Endlich Abstiegskampf? Richtig gelesen! Wo bei anderen Vereinen die Alarmsirenen angehen würden, herrscht in der Lausitz nach dem 3:1 in Bielefeld pure Freude. Noch vor ein paar Wochen schienen die Messen gesungen, Energie war Punktelieferant und sorgte selbst beim eigenen Anhang nur noch für Kopfschütteln. Höhepunkt war das 2:3 gegen Erzgebirge Aue. Der bis dahin erfolgloseste Trainer der zweiten Liga, Stephan Schmidt (Neun Spiele, ein Punkt) musste gehen. Co-Trainer Böhme übernahm das Himmelfahrtskommando, erfolgreich, wie sich abzuzeichnen scheint. Die Mannschaft kratzt und beißt wieder. Selbst der schon abgeschriebene Sanogoal machte vier Buden in den letzten drei Spielen. Böhmes bisherige Bilanz, vier Spiele, neun Punkte!
Und daher kommt auch die Überschrift, denn in einem Punkt hatte Ex-Trainer Schmidt recht, Energie spielte bisher in einer eigenen Liga, weit weg vom Kampf um den Klassenerhalt. Mit dem ersten Auswärtsdreier der Saison ist das Team bis auf zwei Punkte auf den Relegationsplatz rangerückt und damit seit Monaten das erste Mal wieder in Schlagdistanz und aktiv am Abstiegskampf beteiligt.
Auch in Bielefeld sah man von Anfang an eine kratzbürstige Truppe. Nicht immer schön, aber mit erschreckener Effizienz. Drei gelbe Karten in den ersten Minuten sprechen Bände. Die Hausherren, Tabellensiebzehnter, gestalteten die Partie und versuchten zu eigenen Möglichkeiten zu kommen, die erste dicke Chance hatten aber die Lausitzer nach 15 Minuten. Rivics Hereingabe lenkt Schönfeld fast ins eigene Tor. Der Pfosten rettet die Arminia. Während Cottbus kämpfte vergaben die Hausherren ihre Möglichkeiten teils kläglich, so auch in der 22. Minute, als Fießer bei einer Direktabnahme nicht zielte. Für einen weiteren Dämpfer sorgte Sanogo in der 30. Minute. Stiepermann zirkelte einen Freistoß perfekt in den Kofpballweg des Angreifers. Der wurde frei im Walde stehengelassen nickte die Kugel ein, 0:1 Energie! Die Arminen schüttelten sich kurz und vergaben weiter ihre Chancen sehr leichtfertig, so auch Lorenz in der 39. und Klos in der 45. Minute.
Nach der Pause ging es genauso weiter. Meiers neues Team drückte und Energie wehrte alles ab, was in Strafraumnähe kam. Nachdem Fießer inder 57. nicht von Sanogo lassen konnte und diesen eng umklammerte, zückte Schiri Kampka folgerichtig die Ampelkarte, Fießer hatte sich bereits in der dritten Minute die erste Gelbe abgeholt. Zu dem Zeitpunkt verpasste es Energie leider, auf das zweite Tor zu gehen, sondern verwaltete nur. Bielefeld steckte nicht auf und erarbeitete sich optisch Überlegenheit, doch die vielen Flanken fanden im Sechszehner keine Abnehmer, Möhrle und Madouni waren auf dem Posten. Takyi kam für Jendrisek, doch diese Einwechslung brachte keinen Impuls nach vorn. Im Gegenteil, der offensive Mittelfeldmann verzögerte die Partie eher, anstatt die neuen Freiräume zu nutzen. Erst in der Schlussviertelstunde bekam Energie Oberwasser, rannte in der 80. in einen Konter. Schönfeld bediente Joker Przybylko, der frei vor Renno durch seine Beinie ins Tor traf, 1:1. Przybylko stand beim Zuspiel hauchdünn im Abseits, das Schirigespann sah es leider nicht. Kurzzeitig war die Arminia drauf und dran sogar auf Sieg zu spielen, ehe sich Stiepermann in der 91. Minute ein Herz fasst und mit Links abzog. Seinen Schuss ließ Ortega nach vorn abprallen, direkt in die Haken von Salger und von dort aus ins eigene Tor. 1:2! Nur eine Minute später machte erneut Sanogo den Sack zum 1:3 zu, als er energisch nachsetzte und die Kugel ins Tor schob.
Zwischenzeitlich merkte man der Mannschaft den enormen Druck, mit einem Dreier endlich wieder ins Geschehen eingreifen zu können, merklich an. Nach der Führung verkrampfte sie regelrecht und wurde fast noch bestraft. Am Ende zählen die drei Punkte. Kommenden Mittwoch gastiert 1860 München in Cottbus, bevor es zum Montagsspiel nach Berlin geht. Den Freitag drauf ist Dynamo Dresden zu Gast in der Lausitz. Entscheidende Spiele für Böhme und sein Team.
Fotos: Christiane Weiland




