konzept als Schnittstelle für hybride Gesundheitsversorgung. Künstliche Intelligenz ermöglicht laut IQONIC Vorindikationen und Vordiagnosen. Damit steht in der Apotheke ein Triage-Tool zur Verfügung, das klärt, ob dem Patienten vor Ort geholfen werden kann, ob er sich selbst helfen kann oder ob ärztliche Hilfe erforderlich ist. Bei Bedarf können über die Verknüpfung von Verfügbarkeitsdaten direkt Termine oder digitale Sprechstunden mit Ärzten vereinbart werden. Dies soll nicht nur eine schnelle Versorgung gewährleisten, sondern auch dazu beitragen, die Wartezimmer der Ärzte für akute oder komplexe Fälle freizuhalten.
IQONIC.AI wurde 2021 in Berlin gegründet und entwickelt KI-basierte Lösungen für die Haut- und Haaranalyse. Das Unternehmen kooperiert bereits mit verschiedenen Apotheken in Deutschland, darunter auch die Sindy Krause Apotheken in Sachsen sowie der Online-Dienst „Frag die Apotheke“. Mit dem Modellprojekt in der Lausitz will das Startup nun zeigen, dass die Technologie gerade in strukturschwachen Regionen einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung leisten kann.
Weitere Informationen zum Thema hybride Gesundheitsversorgung sind auf der Website von IQONIC.AI verfügbar.
Hintergrund Maria-Liisa Bruckert
Maria-Liisa Bruckert ist Unternehmerin sowie Mitgründerin des KI-Startups IQONIC.AI, das sich auf innovative, KI-gestützte Analyse- und Personalisierungslösungen für Haut- und Haarpflegemärkte spezialisiert hat. Darüber hinaus gilt sie als Expertin für das Thema Transformation. Ihre akademische Laufbahn führte sie zunächst an die BTU Cottbus-Senftenberg sowie an die NCKU in Taiwan, wo sie Electrical Power Engineering studierte. Anschließend absolvierte sie einen Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Dresden. Für ihre Arbeit im Bereich künstliche Intelligenz wurde sie als eine der Top 10 Women in AI in Deutschland ausgezeichnet.
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