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Brandenburg Freitag, 24 Juli 2020 von Redaktion

Brandenburg setzt Tiertransporte in Drittländer aus

Brandenburg setzt Tiertransporte in Drittländer aus

In den Medien und durch Tierschutzorganisationen wurden erneut Missstände bei langen Tiertransporten in Drittstaaten aufgezeigt. Bis zur Klärung der erhobenen Vorwürfe werden die Landkreise Oberspreewald-Lausitz, Teltow-Fläming und Prignitz keine Rinderttiertransporte in Drittstaaten mehr abfertigen. Das wurde mit dem Brandenburger Verbraucherschutzministerium abgestimmt und heute bekannt gegeben.

"Tierleid muss endlich beendet werden"

Dazu erklärt Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher heute: „Wir werden diese Missstände nicht hinnehmen. Tiertransporte können nur in dem Maße durchgeführt werden, in dem diese unbedingt erforderlich sind und wenn sie vollumfänglich nach den Vorgaben des Tiertransportrechts erfolgen. Das Tierleid müssen wir endlich beenden. Transporteure müssen das Tierwohl bei Transporten nachweislich sicherstellen. Ansonsten sind keine Tiertransporte möglich.“

Brandenburg hat bereits im März des Jahres die Anforderung an die Abfertigung von langen, grenzüberschreitenden Tiertransporten verschärft. "Wir werden die Anforderungen an die Plausibilitätsprüfung bei der Abfertigung von Tiertransporten unter den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, ohne eine Rechtsetzungskompetenz des Landes zu besitzen, weiter erhöhen", so Nonnemacher und weiter: "Unmittelbar nach der Regierungsbildung und darüber hinaus haben wir das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mehrfach gebeten, die rechtlichen Grundlagen für die Tiertransporte zu verbessern sowie insbesondere die Außenvertretungskompetenz des Bundes wahrzunehmen, und für die Validität und Zuverlässigkeit der Daten für Pausen- und Versorgungsstellen in Drittstaaten Sorge zu tragen."

Brandenburg fordert Überarbeitung 

Auch im Rahmen der diesjährigen Verbraucherschutzministerkonferenz wurde auf Antrag von Brandenburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Berlin das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgefordert, die rechtlichen Vorgaben zur Durchführung von Tiertransporten zu verbessern. Insbesondere wurden durch die Verbraucherschutzministerinnen und -minister folgende Forderungen beschlossen:

  • umfassende Überarbeitung der Tiertransportverordnung
  • EU-weite Begrenzung der Schlachttiertransporte auf 8 Stunden
  • Einführung von Verpflichtung, dass Tierärzte an Bord der zum Transport lebender Tiere vorgesehenen Schiffe den Transport begleiten
  • Einrichtung von Kontaktstellen in Drittstaaten nach dem Vorbild der EU
  • Kontrolle und Zertifizierung von Transportrouten einschließlich der Versorgungsstationen in Drittländern durch eine unabhängige Stelle
  • Erstellung einer Übersicht über die in Drittstaaten für Tiertransporte erforderliche und geeignete Infrastruktur
  • Vereinbarung mit Drittstaaten, das die Versorgungsstellen von den vor Ort zuständigen Veterinärbehörden zugelassen werden

Reaktionen

Noch vor der Anordnung durch die Landesregierung hatte die internationale Tierschutzstiftung "Vier Pfoten" mit einem Statement auf den Stopp des Landkreises Prignitz reagiert:

Ina Müller-Arnke, Nutztierexpertin bei VIER PFOTEN: „Endlich! Nach Nordrhein-Westfalen und gestern Niedersachsen hat nun auch der Landkreis Prignitz in Brandenburg reagiert und setzt aufgrund des großen öffentlichen Drucks Tiertransporte in Drittstaaten aus. Wir begrüßen das außerordentlich, denn es ist ein längst überfälliger Schritt! Gehört Brandenburg doch zu den Ländern, die in großem Umfang in tierschutzrechtliche Hochrisikostaaten abfertigen. Jetzt gibt es keine Ausrede mehr für andere Brandenburger Landkreise wie Teltow-Fläming, Oberspreewald-Lausitz und Havelland. Diese müssen nun unmittelbar folgen. Damit dem Abfertigungstourismus endlich der Riegel vorgeschoben wird und keine Tiere mehr aus Bundesländern, die Drittlandexporte bereits verboten haben, in genehmigungsfreundliche Bundesländer gebracht werden, fordern wir ein bundesweit einheitliches Verbot. Darüber hinaus muss es einen EU-weiten Exportstopp lebender Tiere in Drittstaaten geben. Außerdem ist ein EU-weites Verbot der irrsinnigen Kälbertransporte und anderer nicht abgesetzter Jungtiere dringend erforderlich. Deutschland muss die EU-Ratspräsidentschaft jetzt nutzen, damit die grausamen Tiertransporte endlich EU-weit beendet werden.“

Erst vor Kurzem hatte die internationale Stiftung für Tierschutz VIER PFOTEN in den Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen 21 Strafanzeigen gegen Transportunternehmer, Organisatoren und Veterinärämter wegen des Verdachts der Beihilfe zur Tierquälerei erstattet.

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