Die NABU-Landesverbände Berlin, Brandenburg und Sachsen lehnen eine Elbüberleitung in die Spree ab. Mit dem Ende der Braunkohle drohe dem Fluss das Wasser auszugehen, heißt es in ihrer gemeinsamen Mitteilung zum Tag der Flüsse. Die Verbände setzen stattdessen auf Renaturierung und Wasserrückhalt.
Warum der Spree künftig Wasser fehlen könnte
Seit Jahrzehnten wird die Spree mit Sümpfungswasser aus den Lausitzer Tagebauen gespeist. Damit werden ihre natürlich schwankenden Wasserstände ausgeglichen. Sowohl der Spreewald als auch Berlin haben sich laut NABU an diese künstlich erhöhten Mengen gewöhnt. „Mit dem Kohle-Aus wird der Spree der Wasserhahn zugedreht“, sagte Rainer Altenkamp, Vorsitzender des NABU Berlin, „und der Klimawandel wird die Situation weiter verschärfen.“
Laut einer Studie des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2023 könnten der Spree künftig 60 Millionen Kubikmeter Wasser fehlen. Seitdem wird eine Elbüberleitung als Lösung diskutiert. Die Verbände kritisieren, dass sie bereits vielfach gefordert werde, obwohl Studien zu Machbarkeit und ökologischen Folgen noch ausstehen. Zudem habe auch die Elbe in den vergangenen Jahren Rekordniedrigwasser gehabt. Im sächsischen Coswig wurde dazu gerade ein „Hungerstein“ gesetzt, der extreme Niedrigwasserstände sichtbar macht.
Welche Risiken der NABU in der Elbüberleitung sieht
„Technische Lösungen wie Überleitungen sind reine Symptombehandlung und setzen nicht an der Ursache des Problems an“, sagte Björn Ellner, Landesvorsitzender des NABU Brandenburg. Der Bau gehe mit großen Eingriffen in Natur und Landschaft einher. Außerdem könnten nach Havarien Schadstoffe von einem Flusssystem ins andere gelangen und invasive Arten sich schneller ausbreiten. Ellner stellt zudem die Frage, wer die Anlage dauerhaft bezahlen soll. Die Kosten würden seiner Ansicht nach wohl an den Steuerzahlenden hängen bleiben.
Zur Einordnung nennt der NABU folgende Zahlen: Die Elbe bei Dresden führt bei mittlerem Wasserstand im Schnitt 329 Kubikmeter pro Sekunde. Wollte man die 60 Millionen Kubikmeter auf einmal abzweigen, müsste man den Fluss dort gut zwei Tage lang trockenlegen. Geplant ist deshalb, Wasser in Hochwasserphasen zu entnehmen, über Rohre nach Norden zu leiten und in einem Stausee zwischenzuspeichern. Auch damit wäre das Problem nach Auffassung des NABU nicht gelöst, denn über der Wasserfläche eines solchen Sees verdunste zusätzlich Wasser. Außerdem seien Hochwasser für das Überleben von Auen unverzichtbar.
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Spreewald soll sich an weniger Wasser gewöhnen
Die Verbände appellieren an die Regierungen der Länder, im gesamten Flussverlauf auf naturbasierte Lösungen zu setzen und mehr Wasser in der Fläche zu halten. Dazu zählen sie eine Renaturierung der Spree, etwa durch einen kleineren Gewässerquerschnitt und die Wiederanbindung von Auen. Das sei nachhaltiger und volkswirtschaftlich günstiger als die Elbüberleitung. Die Aufgabe künstlicher Gräben im Spreewald und ein zeitweiliges Trockenfallen von Gewässerabschnitten im Sommer halten sie für unausweichlich.
„Für die Natur sind diese, auch in der Vergangenheit schon vorgekommenen Phänomene weitaus weniger dramatisch als oftmals behauptet“, sagte Ellner. In erster Linie müsse der Mensch lernen, sich wieder an naturnähere Verhältnisse anzupassen. Maria Vlaic, Landesvorsitzende des NABU Sachsen, fordert darüber hinaus langfristige Lösungen für den steigenden Wasserverbrauch von Gewerbe und Industrie.
Sachsen will einer Überleitung aus der Elbe oder anderen Flüssen in die Spree bislang nicht zustimmen und verweist auf ausstehende wissenschaftliche Untersuchungen. „Die Bundesländer entlang der Spree sollten diese Zeit nutzen, wirklich nachhaltige Lösungen für das bevorstehende Wasserdefizit zu finden“, sagte Altenkamp. Bereits 2024 hatten die NABU-Landesverbände Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt in einem gemeinsamen Positionspapier eine Prüfung naturbasierter Lösungen gefordert.
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Red. / Presseinformation







