Landkreis
Cottbus Freitag, 29 Januar 2010 von Helmut Fleischhauer

Wechsel an der Spitze des Landgerichts Cottbus

Nach 35 Jahren im Dienst des Rechts und des Rechtsstaats scheidet Bernd Walter, der Präsident des Landgerichts Cottbus, heute aus dem Amt, das er seit dem 1. April 2004 bekleidet hatte. Die Entwicklung der Gerichtslandschaft im Landgerichtbezirk Cottbus hatte Herr Walter in den vergangenen 15 Jahren maßgeblich mitgeprägt: zunächst für einige Monate als Richter am Landgericht, danach, zehn Jahre lang, vom 1. Oktober 1994 bis zum 1. April 2004, als Vizepräsident des Landgerichts Cottbus. Vor einer Woche konnte Herr Walter seinen 65. Geburtstag begehen.
Die rechtsstaatliche Ausrichtung der Justiz im neu geschaffenen Land Brandenburg hatte Bernd Walter schon kurz nach der politischen Wende begleitet. Er war seit Juni 1987 Direktor des Amtsgerichts Gladbeck gewesen, bevor er sich im November 1992 von Nordrhein-Westfalen in das Partnerland Brandenburg abordnen ließ. Seine erste Station auf märkischem Boden war Königs Wusterhausen. Am damaligen Kreisgericht nahm Herr Walter die Geschäfte des Behördenleiters sowie Aufgaben der Rechtsprechung wahr.
Bernd Walter, der im Januar des Kriegswinters 1945 in Hirschberg in Schlesien geboren wurde, engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich in der Stadt Cottbus. Der Familienvater ist stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins „Klinik für Kinder und Jugendmedizin Cottbus e.V." und Vorsitzender des Fördervereins „Cottbuser Aufbruch". Dessen Ziele sind gelebte Toleranz sowie die Stärkung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.
Das Interesse von Bernd Walter an Rechtsprechung und Rechtspraxis hat nie an der Landesgrenze halt gemacht. So war ihm der Fortbestand und Ausbau des regelmäßigen Austausches mit dem polnischen Partnerschaftsgericht, dem Bezirksgericht in Zielona Gora, stets ein besonderes Anliegen. Die Zusammenkünfte deutscher und polnischer Richter finden mittlerweile mehrmals jährlich statt und haben das Ziel, aus der rechtsvergleichenden Betrachtung von Themen des materiellen Rechts und Prozessrechts, von aktuellen Rechtsfragen und von Problemen des Justizalltags Anregungen und Lösungsansätze für die eigene Arbeit zu gewinnen.
Der Minister der Justiz des Landes Brandenburg, Dr. Volkmar Schöneburg: „Für Ihre Leistungen für die Justiz im Land Brandenburg gebührt Ihnen höchster Dank. Dass Sie sich heute aus Anlass Ihrer feierlichen Verabschiedung die Deutsche Nationalhymne gewünscht haben, kann wohl niemanden verwundern, der Sie kennt. Einigkeit und Recht und Freiheit sind, wenn man Ihre Herkunft aus Schlesien und ihr berufliches Wirken im Westen wie im Osten Deutschlands betrachtet, auch Ihres persönlichen Glückes Unterpfand."
Seit Mai 1995 war Klaus-Christoph Clavée, der mit dem heutigen Tage neuer Präsident des Landgerichts Cottbus ist, in der Justiz des Landes Brandenburg tätig: fast acht Jahre als Richter am Brandenburgischen Oberlandesgericht, drei Jahre im Ministerium der Justiz und zuletzt am Landgericht Potsdam, zu dessen Vizepräsident er am 1. April 2006 ernannt worden war.
Justizminister Dr. Volkmar Schöneburg: „Wenn ich höre, wie Sie überall gelobt werden, kann ich nur bedauern, dass Sie nicht im Ministerium arbeiten. Ich fasse das Urteil derer, die Sie kennen, kurz zusammen: Herr Clavée ist ein erstklassiger Jurist und Justizverwaltungsfachmann, so dass nicht der geringste Zweifel daran aufkommen kann, dass er als neuer Präsident des Landgerichts Cottbus erfolgreich wirken wird und die Leitung des Gerichts bei ihm in guten Händen liegt. Nicht schlecht, Herr Clavée."
Dass Klaus-Christoph Clavée, der am 7. Dezember 1958 in Wuppertal geboren wurde darüber hinaus handwerkliche Fähigkeiten besitzt, werden seine Kollegen am Landgericht Potsdam nicht so schnell vergessen. Beim Umzug in das neue Justizzentrum krabbelte er gemeinsam mit zwei Kollegen auf allen Vieren unter die Tische in den Büros, um dort, völlig uneitel, Computerkabel zu verlegen. Auf zwei Beinen, heißt es, bewege sich Herr Clavée, wenn er als Tänzer seine Ehegattin sicher führt, durchaus noch eleganter.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Saarbrücken und Bonn sowie den beiden juristischen Staatsprüfungen in Köln und Düsseldorf nahm Klaus-Christoph Clavée im Alter von 30 Jahren zunächst eine Tätigkeit als Rechtsanwalt in Düsseldorf auf. Aber schon im Januar 1990 wechselte er die Robe und wurde Richter am Landgericht Düsseldorf. Von dort ließ er sich im Mai 1995 an das Brandenburgische Oberlandesgericht abordnen.
Klaus-Christoph Clavée, der Jazzmusik liebt, gern segelt und in Tunesien Urlaub macht, war von 2006 bis 2009 ehrenamtlich Vorsitzender des Deutschen Richterbundes im Land Brandenburg.
Quelle: Ministerium der Justiz

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