Lehnen wir uns einmal zurück – die Jugend von heute hat auch etwas zu sagen. Um in ihre Gedankenwelt spezieller und mit mehr Aufmerksamkeit eintauchen zu können, ist es an der Zeit ihnen ausnahmslos Gehör zu verschaffen. Vor vier Jahren begann auf dem osteuropäischen Markt sich das Karussell von Teenagern langsam zu drehen und seit dem treten jedes Jahr U18 deutsch-polnische Jugendfilme im Wettbewerb gegeneinander an. Die Lebensentwicklungen sowie Neuentdeckungen, Strukturen des Alltags und die freie Selbstkritik des Nachwuchses haben bei der Entscheidung hohe Priorität. Aus dem Blickwinkel betrachtet, lauert in ihnen der unberührbare Instinkt, potenzielle Eigeninitiative uneingeschränkt zu ergreifen. Sie leben und genießen einfach jeden Tag, stellen sich neuen Herausforderungen und wandeln Konfrontationen wirksam entgegen. Am Mittwochabend, den 05. November 2014, konnten sich interessierte Besucher der Kammerbühne ihre eigene Meinung über die soziale Kunst des Teenagerdaseins bilden. Erlebnisreiche Eindrücke lieferten die beiden Filmbeiträge ,,Die Regeln des Spiels‘‘ aus Polen und ,,Neukölln genug‘‘ aus Deutschland. Der polnische Film erzählt die Geschichte eines Studenten, welcher unvorhersehbar ohne jeglicher Vorwarnung aus seinem Uni-Alltag gerissen und Zeuge eines gewalttätigen Überfalls wurde. Im emotionalen Kampf gegen die Angst entwickeln sich in ihm psychische Wahnvorstellungen und in folge dessen verliert er die Kontrolle der Selbstbeherrschung. Der deutsche Streifen hingegen zeigt sich im Alltag eher realitätsnah und spiegelt den Tagesablauf auf natürliche Weise wieder. Die einzelnen Storys der unterschiedlichen Jugendlichen geben ihrer Generation eine eigene Identität. In Berlin-Neukölln sucht ein Filmteam nach äußerst auffallenden Charakteren mit der Tendenz zum Speziellen wie Gangster, Obermacker und Opfermädchen. Doch stattdessen laufen ihnen junge Menschen über den Weg, die die gängigen Merkmale des Problemkiezes in Frage stellen. Sie begegnen Kids, die eine starke Meinungsbildung besitzen und selbstbewusst die knallharte Barriere der Lebensbestreitung brechen wollen. Da sich die Cliquenkreise überwiegend, egal in welcher Region aus verschiedenen Traditionen und Kulturen zusammensetzen, ist es umso spannender mit anzusehen, wie sich Freundschaften entwickeln und sie gemeinsam die Probleme des Alltags bewältigen. Im Geheimen verborgen zeigt sich schon eine gewisse Intelligenz und Toleranz innerhalb der Jugendlichen. Hochachtungsvoll muss man sagen, dass eine gemeinsam strukturierte Integration Berge versetzen kann und der filmisch talentierte Nachwuchs das Potenzial dazu hat.
Im Anschluss der Filmvorführung holte sich der Moderator Alex Pop den Kameramann Armin Mobasseri und zwei Hauptdarsteller Walid Al-Atiyat und Hussein Eliraqui von ,,Neukölln genug‘‘ auf die Bühne und sorgte mit ihnen für eine amüsante Gesprächsrunde. Alle Fragen des Publikums wurden gnadenlos aufgeschlossen beantwortet und weckten das Interesse sich mit der Thematik: Jugendliche und deren Problembewältigung im Alltag in der Gesellschaft auseinander zusetzen. Mit viel Applaus wurde ihr Engagement geehrt und bejubelt. Sie freuen sich riesig beim 24. Cottbuser FilmFestival zu Gast zu sein und genießen das Event sowie das schöne Umfeld der Stadt in vollen Zügen.








