Der Verfassungsschutz Brandenburg beobachtet nach eigenen Angaben eine zunehmende Radikalisierung junger Menschen durch Extremisten in sozialen Medien. Das geht aus dem Verfassungsschutzbericht Brandenburg 2025 hervor, den Innenminister Jan Redmann und Verfassungsschutzleiter Wilfried Peters am Freitag vorgestellt haben. Gleichzeitig ist das Extremistenpotenzial im Land deutlich angestiegen und erreicht laut Bericht einen neuen Höchststand.
Verfassungsschutzbericht Brandenburg 2025 vorgestellt
Nach Angaben des Ministeriums des Innern und für Kommunales ist das Gesamtpersonenpotenzial extremistischer Bestrebungen in Brandenburg innerhalb eines Jahres auf 7.540 Personen gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 2.035 Personen gegenüber dem Vorjahr.
Besonders deutlich fiel der Anstieg im Bereich des Rechtsextremismus aus. Hier weist der aktuelle Bericht 5.890 Personen aus. Auch im Linksextremismus und Islamismus wurden höhere Zahlen registriert. Rückläufig entwickelte sich dagegen die Zahl der sogenannten Reichsbürger und Selbstverwalter.
Innenminister Dr. Jan Redmann erklärte bei der Vorstellung des Berichts, besonders besorgniserregend sei die gezielte Ansprache und Radikalisierung junger Menschen durch Extremisten verschiedener ideologischer Richtungen über soziale Medien. Nach Angaben des Ministers würden dabei rechtsextremistische, islamistische und linksextremistische Akteure digitale Plattformen nutzen, um Jugendliche für ihre Ziele zu gewinnen.
Soziale Medien und Desinformation im Fokus
Der Verfassungsschutz beobachtet laut Bericht zudem weiterhin intensive Spionage- und Desinformationsaktivitäten im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Nach Angaben des Innenministeriums kommen dabei zunehmend künstliche Intelligenz, Chatbots und digitale Avatare zum Einsatz.
Insbesondere pro-russische Kampagnen würden versuchen, gesellschaftliche Konflikte zu verstärken und die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Innenminister Redmann sprach in diesem Zusammenhang von sogenannten hybriden Angriffen, die darauf abzielen würden, demokratische Gesellschaften zu destabilisieren. Der Verfassungsschutz Brandenburg habe diesen Bereich deshalb nach eigenen Angaben besonders priorisiert.
AfD-Einstufung beeinflusst Statistik deutlich
Der starke Anstieg im Bereich Rechtsextremismus hängt laut Verfassungsschutz auch mit der Berücksichtigung aller Mitglieder der AfD Brandenburg zusammen. Hintergrund ist die Hochstufung des Landesverbandes zur gesichert extremistischen Bestrebung im April 2025.
Verfassungsschutzleiter Dr. Wilfried Peters betonte laut Presseinformation, dass die statistische Erfassung nicht bedeute, jedes einzelne Parteimitglied automatisch als rechtsextremistisch einzustufen. Gleichzeitig sei nach Angaben des Verfassungsschutzes bislang keine grundlegende Abkehr des Landesverbandes von dessen ideologischer Ausrichtung erkennbar gewesen.
Von den insgesamt 5.890 Personen im Bereich Rechtsextremismus gelten laut Bericht 1.460 als gewaltorientiert. Das entspricht etwa jedem vierten Angehörigen dieses Phänomenbereichs.
Islamismus und Linksextremismus ebenfalls gewachsen
Auch im Bereich Linksextremismus registrierte der Verfassungsschutz einen Anstieg. Die Zahl der Personen erhöhte sich auf 660. Darunter befinden sich nach Angaben des Berichts 220 gewaltorientierte Autonome sowie zahlreiche Mitglieder und Unterstützer linksextremistischer Organisationen.
Im Bereich Islamismus stieg das Personenpotenzial auf 260 Personen. Der Verfassungsschutz verweist dabei sowohl auf das gewaltorientierte salafistische Spektrum als auch auf Anhänger der Muslimbruderschaft, denen eine langfristige Einflussnahme auf gesellschaftliche Strukturen zugeschrieben wird.
Neben der Beobachtung extremistischer Bestrebungen führte der Verfassungsschutz Brandenburg im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 580 Sicherheitsüberprüfungen sowie mehr als 20.000 Anfragen im Zusammenhang mit dem Waffenrecht durch.
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Red. / Presseinformation




