Wohnen wird zur Ausbildungsfrage: Junge Menschen finden keinen Ausbildungsplatz, weil sie sich das Zimmer am Ausbildungsort nicht leisten können oder gar nicht erst hinkommen. Das zeigt eine Befragung des DGB Berlin-Brandenburg.
Mehr Suchende, weniger Stellen
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich verschärft. In Brandenburg suchten Ende Juli noch 5.138 junge Menschen einen Ausbildungsplatz, 4,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig sank die Zahl der unbesetzten betrieblichen Ausbildungsstellen um 10,4 Prozent auf 5.017. In Berlin ist das Bild ähnlich: 10.648 Suchende, 9,1 Prozent mehr, dazu 5.562 offene Stellen, 9,1 Prozent weniger.
„Wenn immer mehr junge Menschen suchen und das betriebliche Angebot gleichzeitig schrumpft, müssen Politik und Wirtschaft handeln“, sagt Nele Techen, stellvertretende Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg. „Wer heute nicht ausbildet, verschärft den Fachkräftemangel von morgen.“
Miete und Fahrtweg entscheiden mit
57 Prozent der Befragten sehen fehlenden bezahlbaren Wohnraum als Grund dafür, dass Jugendliche keinen passenden Platz finden. 43 Prozent leben auch deshalb noch bei den Eltern. Fast 80 Prozent fordern mehr bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen – häufiger als jede andere abgefragte Maßnahme.
Dazu kommt die Entfernung: Die Hälfte ist im Alltag häufig lange unterwegs, 40 Prozent empfinden die Fahrtwege als große Belastung, 27 Prozent sehen ihre Auswahl durch schlechte Verbindungen eingeschränkt. Im Flächenland Brandenburg entscheidet der Fahrplan mit darüber, welcher Betrieb überhaupt infrage kommt.
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Mehr als jede zweite Bewerbung bleibt ohne Antwort
54 Prozent derer, die sich schon beworben haben, bekamen mindestens einmal überhaupt keine Reaktion. 58 Prozent warteten mehrere Wochen, ein Drittel erhielt nur eine Eingangsbestätigung und hörte danach nichts mehr. Nur acht Prozent bekamen eine Absage mit persönlichem Feedback.
„Wer eine Bewerbung verschickt, verdient eine verlässliche und respektvolle Antwort – auch wenn es eine Absage ist“, sagt Elena Peckhaus, Bezirksjugendsekretärin des DGB Berlin-Brandenburg. Betriebe und öffentliche Arbeitgeber sollten ihre Verfahren vereinfachen und zeitnah antworten.
Was der DGB fordert
Der Gewerkschaftsbund verlangt mehr betriebliche Ausbildungsplätze und eine solidarische Ausbildungsumlage, höhere tarifliche Vergütungen, den Ausbau bezahlbarer Wohnheimplätze – etwa über ein AzubiWERK – sowie einen verlässlichen Nahverkehr in beiden Ländern.
Wie belastbar sind die Zahlen?
Wichtig zur Einordnung: An der Online-Befragung „Ausbildung? Wohnen? Zukunft?“ nahmen im Juni und Juli 2026 nur 162 Jugendliche und junge Erwachsene aus der Hauptstadtregion teil. Der DGB selbst nennt sie explorativ, sie ist also nicht repräsentativ. Die Arbeitsmarktzahlen am Anfang stammen dagegen aus der amtlichen Statistik.
Wie der Ausbildungsstart in der Region konkret aussieht –>> Neue Azubis bei Volksbank, Forst und BER
Symbolfoto: geralt/Pixabay
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Red. / Presseinformation







