Die Ministerin für Bildung, Jugend und Sport, Martina Münch hat heute in Potsdam anlässlich ihrer ersten 100 Tage die zentralen Herausforderungen und erste Zielsetzungen präsentiert. „Es gibt für mich ein zentrales bildungspolitisches Ziel – kein Kind soll zurückgelassen werden“, so Ministerin Münch. „Dabei geht es um Chancengerechtigkeit für alle, egal welche Voraussetzungen sie mitbringen. Dabei geht es aber auch um die Zukunft unseres Landes: Um den Fachkräftebedarf zu sichern, kommt es darauf an, dass die Kinder, die heute in die Schule kommen, in zehn oder zwölf Jahren mit möglichst hohem Bildungserfolg in die Berufsausbildung oder das Studium starten. Kein Kind zurücklassen – das betrifft alle Bereiche: die Kita, die Grundschulen, die weiterführenden Schulen und den Sport.“
1. Schwerpunkt: Inklusion
„Ein zentraler bildungspolitischer Schwerpunkt ist das Thema Inklusion – ich will unsere Schulen in die Lage versetzen, künftig alle Schüler aufnehmen und bestmöglich fördern und unterstützen zu können“, so Münch. „Das ist kein Brandenburger Sonderweg. Alle Bundesländer haben sich auf diesen Weg gemacht – aus gutem Grund: Deutschland ist beim gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Förderbedarf schlecht aufgestellt, da sind uns viele andere Länder voraus. Die Umsetzung der inklusiven Bildung wird uns über viele Jahre begleiten und unser Schulsystem nachhaltig verändern.“
Die fünf Regionalkonferenzen, die bisher stattgefunden haben und die öffentlichen Diskussionen zeigen, dass es zum Thema Inklusion ein großes Bedürfnis nach Austausch gibt. „Das begrüße ich ausdrücklich, denn wir brauchen diese Debatte. Den Weg zu einer inklusiven Schule gibt nicht allein das Ministerium vor – dafür brauchen wir die ganze Gesellschaft“, so Münch.
Im nächsten Schritt werden die Regionalkonferenzen ausgewertet, bis Ende des Jahres wird ein Maßnahmenplan erarbeitet. Dazu wird sich das Ministerium von einem Beirat aus Wissenschaftlern und Schulpraktikern beraten lassen. Auch die öffentliche Diskussion wird im Rahmen eines Runden Tisches, u.a. mit Vertretern aus der Politik, von Interessensverbänden, aus den Gewerkschaften, weitergehen.
2. Schwerpunkt: Lehrerbildung
„Lehrerinnen und Lehrer müssen künftig stärker als bisher auf die individuellen Voraussetzungen von Schülerinnen und Schülern eingehen – deswegen möchte ich bei der Weiterentwicklung der Lehrerbildung in der Aus- und Fortbildung einen weiteren Schwerpunkt setzen“, so Münch.
Derzeit wird eine Novelle des Lehrerbildungsgesetzes vorbereitet, das den veränderten Herausforderungen Rechnung tragen soll. Das bedeutet:
* Die sonderpädagogischen bzw. inklusionspädagogischen Kompetenzen der Lehramtsstudierenden werden gestärkt.
* Die fachbezogene Ausbildung wird stärker in den Vordergrund rücken.
* Wir werden die Ausbildung der Grundschullehrer stärken und verbessern.
Zudem werden die Beratungs- und Unterstützungsangebote für Lehramtsstudenten ausgebaut, indem Verfahren zur Feststellung der Eignung für den Lehrerberuf angewandt und Unterstützungsangebote zur Entwicklung psychosozialer Kompetenzen entwickelt werden. Ein erstes Konzept zur Weiterentwicklung der Lehramtsausbildung wird im Herbst vorgelegt, die darauf aufbauende Novelle des Lehrerbildungsgesetzes soll im Herbst 2012 in Kraft treten.
Parallel dazu werden die Fortbildungsangebote für Lehrkräfte zu aktuellen Herausforderungen und Schwerpunkten aktualisiert und verstärkt. So wird gemeinsam mit Wissenschaftlern der Pädagogischen Hochschulen Freiburg und Heidelberg ein Konzept zur Fortbildung und Begleitung von Englischlehrkräften erarbeitet. Beispiele für eine neue Form der Fortbildungsangebote sind zum einen die Ferienakademien für Englischlehrkräfte, an denen rund 130 Lehrerinnen und Lehrer in den Sommerferien teilnehmen, zum anderen eine 40-stündige Fortbildungsreihe zur individuellen Förderung und Inklusion.
„Ich werde mich für eine höhere Wertschätzung der Lehrkräfte in der Gesellschaft einsetzen.“, so Münch. „Lehrerinnen und Lehrer müssen heute mehr denn je neben der fachbezogenen Kompetenzentwicklung und den gestiegenen Ansprüchen an Bildung viele weitere Aufgaben erfüllen – die psychologische Betreuung von Kindern ebenso wie die Beratung und Motivation von Familien. Mit diesem Anspruch hat sich der Lehrer-Beruf zu einem der verantwortungsvollsten und anspruchsvollsten Berufe entwickelt. Aus Respekt vor den Leistungen der Lehrkräfte in unserem Land möchte ich im kommenden Schuljahr erstmals besonders engagierte Lehrkräfte – stellvertretend für alle anderen Lehrerinnen und Lehrer – mit einem Preis ehren.“ Die Ausschreibung für den/die „Lehrer/in des Jahres“ wird in Kürze erfolgen, die Vorschläge sollen aus den Schulen kommen.
3. Schwerpunkt: frühkindliche Förderung
„Die Grundlagen für alle späteren Bildungsprozesse, also auch für die spätere Schullaufbahn, werden im frühkindlichen Bereich gelegt“, so Münch. „Deswegen will ich besonders die frühe Sprachförderung in den Kitas verstärken.“
Derzeit läuft das Instrument „Meilensteine der Sprachentwicklung“ für Kinder ab zwei Jahren als Pilotprojekt in Kitas. Mit den „Meilensteinen“ beobachten Erzieherinnen die Sprachentwicklung der Kinder und können bei Bedarf bereits frühzeitig sprachfördernd eingreifen. Zur Unterstützung der Erzieherinnen wird eine Handreichung erarbeitet. Ab 2012 soll das Instrument allen Kitas zur Verfügung stehen.
4. Schwerpunkt: Sport
Sportland Brandenburg – immer mehr Brandenburger sind im Breitesport aktiv, im Spitzensport werden hervorragende Leistungen erbracht. Brandenburg ist gut aufgestellt, auch die Sportanlagen sind in gutem Zustand. „Kein Kind zurücklassen – das gilt natürlich auch für den Sport. Ich werde mich nicht nur als Sportministerin, sondern auch als Vorsitzende des Kuratoriums der Deutschen Schulsportstiftung dafür einsetzen, behinderte Sportlerinnen und Sportler stärker zu fördern“, so Münch. „Dazu gehört der Ausbau des Pilotprojekts ‘Jugend trainiert für Paralympics‘.“
Im vergangenen Jahr ist das Pilotprojekt „Jugend trainiert für Paralympics“ erstmals gestartet. Rund 160 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus neun Bundesländern, darunter aus Brandenburg, waren in den Sportarten Schwimmen, Leichtathletik, Rollstuhlbasketball und Tischtennis am Start. In der kommenden Woche vom 07. bis 10. Juni 2011 findet der zweite Pilotwettbewerb statt, wiederum mit Mannschaften aus Brandenburg.
5. Schwerpunkt: effektive und bezahlbare Strukturen
„Um den Haushalt zu konsolidieren und unser Land zukunftssicher zu machen, müssen wir uns bestimmte Strukturen anschauen – dazu gehört u.a. auch die Neuausrichtung der Finanzierung der Schulen in freier Trägerschaft. Um Effizienz und hohe Qualität sicher zu stellen, werden wir die staatlichen Schulämter evaluieren“, so Münch. „Das Ziel: Wir brauchen effektive und bezahlbare Strukturen.“
Die demographische Entwicklung hat in den vergangenen Jahren zu einer Vielzahl kleiner und personalkostenintensiver öffentlicher Schulstandorte geführt – von den gestiegenen Kosten profitieren nach dem derzeitigen Finanzschlüssel die freien Träger. Die derzeitige Finanzierungsstruktur weist zudem einen Mangel an Planbarkeit und Transparenz für Träger und Land auf, da die Höhe der Finanzierung jedes Jahr von der tatsächlichen Ausstattung der öffentlichen Schulen abhängt, die teils starken Schwankungen unterliegt.
Die Finanzierung der Schulen in freier Trägerschaft soll – auch vor dem Hintergrund des steigenden Konsolidierungsdrucks des Landeshaushalts – auf eine neue, ausgewogene Grundlage gestellt werden. Die Zuschüsse werden künftig je Schüler auf Basis der für die öffentlichen Schulen bestehenden Richtfrequenzen – etwa Zahl der Unterrichtsstunden je Klasse und Bildungsgang; Zahl der Unterrichtsstunden je Lehrkraft und Bildungsgang; Zahl der Schülerinnen und Schüler je Klasse und Bildungsgang – bestimmt. Die neuen Pläne zur Finanzierung der Schulen in freier Trägerschaft werden derzeit innerhalb der Landeregierung abgestimmt. Die konkreten Pläne werden noch vor der Sommerpause präsentiert.
Die Herausforderung, effektive und bezahlbare Strukturen zu schaffen, bezieht sich auch auf die nachgeordneten Einrichtungen des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport. Aus diesem Grund werden derzeit die Aufgaben und Strukturen der Schulämter evaluiert. In einem ersten Ergebnis der Aufgabenkritik wurde unter anderem die Notwendigkeit einer stärkeren Steuerung, der Vereinheitlichung von Arbeitsprozessen und Standards sowie der Verringerung von Parallelarbeit angeregt. Welche Auswirkungen die Ergebnisse auf die künftige Struktur der Schulämter haben, wird derzeit noch geprüft und Anfang des kommenden Schuljahres präsentiert.
Quelle: Ministerium für Bildung, Jugend und Sport






